Die Entdeckung, die die Wissenschaftler bei der Tagung der Amerikanischen
Astronomischen Gesellschaft in Washington bekannt gaben, ist deswegen
interessant, weil über das Schicksal von Planeten während der späten
Entwicklungsphase ihrer Sonnen bislang nur spekuliert werden konnte. Ist nämlich
der Wasserstoffvorrat im Inneren einer Sonne verbraucht, bläht sich der Stern
nach den gängigen Theorien zu einem Roten Riesen auf und kann dabei die
innersten Planeten verschlucken. Ein solches Schicksal droht nach Ansicht von
Astronomen auch den inneren Planeten unseres Sonnensystems.
Die ferne Sonne, um die der Planet entdeckt wurde, ist ein solcher Riesenstern und
hat etwa den 13fachen Radius unserer Sonne. "Bislang hat man nicht gewusst, ob
um solche Sterne tatsächlich Planeten existieren", erläutert Sabine Frink von
der Universität von Kalifornien in San Diego. Der jetzige Fund liefert den
ersten Anhaltspunkt dafür, dass ein Planet in erdähnlichem Abstand die
Riesenphase seinen Zentralgestirns durchaus überleben kann. Der Riesenstern iota
Draconis liegt in rund 100 Lichtjahren Entfernung im Sternbild Drache.
Der Planet um iota Draconis wurde - wie fast alle Exoplaneten - indirekt
entdeckt, in dem man aus einem leichten Wackeln des Sterns auf die Anwesenheit
eines Planeten geschlossen hat. Nach den Berechnungen der Forscher umrundet die
ferne Welt iota Draconis in eineinhalb Jahren und in einem relativ exzentrischen
(also wenig kreisförmigen) Orbit. Es dürfte sich bei dem Planeten um einen
Gasriesen handeln, der etwa die acht- bis neunfache Masse des Jupiter hat.
Allerdings betont das Team, dass es sich bei der ermittelten Masse um eine
Mindestmasse handelt und es durchaus möglich sei, dass man es hier mit einem
Braunen Zwerg und nicht mit einen Planeten zu tun hat. Braune Zwerge sind
Sterne, die nicht genügend Masse haben, um ihr nukleares Feuer zu zünden, aber
im Grunde genommen wie Sterne entstehen. Doch selbst wenn es sich um einen
Braunen Zwerg handeln würde, wäre die Entdeckung eines solchen Systems nach wie
vor eine Premiere.
Die Entdeckung von Planeten um Riesensterne ist deutlich anspruchsvoller als
das Aufspüren ferner Welten um normale, sonnenähnliche Sterne. Riesensterne
befinden sich nämlich in einer recht turbulenten Phase ihres Lebens und würden
häufig pulsieren, was das Erkennen des Einflusses des Planeten schwierig macht.
Um endgültig sicher zu sein, um was es sich bei dem Begleiter von ioto Draconis
handelt sind weitere Beobachtungen nötig. Zukünftige Weltraumteleskope dürften
hier wichtige Dienste leisten.