Die Internationale Raumstation (ISS) muss regelmäßig mit Ausrüstung für
wissenschaftliche und kommerzielle Zwecke, Treibstoff zur Anhebung ihrer Bahn,
Ersatzteilen sowie Proviant, Sauerstoff- und Wasservorräten für die ständige
Mannschaft beliefert werden. Und das Automatic Transfer Vehicle (ATV) der
ESA, das im April letzten Jahres auf den Namen Jules Verne getauft wurde (astronews.com
berichtete), soll dabei ab September 2004 eine entscheidende Rolle spielen.
Die ESA wird mindestens acht ATV bauen; die genaue Zahl hängt von der
tatsächlichen Betriebsdauer der Raumstation ab. An dem Vorhaben sind dreißig
Unternehmen aus zehn europäischen Ländern unter der Leitung des Unternehmens
EADS Launch Vehicles (Frankreich) beteiligt, das außerdem Beiträge von acht
Firmen aus Rußland und den USA zur Entwicklung des Raumschleppers koordiniert.
"2003 ist ein wichtiges Jahr für das Zusammenfügen der verschiedenen Bauteile
und den Bau des eigentlichen Raumschiffs", erläutert Patrice Amadieu, der bei
der ESA für die ATVs mit verantwortlich ist. Das ATV, das auch dazu verwendet
werden soll, die ISS wieder auf eine höhere Umlaufbahn zu hieven, gilt als das
aufwendigste Raumfahrzeug, das je in Europa entwickelt wurde.
Zur Zeit wird im französischen Les Mureaux die Bordelektronik des ATVs
gründlichen Tests unterzogen, während im italienischen Turin das eigentliche
Raumschiff zusammengebaut wird. Im Juni sollen auch die russische
Antriebskomponente nach Turin gebracht werden. Zusammengefügt werden dann alle
Teile des Raumschiffs in Bremen. Letzte Station vor dem Transfer nach Kourou ist
Noordwijk in den Niederlanden: In den dortigen Testeinrichtungen wird das
gesamte Raumschiff ab Januar 2004 ausführlichen abschließenden Tests unterzogen.
Die ATVs werden an Bord einer Ariane 5-Rakete in eine Umlaufbahn geschossen
und sollen dann automatisch an die Internationale Raumstation ISS andocken. Sie
können so bequem entladen und wieder mit Müll und nicht mehr benötigten
Gegenständen befüllt werden. Nach etwa einem halben Jahr werden die
Raumfahrzeuge dann von der ISS abkoppeln und in der Atmosphäre vollständig
verglühen. Im Schnitt soll ab Ende 2004 alle 15 Monate ein ATV gestartet werden.
Das 8,5 Meter lange Raumschiff kann insgesamt 7,2 Tonnen an
Ausrüstungsgegenständen ins All transportieren.