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SONNE
Kannibalismus auf dem Weg ins All

von Stefan Deiters
astronews.com
28. März 2001

Solare Eruptionen, die mit hoher Geschwindigkeit ins All geschleudert werden, können sich überholen und gegebenenfalls auch gegenseitig verschlingen. Die Folge sind länger andauernde magnetische Stürme, die die moderne Kommunikation auf der Erde empfindlich stören können. Die neuen Resultate stammen unter anderem von Beobachtungen des Sonnenobservatoriums SOHO. 

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Ein koronaler Masseneruptionen am 6. Juni 2000: Eine kleinere Wolke aus geladenen Partikel ...
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... wird von einer größeren eingeholt und schließlich verschluckt. Die Aufnahmen stammen vom Sonnenobservatorium SOHO. Foto: NASA/ESA
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Die Entdeckung gelang durch den Vergleich der Daten von gleich zwei Raumsonden: NASA-Wissenschaftlern, die mit der NASA-Sonde Wind arbeiteten, fiel eine heftige Aktivität im Radiobereich auf, die sie mit Messungen von solaren koronalen Masseneruptionen verglichen, die die Sonnensonde SOHO der europäischen Weltraumagentur ESA und der NASA gemacht hatte. Es fiel auf, dass der Zeitpunkt des heftigen Ausschlags im Radiobereich mit dem Verschlucken einer solchen Sonneneruption durch eine größere und schnellere zusammenfiel.

Bewegen sich solche solaren Eruptionen in Richtung Erde, könnte dies für unsere moderne Technologie zu einigen Problemen führen. Der nun entdeckte Kannibalismus unter den Eruptionen dürfte zu länger andauernden magnetischen Stürmen führen und zudem die Geschwindigkeit beeinflussen. Diese ist wiederum entscheidend für die Vorhersage des sogenannten Weltraumwetters, die dazu dient potentiell gefährdete Systeme rechtzeitig schützen zu können.

"Der Kannibalismus unter koronalen Masseneruptionen ist die gewalttätigste Form der Wechselwirkung zwischen solchen Eruptionen", erläutert Dr. Natchimuthuk Gopalswamy, der am NASA Goddard Space Flight Center arbeitet. "Es geschieht immer dann, wenn eine sich langsamer bewegende Eruption von einer schnelleren Eruption, die aus der selben Region der Sonne stammt, eingeholt und regelrecht verschluckt wird. Letztlich bleibt nur noch eine Eruption übrig."

Bei solchen koronalen Masseneruptionen handelt es sich um Wolken aus elektrisch geladenen Gas, die mit Geschwindigkeiten von bis zu 2.000 Kilometern pro Sekunde von der Sonne ins All geschleudert werden. Je nach der Orientierung des Magnetfelds der Wolke können sie, wenn sie in die Nähe der Erde kommen, das Magnetfeld der Erde beeinflussen und darin gefangene elektrisch geladenen Teilchen beschleunigen.

Die Forscher glauben, dass der nun entdeckte Kannibalismus die Ursache für recht komplexe Wolken solarer Eruptionen sind, die sich in der Struktur von einfachen Eruptionen deutlich unterscheiden. Seit April 1997 haben die Forscher 21 Eruptionen entdeckt, die andere verschluckt haben, aber es könnten deutlich mehr sein. "Kollisionen zwischen solaren Eruptionen sind vielleicht viel häufiger als wir bislang angenommen haben und könnten eine Schlüsselrolle für die Verbreitung von diesen Wolken spielen", so Gopalswamy.

Das Sonnenobservatorium SOHO, 1995 gestartet, ist ein gemeinsames Projekt der europäischen Weltraumagentur ESA und der amerikanischen NASA. Die Sonde selbst wurde in Europa gebaut, die Instrumente an Bord stammen von amerikanischen und europäischen Wissenschaftlern.

Links im WWW
SOHO, Projektseite der ESA
siehe auch
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