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AVO
Virtuelles Beobachten in der Datenbank
Redaktion
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14. Dezember 2001

An modernen Großteleskopen werden in jeder Nacht Unmengen von Daten produziert, in denen ein beträchtliches Potential für Entdeckungen schlummern könnte, das aber beim ersten Betrachten nicht erkannt wurde. Mit dem Astrophysikalischen Virtuellen Observatorium soll nun eine riesige Datenbank entstehen, die die einfache Nutzung dieser Daten ermöglicht.

AVO
Mit dem Astrophysikalischen Virtuellen Observatorium sollen europäische Astronomen Zugriff auf gewaltige Datenmengen erhalten. Bild: ESA

Unter der Bezeichnung "Astrophysikalisches Virtuelles Observatorium" (AVO) wurde Anfang Dezember eine neue europäische Initiative gestartet, die den Astronomen atemberaubende Möglichkeiten für neue Entdeckungen eröffnet. Sie soll es ihnen gestatten, die Daten sowohl boden- als auch weltraumgestützter Teleskope aus Beobachtungen über den gesamten Wellenlängenbereich - von der hochenergetischen Gammastrahlung über das Ultraviolett- und sichtbare Licht bis hin zur Infrarot- und Radiostrahlung - nahtlos miteinander zu vereinen.

Ziel des AVO ist, den Astronomen sofortigen Zugriff auf die riesigen Datenbanken zu gewähren, die gegenwärtig von Observatorien in aller Welt aufgebaut werden und zusammen gewissermaßen einen "digitalen Himmel" bilden. Mit dem AVO werden die Astronomen beispielsweise in der Lage sein, die flüchtigen Spuren des Vorbeiflugs eines Asteroiden an der Erde ausfindig zu machen, hieraus seine künftige Bahn abzuleiten und vielleicht vor einem etwaigen Aufschlag zu warnen. Wenn ein Riesenstern am Ende seines Lebens in einer gewaltigen Explosion - Supernova genannt - auseinander fliegt, können sie den digitalen Himmel durchsuchen und den Stern kurz vor seiner Explosion lokalisieren, womit sich unschätzbare Daten in die Forschung über die Entwicklung der Sterne einbeziehen lassen.

Da moderne Observatorien den Himmel ständig beobachten, sammeln sich in ihren Digitalarchiven pausenlos Daten an. Die Wachstumsrate ist eindrucksvoll: Schon stehen den Wissenschaftlern viele Hundert Terabyte Daten zur Verfügung, was Trillionen Bildpunkten entspricht. Der reale Himmel wird in den Datenbanken digital rekonstruiert. Umfang und Vielfalt der den Astronomen zugänglichen Daten und Informationen sind überwältigend. Damit stellt sich das Problem, wie die Astronomen diese Datenflut bewältigen, verteilen und auswerten können. Die Antwort bietet das Astrophysikalische Virtuelle Observatorium, das den Himmel "online" erschließt.

Die AVO-Initiative ist ein von der Europäischen Kommission im Rahmen ihres Programms für Forschung und Technologische Entwicklung (FTE) finanziertes dreijähriges Vorhaben zur Auslegung und Implementierung eines virtuellen Observatoriums für die europäischen Astronomen. Die Kommission hat hierfür einen Vertrag im Wert von 4 Millionen Euro vergeben, der seit 15. November 2001 läuft. Das AVO soll die Software-Werkzeuge bereitstellen, die Astronomen über das Internet den Zugriff auf Archive mit Daten unterschiedlicher Wellenlängenbereiche ermöglichen und sie somit in die Lage versetzen, unter Durchsuchung des digitalen Himmels grundlegende Fragen über das Universum zu lösen. "Reale" Himmelsdurchmusterungen vergleichbaren Umfangs wären nicht nur sündhaft teuer, sondern würden auch viel zu lange dauern.

Die Notwendigkeit virtueller Observatorien wurde auch von den Astronomen in anderen Teilen der Welt erkannt. Die Nationale Wissenschaftsstiftung in den USA hat 10 Millionen US-Dollar (11,4 Millionen Euro) für ein Nationales Virtuelles Observatorium (NVO) bereitgestellt. Das AVO-Projektteam hat enge Verbindungen zum NVO-Team geknüpft, und jedes Team ist in den Ausschüssen des anderen vertreten. Sowohl seitens des NVO als auch des AVO sind sich die Astronomen bewusst, dass das Konzept des virtuellen Observatoriums an sich keine Grenzen kennt und alle Astronomen auf ein wahrhaft weltumspannendes virtuelles Observatorium hinarbeiten sollten, das dank der Fülle astronomischer Daten in der wachsenden Zahl erstklassiger internationaler astronomischer Archive wissenschaftliche Forschung in völlig neuem Maßstab gestatten dürfte.

Am AVO sind sechs Partnerorganisationen unter der Federführung der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Garching bei München beteiligt. Die anderen Partner sind die Europäische Weltraumorganisation (ESA), das britische ASTROGRID-Konsortium, das vom französischen CNRS unterstützte Centre de Données Astronomiques de Strasbourg (CDS) an der Louis-Pasteur-Universität Straßburg, das ebenfalls vom CNRS unterstützte TERAPIX-Datenzentrum am Institut für Astrophysik in Paris und das Jodrell Bank Observatory an der Universität Manchester.

Links im WWW
Astrophysical Virtual Observatory
US National Virtual Observatory
ESO, europäische Südsternwarte
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