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Aufnahmen von bisher unerreichter Auflösung gelangen einem Team deutscher und französischer Astronomen mit der neuen Infrarotkamera CONICA am Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO). Erstes Zielobjekt der mit adaptiver Optik versehenen Kamera war am 29. November der offene Sternhaufen NGC 3603, in dem mit CONICA zahllose neu entstandene Sterne beobachtet wurden. CONICA ist jetzt die weltweit leistungsfähigste Infrarotkamera. Entstanden ist das rund eine Tonne schwere Präzisionsinstrument unter der Federführung des Max-Planck-Instituts für Astronomie (MPIA) in Heidelberg.
CONICA arbeitet auf dem 2600 Meter hohen Cerro Paranal in den
chilenischen Anden am vierten 8-Meter-Teleskop des VLT. Zusammen mit der
Kamera wurde ein unter französischer Leitung gebautes Instrument für
adaptive Optik (NAOS) installiert, das während der Aufnahme laufend die
durch die Luftunruhe verursachte Bildunschärfe korrigiert. Damit können
CONICA und NAOS zusammen astronomische Aufnahmen liefern, die jene des
Weltraumteleskops Hubble (HST) an Empfindlichkeit und Schärfe weit
übertreffen. Das Projekt startete Anfang 1992 mit einem Vertrag zwischen den beiden Max-Planck-Instituten und der ESO. Seitdem wurden in den Bau von CONICA schätzungsweise zusammen insgesamt 40 Jahre an Arbeit investiert. Die Materialkosten von rund 2,3 Millionen Mark übernahm die ESO, während die Max-Planck-Institute ihren Maschinenpark und das Know-how ihrer Mitarbeiter einbrachten. "An der Entwicklung und dem Bau unserer Kamera haben eine Vielzahl von Ingenieuren, Doktoranden und Diplomanden unseres Instituts mit vollem Einsatz gearbeitet. Jetzt ernten wir den Lohn einer langjähriger Entwicklung", erklärt Projektleiter Rainer Lenzen vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie. CONICA ist nicht bloß eine Kamera, es ist ein sehr vielseitiges
wissenschaftliches Instrument: Ähnlich wie man bei einem Fotoapparat
Objektive mit unterschiedlichen Brennweiten auswechseln kann, lassen sich
im Inneren von CONICA sieben Einzelkameras auswählen. Sie sitzen auf einem
großen Rad und werden damit in den Strahlengang gedreht. Das ermöglicht
Aufnahmen mit unterschiedlicher Auflösung. Nötig ist dies vor allem
deswegen, weil CONICA im Infrarotbereich bei Wellenlängen zwischen etwa
einem und fünf Mikrometern empfindlich ist. Jede Kamera ist für jeweils
einen Teilbereich optimal konzipiert. CONICA ist für nahezu alle Bereiche astronomischer Forschung einsetzbar. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Sternentstehung. In Galaxien wie dem Milchstraßensystem existieren riesige Wolken aus Staub und Gas. Unter bestimmten Bedingungen können sich einzelne Bereiche im Innern solcher Wolken unter der eigenen Schwerkraft zusammenziehen und zu neuen Sternen verdichten. Auf diese Weise ist auch unsere Sonne entstanden. Erst wenn ein Stern hell zu strahlen beginnt, fegt er die Umgebung vom übrig gebliebenen Staub und Gas frei und wird sichtbar. Im Bereich des sichtbaren Lichts sind die Frühstadien der Sternentstehung nicht beobachtbar, weil sie noch tief im Inneren der Wolke ablaufen. Erst in dem für CONICA zugänglichen Infrarotbereich durchdringt die emittierte Strahlung den Staub und öffnet so den Blick in die "Kinderstuben" junger Sterne. Ein Beispiel einer solchen Region ist die Umgebung des jungen
Sternhaufens NGC 3603. Die zahllosen kleinen Lichtpünktchen, die auf der
am VLT gewonnenen CONICA-Aufnahme sichtbar werden, sind massearme Sterne,
die für astronomische Begriffe außerordentlich jung sind, nämlich nur
wenige hundert Millionen Jahre. Auf der Hubble-Aufnahme sind die meisten
von ihnen nicht sichtbar. Die genaue Beobachtung dieser Sterne wird zu
einem besseren Verständnis der bei der Sternbildung ablaufenden Prozesse
führen.
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