Manch beliebtes Beobachtungsobjekt von Amateurastronomen ist
auch für Wissenschaftler ein interessantes Studienobjekt. Das beweist die
Aufnahme der Spiralgalaxie NGC 2903, die das Hubble-Weltraumteleskop
gemacht hat und die die europäische Weltraumagentur ESA jetzt
veröffentlichte. Das besondere Interesse der Wissenschaftler galt der
Balkenstruktur der rund 25 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie.

Hubble-Aufnahme
des Balkens der Spiralgalaxie NGC 2903. Foto: ESA, NASA |
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Die Balken-Spiralgalaxie
NGC 2903 im Sternbild Löwe ist ein beliebtes Beobachtungsobjekt für
Amateurastronomen im Frühjahr. Dank ihrer relativen Helligkeit ist sie schon
mit kleinen Teleskopen auszumachen, obgleich sich ihre Spiralstruktur erst mit
Profi-Teleskopen oder bei langer Belichtungszeit offenbart. NGC 2903 hat einen
Durchmesser von 80.000 Lichtjahren und ist damit etwas kleiner als unsere
Milchstraße. Charles Messier hat die 25 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie
übersehen als er seinen berühmten Katalog erstellte. NGC 2903 wurde von
William Herschel entdeckt.
Das Hubble-Bild
zeigt den zentralen Bereich der Galaxie und ist von einem sogenannten
"Balken" dominiert, der von links unten nach rechts oben - leicht
oberhalb der Mitte - verläuft und eine rötliche Farbe hat. Diese erklärt sich
aus großen Mengen von Staub in dieser Region. Balken sind in Spiralgalaxien
nichts Ungewöhnliches: In der Umgebung unserer Milchstraße weisen
schätzungsweise zwei Drittel aller Spiralgalaxien diese Struktur auf. Schon
lange glaubten Astronomen daher, dass diese Balken einen effektives Verfahren
darstellen, um das nötige Material für die Sternentstehung im Zentrum der
Balkengalaxien zu liefern.
Als aber Astronomen
aus Großbritannien, Australien und Spanien mit Hubbles Hilfe tief ins
Innere der zentralen Sternentstehungsregionen von NGC 2903 schauten, erlebten
sie eine Überraschung: Das Zentrum der Galaxie ist bekannt für eine Vielzahl
heller Punkte, die nun erstmals in Sterne und Sternhaufen aufgelöst werden
konnten. Und dabei stellte sich heraus, dass der größte Teil der
Sternentstehung nicht etwa innerhalb dieser hellen Punkte stattfand: "Das
faszinierendste an dieser Hubble-Aufnahme ist, dass auf ihr zu erkennen ist,
dass die Sternentstehung hauptsächlich in benachbarten Regionen aus ionisiertem
Wasserstoff stattfindet", erläutert Almudena Alonso-Herrero von der
Universität von Hertfordshire. "Diese Sternentstehungsregion ist in einem
Ring von rund 2.000 Lichtjahren um das Zentrum der Galaxie verteilt." Zu
erkennen ist dies als weißlicher Schimmer in der Mitte des hier gezeigten
Bildes.
Solche Ringe um das
Zentrum sind auch von anderen Galaxien bekannt. "Wir glauben, dass dieser
Ring aus neugeborenen Sternen besteht, weil der Balken quasi als
Transportmechanismus dient, der Gas nach innen transportiert", so
Alonso-Herrero. "Balken scheinen sehr effizient darin zu sein,
Sternentstehung auszulösen und Material von den äußeren Bereichen einer
Galaxien nach Innen zu leiten."
Der Blick des Hubble-Weltraumteleskops
offenbart noch mehr: Staubschwaden, junge Sterne und heiße, bläuliche
Sternhaufen sind überall in den Spiralarmen der Galaxie auszumachen. Astronomen
glauben, dass NGC 2903 unserer Milchstraße relativ ähnlich ist, die vermutlich
auch eine Balken-Spiralgalaxie sein dürfte.