Vor einem Jahr lieferte die amerikanische Sonde Mars Odyssey Beweise für
Wasservorkommen am Südpol des roten Planeten. Nun zeigen neue Analysen
russischer und amerikanischer Planetenforscher, dass sich im Permafrostboden der nordpolaren Region des Mars möglicherweise sogar
noch mehr gefrorenes Wasser befindet als am Südpol. Die Wissenschaftler
um Igor Mitrofanov vom Institut für Weltraumforschung in Moskau und
Maria Zuber vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge
veröffentlichen ihre Analysen und Berechnungen in der aktuellen Ausgabe
des Wissenschaftsmagazins Science.
"Die eisreiche Schicht enthält einen Gewichtsanteil zwischen 50 und 75
Prozent an gefrorenem Wasser", schreiben die Forscher in ihrem
Fachaufsatz, "die oberen Bodenschichten der nördlichen Polarzone
enthalten demnach sogar mehr Wasser als die südlichen." Die
Planetenforscher hatten für ihre Untersuchung Messungen der Sonden Mars
Odyssey und Mars Global Surveyor miteinander kombiniert. Aus den Daten
folgern sie, dass der Wassergehalt des Permafrostbodens am Nordpol etwa
30 Prozent höher ist als am Südpol.
Die Polkappen auf dem Mars sind starken jahreszeitlichen Veränderungen
unterworfen. Im Mars-Winter lagert sich dort Trockeneis - also
gefrorenes Kohlendioxid - ab und erschwert so die Messung des
Wassergehalts der Bodenschichten. Mitrofanov und seine Kollegen haben
deshalb die jahreszeitlichen Veränderungen der Messdaten für den
Wassergehalt und die direkten Messungen der Dicke der Trockeneisschicht
miteinander kombiniert und daraus ein Modell für die oberen
Bodenschichten des Mars entwickelt. Aus diesem Modell konnten sie dann
auf den Wassergehalt des Marsbodens schließen.