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ERDE
Luftverschmutzung macht Tage länger
von Rainer Kayser
14. Februar 2002

Ein belgischer Astronom hat auf eine bislang unbeachtet gebliebene Folge der Verschmutzung der Erdatmosphäre hingewiesen: Die Erdrehung könnte sich verlangsamen. Ein Argument für Politiker sich intensiver für den Umweltschutz einzusetzen, dürften die Berechnungen allerdings nicht sein: Der Effekt beläuft sich auf elf Sekunden in 100.000 Jahren.

Erde

Mondaufgang über der Erde.
Foto: NASA

Die zunehmende Verschmutzung der Erdatmosphäre führt nicht nur zur globalen Erwärmung, sondern auch zu einer Verlangsamung der Erdrotation. Der Astronom Olivier de Viron von der Königlichen Sternwarte Belgiens in Brüssel hat jetzt ausgerechnet, dass die irdischen Tage beim gegenwärtigen Stand der Luftverschmutzung in 100.000 Jahren um elf Sekunden länger werden. Das Ergebnis seiner Berechnungen erscheint in der nächsten Ausgabe der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters.

In seinen Computermodellen fügte de Viron der Erdatmosphäre jährlich ein Prozent mehr Kohlendioxid zu. Das entspricht etwa der tatsächlichen Rate der gegenwärtigen Luftverschmutzung. Die Modellrechnungen zeigen, dass durch den Treibhauseffekt die Windgeschwindigkeiten zunehmen. Da die Winde vorzugsweise von Westen nach Osten blasen, "überholen" sie gewissermaßen die Erde bei ihrer Rotation. Gemäß einem physikalischen Gesetz - der Erhaltung des Drehimpulses - muss sich dann die Rotation des Erdkörpers verlangsamen, wenn sich die Rotation der Erdatmosphäre durch die Zunahme der Windgeschwindigkeit beschleunigt.

Freilich ist es derzeit unmöglich, diesen Effekt durch Messungen nachzuweisen, gesteht der Forscher ein. Die Rotation der Erde ändert sich auch durch eine Vielzahl anderer kleiner Effekte im Bereich von Sekundenbruchteilen pro Jahr. Nur Messungen über viele Jahrzehnte hinweg könnten diesen unscheinbaren Nebeneffekt der globalen Erwärmung eines Tages registrieren.

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