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HUBBLE
Ein einsamer Neutronenstern
von Stefan Deiters
astronews.com
10. November 2000

Er dürfte kaum größer als Manhattan sein, 10 Milliarden Mal dichter als Stahl und mit einer Geschwindigkeit von rund 389.000 Kilometern pro Stunde durchs All rasen: der Neutronenstern RX J185635-3754. Bei dem kosmischen Vagabunden handelt es sich um den der Erde am nächsten liegenden Neutronenstern - für die Astronomen somit ein einzigartiges Studienobjekt. 

RX J185635-3754
Die Überlagerung von drei Hubble-Aufnahmen zeigt den Weg von RX J185635-3754 am Himmel. Foto: NASA und F. M. Walter (State Univerity of New York, Stony Brook)
Dank genauer Beobachtungen mit dem Hubble-Weltraumteleskop bestätigt sich, was manche schon vorher vermuteten: Der Neutronenstern RX J185635-3754 ist der der Erde am nahegelegenste Neutronenstern, den man bisher entdeckt hat. Er liegt zur Zeit rund 200 Lichtjahre entfernt und wird die Erde in rund 300.000 Jahren in einer Entfernung von etwa 170 Lichtjahren passieren. 

Dank der relativen Nähe von RX J185635-3754 stellt der Neutronenstern eine einmalige Chance für die Astronomen dar, ihre Theorien über diesen doch recht exotischen Sternentyp zu überprüfen. Und der Stern hat noch einen weiteren "Vorteil": Er ist ein Einzelgänger und bietet sich, da nichts den Blick stören kann, geradezu als Beobachtungsobjekt an. "Die wissenschaftliche Bedeutung dieses Objektes liegt in der Tatsache, das der Neutronenstern isoliert ist", unterstreicht Frederick M. Walter von der State University of New York in Stony Brook. "Der Stern scheint recht heiß zu sein und das nicht, weil er etwa Wasserstoff aufsammelt, sondern weil er jung ist und noch abkühlt. Da wir wissen wie alt er ungefähr ist, können wir jetzt messen, wie schnell Neutronensterne abkühlen."

Der Weg des Neutronensterns am Himmel wurde von Hubble 1996 und 1999 aufgenommen. Aus der charakteristischen Bewegung des Objektes konnte man die Entfernung des Neutronenstern errechnen und die Geschwindigkeit: So wandert RX J185635-3754 am Himmel in rund 5.400 Jahren etwa eine Strecke, die dem Durchmesser des Mondes entspricht. Damit ist er einer der sich am schnellsten bewegenden Sterne am Firmament. In Wirklichkeit hat der Neutronenstern eine Geschwindigkeit von 389.000 Kilometern pro Stunde.

Nach den gängigen Theorien sind Neutronenstern eine Endprodukt der Sternentwicklung: Während Sterne mit einer unserer Sonne vergleichbaren Größe als recht unspektakuläre Weiße Zwerge enden, ist das Finale im Leben eines massereichen Sterns deutlich dramatischer - sie explodieren in einer gewaltigen Supernova-Explosion. Je nach Größe des ursprünglichen Sterns bleibt ein Neutronenstern oder ein Schwarzes Loch zurück.

Zurückbleiben könnte allerdings das falsche Wort sein: Die Astronomen gehen davon aus, dass RX J185635-3754 aus einer Gruppe junger Sterne stammt und genau aus dieser Gruppe scheint sich auch ein anderer Stern - Zeta Ophiuchus - fortzubewegen. Beide Sterne, so die Spekulation, könnten vor rund einer Millionen Jahren ein Doppelsternsystem gebildet haben und sind - als der Vorgänger des Neutronensterns in einer Supernova explodierte - ins All hinausgeschleudert worden.

RX J185635-3754 wurde zuerst 1992 im Röntgenbereich entdeckt und später mit dem Hubble-Weltraumteleskop aufgespürt. Erst im September veröffentlichte die europäische Südsternwarte Aufnahmen des Neutronensterns, die mit dem Very Large gemacht wurden.  

Links im WWW
Original Fotos und Pressemitteilung des STScI
die aktuellsten HST Bilder, Übersicht des Space Telescope Science Instituts
siehe auch
VLT: Das Geheimnis eines einsamen Neutronensterns - 12. September 2000
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