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CHANDRA
Röntgenblick ins Zentrum der Milchstraße
von Stefan Deiters
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10. Januar 2002

Das US-Röntgenteleskop Chandra lieferte jetzt einen eindrucksvollen Blick auf das turbulente Zentrum unserer Milchstraße. Die Astronomen erhoffen sich von den Daten neue Erkenntnisse über diese aktivste Region unserer Heimatgalaxis, aber auch über andere Galaxien im Universum.

Milchstraße
 
Das Mosaikbild des Zentrums der Milchstraße im Röntgenlicht.
Bild: NASA/Universität von Massachusetts/D. Wang
[Komplette Ansicht]

Auf der Chandra-Aufnahme, die Q. Daniel Wang von der Universität von Massachusetts während des Treffens der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft in Washington präsentierte, zeigt sich das Zentrum der Milchstraße wie eine hektische Stadt aus Sternen: Weiße Zwergsterne, Neutronensterne und Schwarze Löcher sind hier in einem Nebel aus Millionen Grad heißem Gas zu sehen, und dies alles rund um das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum.

"Das Zentrum der Milchstraße ist der Ort, an dem die interessanten Dinge passieren", erläutert Wang, der seine Ergebnisse auch in der heutigen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature veröffentlicht. "Mit diesen Bilder erhalten wir einen ganz neuen Einblick in das Zusammenspiel zwischen Sternen, Staub und Gas aber auch in die Rolle von Magnetfeldern und Gravitation in dieser Region. Wir können erkennen, wie diese Kräfte ihre unmittelbare Umgebung beeinflussen aber auch Auswirkungen auf andere Bereiche der Galaxis haben könnten."

Das Bild ist ein Mosaik aus insgesamt 30 Einzelbildern, die mit Hilfe des Chandra-Weltraumteleskops Mitte Juli letzten Jahres gemacht wurden. Die Bilder umfassen einen Beriech von 400 mal 900 Lichtjahren im Zentrum unserer Milchstraße. Als erstes unmittelbares Ergebnis war das Team um Wang in der Lage einzelne Röntgenquellen in dem diffusen Leuchten des heißen Gases zu erkennen. "Wir können nun sehen, dass diese Röntgenquellen für einen großen Teil der Röntgenstrahlung verantwortlich sind, für die vorher das glühende Gas verantwortlich gemacht wurde", erläutert Eric Gotthelf, ein Kollege Wangs von der Columbia University in New York. "Das bedeutet, dass wir unsere Einschätzung über das heiße Gas revidieren müssen. Es dürfte etwa zehnmal kühler sein als angenommen. Seine Temperatur dürfte nur angenehme zehn Millionen Grad betragen."

Die diffuse Röntgenstrahlung dürfte im Zusammenhang mit dem Getümmel im Zentrum der Milchstraße stehen. Sterne entstehen hier in deutlich größeren Raten als in den äußeren Regionen unserer Galaxis. Viele der massereichsten Sterne sind hier zu finden und blasen ihre äußeren Hüllen in stellaren Winden ab. Damit sind auch Supernova-Explosionen deutlich häufiger zu erwarten als in Regionen mit weniger massereichen Sternen. Von diesen Explosionen gehen gewaltige Schockwellen aus, die den gesamten inneren Bereich erschüttern.

Und dann ist da noch das zentrale supermassereiche Schwarze Loch. Chandra beobachtete zwar unlängst einen kleinen Aktivitätsausbruch aus dieser Region, doch ist die Energieabstrahlung im Zentralbereich relativ klein. Allerdings wäre es möglich, dass das Schwarze Loch in der Vergangenheit deutlich heller war - oder vielmehr, dass das Material, das gerade in das Schwarze Loch stürzt, deutlich heller geleuchtet hat.

"Die Chandra-Karte zeigt, dass das Gas vom Zentrum in den Halo entkommt", so Wang. "Eine Galaxie ist also eine Art Ökosystem und die Aktivität im Zentrum kann die Vorgänge in den äußeren Bereichen maßgeblich beeinflussen. In astronomischen Maßstäben ist unser Milchstraßenzentrum quasi in unserem eigenen Garten und deswegen ein so wichtiges Studienobjekt, um die Vorgänge auch in den Zentren anderer Galaxien zu verstehen."

Links im WWW
Chandra X-ray Observatory, Seite der NASA
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