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ESA
Europas Zukunft im All
Redaktion
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20. November 2001

Die für Raumfahrt zuständigen Minister der fünfzehn Mitgliedsstaaten der Europäischen Weltraumagentur ESA sowie Kanadas haben in der letzten Woche auf einer zweitägigen Tagung im schottischen Edinburgh die Entwicklung der europäischen Raumfahrt diskutiert. Zukünftig soll es eine engere Zusammenarbeit mit der europäischen Union geben. Auch die Zukunft der in Finanznot geratenen Internationalen Raumstation ISS stand auf der Tagesordnung.

Ariane 5
Marktanteil von über 50 Prozent: die europäische Ariane-Rakete. Hier der Start einer Ariane 5. Foto: ESA

Die ESA und ihre Mitgliedstaaten erzielten insbesondere bedeutende Fortschritte bei einer Reihe zukunftsorientierter Programme, wozu weitreichende Beschlüsse zur Verstärkung der Rolle Europas in der Raumfahrt gehören. Die erste Entschließung, die die Bedeutung eines harmonisierten starken Weltraumprogramms zum Nutzen der Bürger Europas hervorhob, wurde einstimmig verabschiedet. Die Minister nahmen eine Erklärung an, in der sie ihre finanziellen Verpflichtungen für die Entwicklung von Europas Satellitennavigationssystem Galileo festlegten. Die ESA sieht nun der Tagung der Verkehrsminister der Europäischen Union im Dezember entgegen, auf der diese ihren Beitrag zu Galileo genehmigen sollen. Dieses für die europäische Verkehrspolitik wesentliche System, das in Partnerschaft mit dem Privatsektor errichtet werden soll, wird eine breite Palette unabhängiger Navigationsdienste für kommerzielle und private Nutzer bieten und neue kommerzielle Anwendungen beispielsweise  in der Kraftfahrzeugnavigation und Luftverkehrskontrolle erschließen.

Einer der Schwerpunkte der weiteren Zusammenarbeit mit der Europäischen Union wird das Projekt für globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung (GMES) sein, das sich vor allem mit Themen wie globaler Wandel, natürliche und vom Menschen verursachte Katastrophen, Umweltbelastung und Einhaltung völkerrechtlicher Verpflichtungen befasst. Die Erdbeobachtung ist für die Überwachung der Umwelt und die Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen von entscheidender Bedeutung. GMES und andere Erdbeobachtungsvorhaben wurden als die ersten einer Reihe anwendungsorientierter Erdüberwachungsmissionen genehmigt.

Die Weiterentwicklung der europäischen Trägerrakete Ariane, die bei den kommerziellen Starts seit langem weltweit einen Marktanteil von über 50 Prozent behauptet, wurde durch einen positiven Beschluss der Delegationen sichergestellt. Die ESA ist zuversichtlich, dass die Ariane der Weltmarktführer für den Transport kommerzieller Satelliten ins All bleiben wird. Die europäische Strategie für einen eigenständigen und erschwinglichen Zugang zum Weltraum setzt wettbewerbsfähige europäische Startsysteme voraus. Die Minister hoben hervor, dass die wirksame Umsetzung dieser Strategie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Investitionen des öffentlichen und des privaten Sektors sowie eine Umstrukturierung des Raumfahrzeugträgerbereichs in Europa erfordert.

Im Zusammenhang mit der laufenden Diskussion in den USA über die künftige Konfiguration der Internationalen Raumstation (ISS) sandten die europäischen Minister ein klares Signal an die ISS-Partner, dass die ESA ihren gesamten Verpflichtungen nachkommen wird, aber auch erwartet, dass die NASA die internationalen Übereinkünfte über die ISS einhält. Die ESA ist hauptsächlich an einer intensiven wissenschaftlichen Nutzung der Raumstation interessiert, die bestimmte Bordressourcen wie eine komplette Mannschaft voraussetzt. In einer die Nutzung der ISS betreffenden Entschließung wurden die von der ESA benötigten Finanzmittel bewilligt, wovon aber 60 % erst freigegeben werden, wenn die NASA die ursprünglich getroffene Vereinbarung bestätigt.

Damit Europa das strategische Potential der Weltraumtechnik zur Verwirklichung seiner wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Ziele effizienter nutzen kann, haben die Minister in Edinburgh den Auftrags an die ESA bekräftigt, ihre Verbindungen zur Europäischen Union zu vertiefen. Die Verknüpfung der politischen Ziele der Europäischen Union mit den Fähigkeiten der Europäischen Weltraumorganisation wurde vor einigen Jahren eingeleitet. Die ESA bemüht sich zunehmend um engere Zusammenarbeit mit der Europäischen Union, damit die Raumfahrt unmittelbarer in den Dienst der europäischen Bürger gestellt werden kann. Um die Raumfahrt in das Blickfeld der höchsten politischen Ebene in Europa zu rücken, bereiten die ESA und die EU die Entwicklung und Umsetzung einer europäischen Weltraumpolitik vor. Die Fundamente dieser Politik wurden im November vergangenen Jahres gelegt (astronews.com berichtete), als die Räte der ESA und der EU eine gemeinsame europäische Strategie für die Raumfahrt gebilligt haben.

Die Zusammenarbeit beschränkt sich indes nicht auf Europa. Im vergangenen Jahr wurde das langjährige Kooperationsabkommen mit Kanada erneuert, und die gemeinsame Arbeit mit den Vereinigten Staaten bei einer Reihe von Vorhaben wurde ausgeweitet. Japan und die ESA arbeiten bei der Erdbeobachtung und in der Wissenschaft eng zusammen. Die bestehende Zusammenarbeit mit Rußland soll in Bereichen, die für Europa von Vorteil sind, ausgebaut werden. Auf dem Programm der ESA stehen ferner Projekte unter Beteiligung aufstrebender Raumfahrtnationen, vor allem im asiatisch-pazifischen Raum und in Lateinamerika.

Links im WWW
ESA, Europäische Weltraumagentur
siehe auch
Europäische Raumfahrt: Neue Strategie von ESA und EU - 17. November 2000
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