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EXTRASOLARE PLANETEN
Das tragische Schicksal eines Planeten

von Stefan Deiters
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10. Mai 2001

Auf den ersten Blick sieht HD 82943 aus wie einer von über 60 Sternen, um die Astronomen ein Planetensystem aufgespürt haben. Doch Forscher aus Spanien und der Schweiz ließen sich nicht täuschen: Sie sahen genauer hin und entdeckten Spuren eines Lithium-Isotops in der fernen Sonne. Einzige Erklärung für die Existenz dieses Elementes: HD 82943 muss einen seiner Planeten verschlungen haben. 

Verschlucken eines Planeten
So stellt sich ein Künstler das Schicksal eines Planeten um HD 82943 vor. Bild: Gabi Perez/IAC
Die Astronomen vom Genfer Observatorium gehören zu den profiliertesten Planetenjägern und haben mit Hilfe des Schweizer 1,2 Meter Leonard Euler Teleskops in Chile eine beträchtliche Zahl der mittlerweile über 60 extrasolaren Planetensysteme entdeckt. Eines der von den Schweizer Astronomen aufgespürten Planetensysteme ist das um den Stern HD 82943, dessen Entdeckung sie vor rund einem Monat bekannt gaben (astronews.com berichtete). Wie so oft handelte es sich auch bei diesem System um ein - im Vergleich zum Sonnensystem - recht ungewöhnliches Planetenduo: Die zwei Gasriesen, die um HD 82943 kreisen, bewegen sich auf nicht gerade kreisförmigen Bahnen um ihre Sonne und kommen - im Vergleich zu Jupiter - HD 82943 recht nah. 

Nun gehen aber Astronomen davon aus, dass Gasplaneten in einer relativ kühlen Umgebung entstehen müssen und daher nicht in unmittelbarer Nähe ihrer Sonne geboren werden können. Ein Ausweg bietet hier die Theorie, dass die gefundenen Gasriesen um ferne Sonnen in großem Abstand vom Zentralstern geboren werden und dann langsam in die Nähe ihrer Sonne wandern. Die Forscher nennen dies Orbit-Migration. Eine Konsequenz dieser Theorie wäre es aber auch, dass dabei einige Planeten in ihren Zentralstern fallen und somit von ihm verschluckt werden.

Doch wie kann man solch einen Kannibalismus unter Sonnen, der eher an einen schlechten Hollywood-Film erinnert, auf die Spur kommen? Der Schlüssel liegt in dem unscheinbaren Element Lithium, insbesondere im Isotop Lithium-6. Dieses wird nämlich relativ leicht zerstört und Astronomen sind sich sicher, dass Lithium-6 die ersten Millionen Jahre in Inneren eines sonnenähnlichen Sternes nicht überstehen wird: Jede Spur von diesem Isotop dürfte also nach relativ kurzer Zeit verschwunden sein. Als die Wissenschaftler allerdings mit dem leistungsfähigen Spektrographen UVES am Teleskop Kueyen des Very Large Telescope der ESO ein Spektrum von HD 82943 aufnahmen, erlebten sie eine Überraschung: In dem "Fingerabdruck" der fernen Sonne fanden sich Spuren von Lithium-6.

"Die einfachste Möglichkeit dies zu erklären ist, dass ein oder mehrere Planeten oder zumindest planetares Material in den Stern gestürzt ist, nachdem dieser den ersten Teil seiner Entwicklung abgeschlossen hatte", erläutert Nuno Santos vom Observatorium in Genf. In einem Planeten könnten sich nämlich größere Mengen des anfangs auch in der Sonne vorhandenen und dann zerstörten Lithium-6 erhalten haben. "Man kann sogar versuchen zu berechnen, wie viel Material man bräuchte, um unsere Beobachtungen zu erklären", so Garik Israelian vom Institutio Astrofísica de Canarias in La Laguna auf Teneriffa. "Wenn man vom Lithium-6-Gehalt von Meteoriten ausgeht, sollte HD 82943 einen Planeten mit der doppelten Jupitermasse geschluckt haben."

Nach diesem Erfolg wollen die Wissenschaftler, die diese Ergebnisse in der heutigen Ausgabe des Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlichten, nun andere Planetensysteme unter die Lupe nehmen und herausfinden, ob diese Vorgänge etwas ganz Normales bei der Entwicklung von Planetensystemen sind oder ob es sich hier um einen "tragischen" Einzelfall handelt. Diese Information dürfte dann erheblich zum Wissen über die Entstehung ferner Planetensysteme und über ihre Anzahl und Beschaffenheit beitragen.

Links im WWW
Geneva Extrasolar Planet Search
siehe auch
Extrasolare Planeten: Elf weitere Exoplaneten entdeckt - 5. April 2001
Ferne Welten
- Auf der Suche nach extrasolaren Planeten und außerirdischem Leben 
AstroLinks: Extrasolare Planeten
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