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CHANDRA
Überrest der Supernova von 386 entdeckt

von Stefan Deiters
astronews.com
11. Januar 2001

Im Frühjahr des Jahres 386 konnten chinesische Astronomen für kurze Zeit einen neuen Stern im Sternbild Schützen beobachten. Sie wurden vermutlich Zeugen einer Supernova-Explosion. Das NASA-Röntgenteleskop Chandra fand nun neue Beweise dafür, dass es sich bei einem Pulsar in jener Himmelsregion tatsächlich um den Überrest der historischen Supernova handelt. Es wäre erst der zweite rotierende Neutronenstern, der eindeutig mit einem historischen Supernova-Ereignis in Verbindung gebracht werden kann. 

G11.2-0.3
Chandra-Bild des Supernova-Überrestes G11.2-03. Im Zentrum ist deutlich der Pulsar zu erkennen. Foto: NASA, McGill, V. Kaspi et al.

Mit Hilfe des Röntgenteleskops Chandra konnte der Pulsar exakt in der Mitte des Supernova-Überrestes G11.2-0.3 aufgespürt werden. Dies ist ein sehr deutlicher Hinweis darauf, dass dieser sich 14 Mal pro Sekunde um sich selbst drehende Neutronenstern, während der Supernova-Explosion im Jahr 386 entstanden ist und somit ein Alter von 1615 Jahren hat.

"Das wahre Alter von astronomischen Objekten herauszufinden ist extrem schwierig", erläutert Victoria Kaspi von der McGill Universität die Bedeutung der Verbindung von moderner Beobachtung mit geschichtlichen Ereignissen. "Daher sind für uns die Berichte von historischen Supernova-Ereignissen sehr wichtig. Innerhalb von etwa 2.000 Jahren wurden weniger als zehn mögliche Supernova-Ereignisse - meist von asiatischen Astronomen - festgehalten. Bislang war der Pulsar des Krebs-Nebels der einzige, der mit einem historischen Ereignis in Verbindung gebracht werden konnte und daher der einzige Neutronenstern, bei dem wir eine sichere Altersangabe hatten."

Der jetzt aufgespürte Pulsar soll der Überrest einer Supernova-Explosion sein, die chinesische Astronomen im Jahr 386 im Sternbild Schützen beobachteten. In den 70er Jahren entdeckten Radioastronomen in dieser Region einen sich ausbreitenden Nebel, den man den Namen G11.2-0.3 gab und für einen Überrest der historischen Supernova-Explosion hielt. 1997 entdeckte man schließlich einen Pulsar in diesem Gebiet, konnte aber bis zu den Chandra-Beobachtungen diesen nicht eindeutig der historischen Supernova-Explosion zuordnen. 

Da die Wissenschaftler den Pulsar nahezu exakt in der Mitte des Supernova-Überrestes gefunden haben, sind sie sicher, dass er zu der Supernova von 386 gehört: Eine Supernova-Expolsion ist der Kollaps eines massereichen Sterns am Ende seines nuklearen Lebens. Übrig bleibt - je nach Masse des ursprünglichen Sterns - ein Neutronenstern oder aber ein schwarzes Loch. Durch die Wucht der Explosion entfernt sich der Neutronensterne schnell von seinem Geburtsort. Findet man also einen Pulsar - also einen sich schnell drehenden Neutronenstern - in der Mitte eines Supernova-Überrestes, spricht sehr viel dafür, dass es sich um ein sehr junges System handeln muss, da der Pulsar noch keine Zeit hatte, vom Ort der Supernova wegzukommen.

"Wir glauben, dass der Pulsar und der Supernova-Überrest beide auf das Ereignis zurückzuführen sind, das chinesische Astronomen vor rund 1600 Jahren beobachtet haben", erläutert Mallory Roberts von der McGill Universität. "Das ist schon aufregend genug, doch wirft dieser Fund auch neue Fragen über die Jugendzeit von Pulsaren auf." Bisher hatte man nämlich das Alter von Pulsaren aus ihrer Rotationsgeschwindigkeit abgeleitet und so im Fall dieses Pulsars ein Alter von rund 24.000 Jahren herausbekommen. Die Abschätzung beruhte auf der Annahme, dass Pulsar sich in ihrer Jugendzeit recht schnell drehen und dann immer langsamer werden. Da sich aber nun herausstellt, dass der Pulsar deutlich jünger ist, könnte dies bedeuten, dass Pulsare mit einer deutlich niedrigeren "Drehzahl" geboren werden und so viele andere Altersabschätzungen falsch sind.

Auf dem Chandra-Bild ist außerdem erstmals die Form des Pulsarwind-Nebels zu erkennen, der sich mit seinem zigarrenförmigen Aussehen, deutlich von denen anderer Pulsare unterscheidet. Das Bild entstand während zweier Beobachtungsphasen am 6. August und 15. Oktober 2000. 

Links im WWW
Chandra Xray Observatory Center
Chandra X-ray Observatory
, NASA-Seite zu Chandra
siehe auch
Pulsare: Ertappt: Pulsare schummeln beim Alter - 21. Juli 2000
Krebsnebel: Einzigartiger innerer Ring - 29. September 1999
Pulsare: Untoter Stern verblüfft Astronomen - 31. August 1999
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