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HUBBLE
Ein Sextett aus vier Galaxien
von Stefan Deiters
astronews.com
13. Dezember 2002

Im All liegen Zerstörung und Geburt dicht beieinander: So führen gewaltige Galaxienkollisionen meist zu einer intensiven Phase von Sternentstehung. Im Falle von Seyferts Sextett ist das hingegen anders. Beobachteten die Astronomen also diese kosmische Massenkarambolage in einem sehr frühen Stadium?

Seyferts Sextett

Hubble-Aufnahme von Seyferts Sextett. Foto: NASA, J. English (U. Manitoba), S. Hunsberger, S. Zonak, J. Charlton, S. Gallagher (PSU) und L. Frattare (STScI) [Großansicht]

Der Name Seyferts Sextett täuscht: In Wirklichkeit handelt es sich nur um vier Galaxien, die hier in 190 Millionen Lichtjahren Entfernung miteinander kollidieren. Durch ihre enormen Gravitationskräfte werden Sterne aus den Galaxien herausgelöst und so das gesamte Erscheinungsbild der Galaxien verändert. Nicht zum Sextett gehört die gut erkennbare Spiralgalaxie in der Bildmitte: Sie ist fünf Mal weiter von der Erde entfernt als die anderen Galaxien und gehört für den Beobachter nur durch einen optischen Zufall zu der Gruppe. Und auch das nebelartige Gebilde unten rechts ist keine Galaxie, sondern lediglich ein so genannter Gezeitenarm, der von einer der vier Galaxien hinausgelöst wurde.

Das eigentliche Galaxienquartett hat einen Durchmesser von lediglich 100.000 Lichtjahren und nimmt weniger Raum ein als beispielsweise unsere Milchstraße. Jede der beteiligten Galaxien hat einen Durchmesser von etwa 35.000 Lichtjahren. Die Halos aus Sternen rund um die elliptische Galaxie in der Bildmitte und die beiden Spiralgalaxien im unteren Bildbereich deuten darauf hin, dass diese Galaxien schon deutlich in ihrer Struktur verändert wurden. Hingegen scheint die Spiralgalaxie im oberen Bildbereich weitgehend ungestört zu sein.

Bei vielen anderen Galaxienkollisionen konnten die Astronomen hell leuchtende blaue Regionen mit jungen Sternhaufen erkennen, da es durch die Kollision meist zu einem heftigen Sternentstehungsausbruch kommt. Nicht so bei Seyferts Sextett: Allerdings könnte es für diesen Unterschied eine einfach Erklärung geben. So wäre es möglich, dass wir heute Seyferts Sextett zu einem Zeitpunkt sehen, zu dem einfach noch nicht so viel passiert ist. Das Bild könnte sich also bald dramatisch ändern. In ferner Zukunft, also in mehreren Milliarden Jahren, könnten alle vier Galaxien zu einer neuen elliptischen Galaxie verschmolzen sein.

Seyferts Sextett wurde nach dem Astronomen Carl Seyfert benannt, der die Gruppe in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts entdeckte. Er hatte aber schon vermutet, dass es sich bei einer Galaxie in Wirklichkeit um einen Gezeitenarm handelt, der von einer der anderen Galaxien losgelöst wurde.

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