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ESA
Europas kosmische Visionen
Redaktion
astronews.com
29. Mai 2002

Unter dem Namen Cosmic Vision hat die europäische Weltraumagentur ESA ein neues Wissenschaftsprogramm vorgelegt. Es versucht, in Zeiten knapper Kassen, ein möglichst anspruchsvolles Weltraumprogramm zu realisieren. Eine Mission zur Venus fiel dem Sparzwang allerdings zum Opfer, an der Astrometrie-Mission GAIA sind größere Änderungen geplant.

Im Anschluss an die Tagung des ESA-Rates auf Ministerebene in Edinburgh im November 2001 hat der Wissenschaftsdirektor eine vollständige Neubewertung des ESA-Wissenschaftsprogramms unternommen. Dies geschah in enger Zusammenarbeit mit den durch den beratenden Ausschuss für Weltraumwissenschaft vertretenen Forschern, der Industrie und den Delegationen der Mitgliedstaaten. Die Ergebnisse der Neubewertung wurden als Vorschlag an den Ausschuss für das Wissenschaftliche Programm der Europäischen Weltraumorganisation in dessen 99. Sitzung, die Ende letzter Woche im norwegischen Andenes stattfand, vorgelegt, der schließlich dessen tatkräftige Umsetzung des neuen Programms empfahl.

Die Ergebnisse der Ratstagung auf Ministerebene in Edinburgh waren für das Wissenschaftsprogramm der ESA nicht so positiv, wie dies erhofft worden war. Es zeigte sich, dass die bewilligten Mittel nicht ausreichen würden, um das vom Ausschuss für das Wissenschaftliche Programm im Oktober 2000 genehmigte Langzeitprogramm unter den von ihm im Mai 1999 in Bern beschlossenen finanziellen Annahmen durchzuführen. Das in Edinburgh bewilligte Finanzvolumen machte auf den ersten Blick die Streichung einer Mission (etwa der Astrometrie-Mission GAIA) erforderlich.

Am Ende der Neubewertung konnte die Exekutive nach eingehenden Konsultationen mit allen Partnern einen überarbeiteten Plan vorlegen, nach dem sich nicht nur die im Oktober 2000 genehmigten Missionen aufrechterhalten lassen, sondern zusätzlich noch die Mission Eddington durchgeführt werden kann. Der vom Ausschuss für das Wissenschaftliche Programm in seiner 99. Sitzung nachdrücklich befürwortete neue Plan enthält die folgenden Missionen, die nach Produktionsgruppen zusammengefasst sind.

Für die astrophysikalische Forschung sieht die ESA die Missionen XMM-Newton (1999) und INTEGRAL (2002) also Röntgen- und Gammastrahlenobservatorien zur Untersuchung des Universums, Herschel zur Erforschung des Infrarot- und Mikrowellen-Universums, Planck zur Untersuchung des kosmischen Mikrowellen-Hintergrunds sowie Eddington zur Suche nach extra-solaren Planeten und Untersuchung der stellaren Seismologie (Missionsstart jeweils 2007 bis 2008) sowie GAIA zur hochgenauen Kartierung der Galaxien (Start spätestens im Jahr 2012) vor.

Zur Erforschung des Sonnensystems plant die ESA Rosetta, eine Sonde zu einem Kometen (2003) und Mars Express, einen Mars-Orbiter mit dem Landegerät Beagle-2 (2003). Der ebenfalls zu dieser Gruppe gehörende Venus Express, ein Venus-Orbiter, wurde gestrichen. In einer zweiten Produktionsgruppe sind SMART-1 zur Demonstration solarer Antriebstechnik auf dem Weg zum Mond (2003), BepiColombo, eine Mission zum Merkur, und Sonnenorbiter zur Beobachtung der Sonne aus nächster Nähe (Start im Zeitraum 2011 bis 2012) vorgesehen.

Für die Grundlagenforschung will die ESA an STEP (2005) zum Nachweis des Äquivalenz-Prinzips und an SMART-2, eine Technologiedemonstrationsmission (2006) für LISA, ein Gemeinschaftsvorhaben mit der NASA zum Nachweis von Gravitationswellen (2011) festhalten. Außerdem sieht die ESA eine Zusammenarbeit mit der NASA bei NGST (Weltraumteleskop der nächsten Generation) vor, dem im Jahr 2010 zu startenden Nachfolger des Hubble-Weltraumteleskops. STEP (2005), die Mission, die das Wesen der Masse und die Grundlagen der Mechanik nachweisen soll, hängt von einer Entscheidung der NASA ab, die bei dieser Mission Hauptpartner ist.

Die Produktionsgruppen sind mehr als wissenschaftliche Gruppierungen. Das Raumfluggerät für die Missionen in jeder Gruppe soll synergetisch unter größtmöglicher Nutzung gemeinsamer Technologien und Ingenieurteams gebaut werden. Außerdem soll BepiColombo und der Sonnenorbiters mit internationalen Partnern verwirklicht werden sowie Herschel/Planck und Eddington die gleiche Plattform verwenden. Für GAIA sind größere Veränderungen geplant, um die Kosten dieser Mission ohne wissenschaftliche Einbußen zu senken. GAIA soll wie in Bern vereinbart spätestens im Jahr 2012 gestartet werden. Außerdem soll durch Verwendung neuer Technologien die Kosteneffizienz bei der Entwicklung und Beschaffung von Raumfluggerät erheblich gesteigert werden.

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