Einem deutschen Astronomen ist es erstmalig gelungen, einen direkten
Blick auf die Entstehung massereicher Sterne zu werfen. Gleich mehrere
Teleskope der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile musste Dieter
Nürnberger benutzen, um den dichten Vorhang aus Gas und Staub zu lüften,
hinter dem sich die jungen Riesensterne normalerweise verbergen. Dabei
profitierte der Forscher von dem kräftigen "Sternenwind" älterer
Geschwister der neugeborenen Sterne, der Lücken in der Gas- und
Staubwolke aufriss und so einen Blick auf die Sternengeburt erlaubte.
Die von Nürnberger beobachteten Sterne sind gerade einmal 100.000 Jahre
alt.
"Man muss eben nur am richten Ort nachschauen", erklärt Nürnberger den
Erfolg seiner Beobachtungen. Während die Astronomen die Entstehung von
sonnenähnlichen Sternen heute weitgehend verstehen, ist die Geburt
massereicher Riesensterne für die Wissenschaftler immer noch voller
Geheimnisse. Der Grund ist, dass diese massiven Sterne sich zumeist tief
verborgen in einer dichten, undurchdringlichen Wolke aus Gas und Staub
befinden. In dem Sternhaufen NGC 3603, 22.000 Lichtjahre von uns
entfernt im Carina-Spiralarm der Milchstraße, gibt es jedoch einige
weiter entwickelte, heiße Sterne. Von ihnen gehen Teilchenströme aus,
die Löcher in die Gas- und Staubwolke reißen und so erstmalig einen
Blick in die Geburtsstube der massiven Sterne erlauben.
So konnte Nürnberger eine ganze Reihe extrem junger Sterne aufspüren,
die noch Materie aus ihrer Umgebung aufnehmen, sich also noch im Prozess
ihrer Entstehung befinden. Drei dieser Gestirne konnte der Astronom
genauer unter die Lupe nehmen. Sie enthalten jeweils etwa die zehnfache
Masse der Sonne und besitzen eine Temperatur von 20.000 Grad. Die
Beobachtungen zeigen weiter, dass die drei jungen Sterne von kaltem
Staub - Temperatur null Grad Celsius - umgeben sind. Möglicherweise
handelt es sich dabei um dichte Staubscheiben, die um die Sterne rotieren.
Bislang wussten die Astronomen nicht, ob sich massereiche Sterne durch
das Einsammeln ("Akkretion") von Materie aus der umgebenden Wolke oder
durch das Verschmelzen kleinerer Sterne bilden. Die Beobachtungen von
Nürnberger liefern nun einen wichtigen Beweis dafür, dass die Sterne
durch die Akkretion von Materie entstehen.