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CHANDRA
Tiefster Röntgenblick ins frühe Universum
von Stefan Deiters
astronews.com
14. März 2001

Tiefe Blicke ins All und damit in die Frühzeit des Universums haben seit dem beeindruckenden Aufnahmen des Hubble Deep Field Konjunktur. Jetzt hat das US-Röntgenteleskop Chandra im Röntgenbereich einen winzigen Fleck am Himmel für eine Millionen Sekunden beobachtet und faszinierende Entdeckungen gemacht: So erscheint die Rolle von Schwarzen Löchern im frühen Universum in einem ganz neuen Licht. 

Chandra Deep Field South
Chandra Deep Field South. Foto: NASA, JHU, AUI, R. Giacconi et al.  
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"Die Chandra-Daten zeigen uns deutlich, dass riesige Schwarze Löcher in der Vergangenheit sehr viel aktiver waren als sie es heute sind", erläutert Riccardo Giacconi von der Johns Hopkins Universität in Baltimore. Der tiefe Blick ins All wurde von dem Röntgenteleskop am Südhimmel im Sternbild Chemischer Ofen gemacht. Die Aufnahmen des Chandra Deep Field South erlaubten es auch, sehr schwache Röntgenquellen auszumachen, bei denen es sich um Galaxien, Galaxiengruppen oder ganzen Galaxienhaufen handeln kann. Auf der Aufnahme sind die Röntgenquellen nach ihrer Stärke farbkodiert: Von der niedrigsten bis zur höchsten Energie wurden die Farben rot, gelb und blau verwendet.

Die Daten der Aufnahme wurde im Laufe von mehr als einem Jahr während mehrerer Beobachtungsperioden gesammelt, bis schließlich eine Millionen Sekunden Beobachtungszeit zusammenkamen. Solche Deep Field Aufnahmen sind sehr gefragt, seitdem ein Direktor des Space Telescope Science Instituts das Hubble-Weltraumteleskop während der ihm zur Verfügung stehenden Beobachtungszeit auf einen scheinbaren leeren Fleck am Himmel richten ließ. Zum Vorschein kamen am Ende eine Vielzahl von bisher nie gesehenen Galaxien und Galaxienhaufen, die so weit von uns entfernt sind, dass sie quasi einen Blick in die Geschichte unserer eigenen Milchstraße erlaubten: Das Licht dieser Galaxien ist nämlich so lange zu uns unterwegs, dass wir sie jetzt quasi zu ihrer Jugendzeit sehen - ein gewaltiges Reservoir für die astronomische Forschung.

Ähnliches erwarten die Wissenschaftler nun auch vom Chandra Deep Field. Und erste Ergebnisse gibt es schon: So spürten die Astronomen eine zwölf Milliarden Lichtjahre entfernten Röntgenquasar auf, der umhüllt ist von dichten Gas- und Staubwolken. Dabei handelt es sich vermutlich um ein riesiges Schwarzes Loch, das im Inneren dieser fernen Galaxie sitzt und Unmengen von Gas, Staub und ganzen Sternen verschlingt. Parallele Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der europäischen Südsternwarte (ESO) bestätigen dieses Bild. Mehr noch: Durch die Zusammenarbeit von Chandra und VLT konnten eine Vielzahl von bislang verborgenen Röntgenquellen aufgespürt werden.

Die Astronomen sind sich inzwischen sogar sicher, dass der gesamte Röntgenstrahlen-Hintergrund im Universum von solchen Schwarzen Löchern stammt. "Das ist sicherlich ein Erfolg der Kombination der detaillierten Chandra-Aufnahmen mit der Lichtstärke des VLT", meint ESO-Astronom Piero Rosati. "Jetzt geht es darum die noch verbleibenden von Chandra entdeckten Röntgenquellen auch im optischen Bereich mit dem VLT aufzuspüren."

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