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STERNENTSTEHUNG
Blick hinter den Vorhang aus Gas und Staub
von Rainer Kayser
17. Juni 2003

Einem deutschen Astronomen bei der europäischen Südsternwarte ESO gelang erstmals ein detaillierter Blick auf die Entstehungsphase massereicher Sterne. Der Forscher wurde dabei nicht nur von verschiedenen Großteleskopen unterstützt, sondern auch von einem heftigen Sternenwind, der die Wolke aus Gas und Staub um den nur 100.000 Jahre alten Stern durchlöcherte. 

IRS 9

Eines der beobachteten Objekte IRS 9 A-C im Sternhaufen NGC 3603. Foto: ESO [Großansicht]

Einem deutschen Astronomen ist es erstmalig gelungen, einen direkten Blick auf die Entstehung massereicher Sterne zu werfen. Gleich mehrere Teleskope der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile musste Dieter Nürnberger benutzen, um den dichten Vorhang aus Gas und Staub zu lüften, hinter dem sich die jungen Riesensterne normalerweise verbergen. Dabei profitierte der Forscher von dem kräftigen "Sternenwind" älterer Geschwister der neugeborenen Sterne, der Lücken in der Gas- und Staubwolke aufriss und so einen Blick auf die Sternengeburt erlaubte. Die von Nürnberger beobachteten Sterne sind gerade einmal 100.000 Jahre alt.

"Man muss eben nur am richten Ort nachschauen", erklärt Nürnberger den Erfolg seiner Beobachtungen. Während die Astronomen die Entstehung von sonnenähnlichen Sternen heute weitgehend verstehen, ist die Geburt massereicher Riesensterne für die Wissenschaftler immer noch voller Geheimnisse. Der Grund ist, dass diese massiven Sterne sich zumeist tief verborgen in einer dichten, undurchdringlichen Wolke aus Gas und Staub befinden. In dem Sternhaufen NGC 3603, 22.000 Lichtjahre von uns entfernt im Carina-Spiralarm der Milchstraße, gibt es jedoch einige weiter entwickelte, heiße Sterne. Von ihnen gehen Teilchenströme aus, die Löcher in die Gas- und Staubwolke reißen und so erstmalig einen Blick in die Geburtsstube der massiven Sterne erlauben.

So konnte Nürnberger eine ganze Reihe extrem junger Sterne aufspüren, die noch Materie aus ihrer Umgebung aufnehmen, sich also noch im Prozess ihrer Entstehung befinden. Drei dieser Gestirne konnte der Astronom genauer unter die Lupe nehmen. Sie enthalten jeweils etwa die zehnfache Masse der Sonne und besitzen eine Temperatur von 20.000 Grad. Die Beobachtungen zeigen weiter, dass die drei jungen Sterne von kaltem Staub - Temperatur null Grad Celsius - umgeben sind. Möglicherweise handelt es sich dabei um dichte Staubscheiben, die um die Sterne rotieren.

Bislang wussten die Astronomen nicht, ob sich massereiche Sterne durch das Einsammeln ("Akkretion") von Materie aus der umgebenden Wolke oder durch das Verschmelzen kleinerer Sterne bilden. Die Beobachtungen von Nürnberger liefern nun einen wichtigen Beweis dafür, dass die Sterne durch die Akkretion von Materie entstehen.

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