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BRAUNE ZWERGE
Verlierer beim Bruderkampf

von Stefan Deiters
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3. Juli 2001

Nach Ansicht von Astronomen der Universität von Colorado in Boulder handelt es sich bei Braunen Zwergen um Ausgestoßene: Sie entstanden in Mehrfachstern-Systemen und wurden ins All hinausgeschleudert, bevor sie genug Material aufgesammelt hatten, um das nukleare Feuer zu zünden. Somit müssen zur Entstehung von Braunen Zwergen keine besonderen Bedingungen herrschen.

Für Bo Reipurth, Professor am Center for Astrophysics and Space Astronomy der Universität von Colorado in Boulder geht es bei der Geburt von Sternen ähnlich zu, wie im Tierreich: Die meisten neugeborenen Sterne bilden sich in Mehrfach-Systemen von zwei, drei oder mehr Sternen. Und ganz wie die Jungtiere eines Wurfs um die Milch der Mutter wetteifern, kämpfen die Jungsterne um das im Geburtsnebel vorhandene Gas, durch das sie weiter wachsen können.

"Was wir vorschlagen ist, dass zur Bildung von Braunen Zwergen keinerlei besondere Bedingungen notwendig sind", so Reipurth. "Viele Sterne in unserer Milchstraße haben ihr Leben entweder als Doppelsternsystem oder gar als Mehrfachsternsystem begonnen und schon kurz nach ihrer Entstehung fängt ein heftiger Streit der stellaren Embryos um das zur Verfügung stehende Gas an." In diesen jungen Mehrfachsystemen würden sich die massereicheren Sternenbaby mehr im Zentrum der Wolke aufhalten, aus der die Sterne entstanden sind und könnten so deutlich mehr Material aufsammeln als die massearmen Vertreter. "Die kleineren und schwächeren Sterne bewegen sich außerhalb des zentralen Weideplatzes und wachsen erheblich langsamer."

"Faszinierend ist, dass Simulationen zeigen, dass die gravitativen Wechselwirkungen in solchen Systemen immer dafür sorgen, dass die leichtesten Mitglieder der kleinen Gruppe hinausgeschleudert werden", so Reipurth. Manchmal würden sie in einen ausgedehnten Orbit um die anderen Sterne ihrer Geburtsgruppe geschickt, aber wesentlich häufiger aus dem System hinausgeschleudert werden. "Obwohl wir das Endergebnis kennen, können wir nicht genau vorhersagen, wann der Hinauswurf erfolgen wird. Der Zufall spielt also noch eine Rolle." Nach 50.000 bis 100.000 Jahren haben aber die meisten dieser Mehrfachsysteme ihren endgültigen Zustand erreicht und sind zu Doppelsternsystemen oder kleineren Mehrfachsystemen geworden.

Sterne benötigen ungefähr mindestens acht Prozent der Masse unserer Sonne, um ihr nukleares Brennen zu zünden. "Wenn sie diese Masse nicht erreichen, zünden sie auch nicht und wenn solche stellaren Embryos ausgestoßen werden, bevor sie die notwendige Masse erreicht haben, enden sie als Brauner Zwerg. Mit etwas mehr Glück hätte ein Brauner Zwerg vielleicht ein normaler Stern werden können", so Reipurth. Doppelsternsysteme sind in der Milchstraße relativ häufig, doch fand man überraschender Weise sehr selten Braune Zwerge als dichten Partner in einem solchen System. "Unser Modell kann das nun erklären, da ein stellarer Embryo in der Nähe eines Sterns, der es zum richtigen Stern geschafft hat, sehr wahrscheinlich auch genug Materie aufsammeln konnte, um ein richtiger Stern zu werden."

In die Theorie passt, dass man viele Mehrfachsysteme entdeckt hat, in denen sich ein Brauner Zwerg im großen Abstand zu anderen Sterne befindet. Dieser wurde schlicht nicht heftig genug weggeschleudert und konnte im System bleiben. Die derzeit heiß diskutierte Frage, ob es sich bei manchen Riesenplaneten, die um ferne Sonnen entdeckt wurden schlicht um Braune Zwerge handeln könnte beantwort Reipurth mit einem klaren Nein. "Auch wenn Braune Zwerge es nicht schaffen, ein normaler Stern zu werden, bilden sie sich doch wie Sterne und gänzlich anders als Planeten."

siehe auch
Braune Zwerge: Den missglückten Sternen auf der Spur - 24. August 2000
Braune Zwerge: Ein Sternsystem im Entstehen - 31. Juli 2000
Chandra: Brauner Zwerg mit Überraschung
- 13. Juli 2000
Braune Zwerge: Kalt, kälter Gliese 570D - 16. Januar 2000
Braune Zwerge: SOFI hat's gesehen, SUSI nicht - 19. August 1999
Braune Zwerge: Die kühlsten Vertreter ihrer Art - 2. Juni 1999
Braune Zwerge: Das Wetter auf LP944-20 - 11. Mai 1999
 
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