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RADIOTELESKOPE
Ein unbekannter Typ von Gaswolke
von Stefan Deiters
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18. Juni 2001

Amerikanische Astronomen haben mit Hilfe eines Radioteleskops in Green Bank eine bislang einzigartige Entdeckung gemacht: Sie spürten in rund 16.300 Lichtjahren Entfernung von der Erde eine gewaltige Gaswolke auf, in der bald eine heftige Sternentstehungsphase einsetzten könnte.

G28.17+0.05
Radiobild von G28.17+0.05. Foto: NRAO

Die Wolke, die den Namen G28.17+0.05 trägt, befindet sich in der galaktischen Ebene und in unmittelbarer Nähe eines Spiralarms der Milchstraße. Diese Spiralarme sind durch eine Unmenge von jungen Sternen und massereichen Gaswolken zu erkennen, in denen Sterne geboren werden. Felix L. Lockman und Anthony H. Minter vom National Radio Astronomy Observatory (NRAO) glauben, dass die von ihnen entdeckte Gaswolke in diesen Spiralarm "gerauscht" ist, wodurch sich die neutralen Wasserstoffatome in der Wolke zu schwereren Molekülen verbinden konnten. Dies könnte zu Sternentstehung in der Gaswolke führen.

"Hier könnte es sich um die erste Beobachtung einer Wolke handeln, die sich gerade in einer Übergangsphase von neutralem Wasserstoff zu Molekülen befindet", erläutert Lockman die Bedeutung der Beobachtung. "Damit haben wir eine einmalige Möglichkeit, die Chemie dieser jungen interstellaren Wolke zu studieren, was neue Erkenntnisse über die frühe Phase der Sternentwicklung und der Struktur der Galaxis verspricht." Wolken aus molekularem Wasserstoff - von Astronomen auch gerne HI-Wolken (sprich: H eins Wolken) genannt - kann man sich als riesige Gasblasen vorstellen. Die Wasserstoffatome in diesen Wolken verraten sich durch ein natürliches Signal bei einer Wellenlänge von 21 Zentimetern, das nur mit Radioteleskopen beobachtet werden kann.  

G28.17+0.05 scheint sich allerdings in mancherlei Hinsicht  von einer gewöhnlichen HI-Wolke zu unterscheiden. Sie ist mit einem Durchmesser von 500 Lichtjahren ungewöhnlich groß und hat eine Masse, die der 100.000fachen Masse unserer Sonne entspricht. Gaswolken von dieser Größe sollten normalerweise schon im Übergangsstadium zur Molekülphase sein und angefangen haben, Sterne entstehen zu lassen. "Wenn man so ein massereiche Wolke findet, die dazu auch noch gravitativ gebunden zu sein scheint, würde man erwarten, Bereiche zu sehen, in denen Sternentstehung eingesetzt hat", so Lockman. Die Wissenschaftler fanden zwar Anzeichen dafür, aber nicht in dem Maße in dem man das erwarten würde. "Wir glauben daher, dass wir diese Wolke in einer ganz bestimmten Zwischenphase beobachtet haben, die die fehlende Verbindung im Sternentstehungskreislauf sein könnte."

Im Zentrum der Wolke entdeckten die Forscher zudem Radiosignale einer Sorte von OH-Molekülen. Ähnliche Spuren hatten die Astronomen auch an anderen Stellen der galaktischen Ebene entdeckt, so dass es sich bei dieser Gaswolke eventuell um einen bislang unentdeckten Typ von Wolken handeln könnte, der relativ häufig ist. Dabei könnte es sich um eine Wolke handeln, die gerade in einen Spiralarm gerät und dadurch ihre Phase ändert. Allerdings, so die Wissenschaftler, seien noch weitere Beobachtungen nötig, um diesen Befund eindeutig zu bestätigen.

Links im WWW
The National Radio Astronomy Observatory
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