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CLUSTER II
Durch Schnee und Eis für die Forschung
von Stefan Deiters
astronews.com
30. Januar 2001

Weltraumwissenschaftler haben es gut: Sie schießen ihre Sonden ins All und warten dann gemütlich vor dem Computerschirm auf die Daten. Weit gefehlt: Zwei Wissenschaftler des CLUSTER-Bodenteams kämpften sich Mitte Januar durch einen Schneesturm, um noch rechtzeitig eine Radarstation zu erreichen. Bewaffnet mit einem Jagdgewehr und einer 45er Magnum, die sie gegen angriffslustige Polarbären schützen sollte. 

Cluster II
Die
Cluster-Satelliten Quartett. Darstellung: ESA

Der Wissenschaftsbetrieb mit dem CLUSTER-Satellitenquartett hat erst vor wenigen Wochen begonnen. Zu Beginn des neuen Jahres sollte nun der nördliche Polarbereich der Erde mit Hilfe der vier identischen Sonden untersucht werden. Durch die geschickte Positionierung der Sonden ist es möglich, ein dreidimensionales Bild der Vorgänge in der Magnetosphäre der Erde zu erhalten.

Da ist es natürlich auch interessant, die Daten, die aus dem All kommen mit bodengestützten Messungen zu vergleichen. Zum Beispiel mit Daten, die man mit Hilfe von Radarantennen gewinnen kann. Dazu stehen im Norden diverse Radarstationen, die im EISCAT-Projekt (European Incoherent Scatter) zusammengefasst sind. Eine davon befindet sich auf der kleinen arktischen Insel Svalbard etwa 20 Kilometer von der Ortschaft Longyearbyen entfernt. Und gerade diese Radarstation war so gelegen, dass gleichzeitige Messungen über die Magnetosphäre von CLUSTER und der Radarstation möglich sein sollten.

Doch die Wetterbedingungen auf Svalbard waren am Morgen des 14. Januar alles anderes als optimal: Inmitten der Dunkelheit der Polarnacht und in einem Schneesturm machten sich EISCAT-Wissenschaftsdirektor Tony van Eyken und der für die Radarstation zuständige Mitarbeiter Halvard Boholm auf den Weg zur Beobachtungsstation. Doch die Zuversicht der Wissenschaftler das Radar zu erreichen schwand schnell als ihr Auto in einiger Entfernung von der Station in Schneeverwehungen stecken blieb. Aber die Aussicht auf die zu erwartenden Messungen ließ die Forscher nicht ruhen: Mit Taschenlampen gegen die Dunkelheit sowie einem Gewehr und einer 45er Magnum gegen die Polarbären machten sie sich auf eine zweistündige Wanderung zur Radarstation.

Mit zweistündiger Verspätung erreichte das Duo die Station, gerade rechtzeitig um noch die entscheidenden Messungen zu machen, während das CLUSTER-Quartett gerade über die Insel hinwegflog. So konnten sie einmalige Daten über Veränderungen in der Ionosphäre gewinnen und plötzliche Änderungen in der Magnetosphäre aufspüren. Weitere Analysen der verschiedenen Daten sollten erheblich zum Verständnis der Vorgänge über dem magnetischen Nordpol der Erde beitragen. Der Einsatz der beiden Wissenschaftler hat sich also mehr als gelohnt. 

Links im WWW
Cluster II, Projektseiten der ESA
siehe auch
CLUSTER II: Wissenschaftsbetrieb kann beginnen - 28. Dezember 2000
CLUSTER II: Instrumententests beginnen
- 22. August 2000
CLUSTER II: Zweiter Start gelungen, Quartett komplett
- 10. August 2000
CLUSTER II/CHAMP: Im Orbit läuft alles nach Plan
- 1. August 2000
CLUSTER II
/CHAMP: Erfolgreiche Starts am Wochenende - 17.Juli 2000
CLUSTER II: Kosmisches Quartett vor dem Start - 4. Juli 2000
CHAMP: Deutscher Minisatellit auf dem Weg zu Start - 30. Juni 2000
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