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MIR
Die Mir geht an die Börse
von Stefan Deiters
astronews.com
13. Oktober 2000

In der letzten Woche gab es noch diverse Pressemeldungen über ein bevorstehendes Ende der alten russischen Raumstation Mir, jetzt tritt die Betreibergesellschaft der Station die Flucht nach vorne an: Der Börsengang der MirCorp soll 117 Millionen Dollar einbringen. Außerdem, so die Gesellschaft, wird es schon am 16. Oktober einen weiteren unbemannten Versorgungsflug zur Mir geben. 

Mir
Sichert der Börsengang die Zukunft der Mir? Foto: MirCorp

In einer Pressemitteilung der niederländischen MirCorp heißt es, dass sich die Gesellschaft wegen des großen internationalen Interesses an den kommerziellen Möglichkeiten auf dieser einzigen unabhängigen Raumstation im Orbit zu dem Börsengang entschlossen hat. Vermutlich wird der Börsengang aber noch einen anderen Grund haben: Es dürfte nicht so ganz leicht sein, die alternde Raumstation nur mit privaten Finanziers zu betreiben. So gab es in der letzten Woche Presseberichte, die davon sprachen, dass man sich in Russland zu einem kontrollierten Absturz der Mir im Frühjahr nächsten Jahres entschlossen habe. Diese Meldungen wurden allerdings von der MirCorp sofort wieder dementiert.

Zur Zeit würde geprüft, so MirCorp-Chef Jeffrey Manber, wo der Börsengang stattfindenden soll. Durch das hierbei erwirtschaftete Geld solle dann die langfristige Zukunft der Raumstation für eine kommerzielle Nutzung sichergestellt werden. Die noch junge MirCorp, die die Raumstation vom russischen Weltraumkonzern RSC Energia (einem der Hauptanteilseigner der MirCorp) zur kommerziellen Nutzung gemietet hat, kann schon einige Erfolge aufweisen: So finanzierte die Firma im Frühjahr dieses Jahres eine 73tägige Mission zur Mir, während der die Station genauestens untersucht und wieder in einen funktionsfähigen Zustand versetzt wurde. 

Zudem wurden bisher drei unbemannte Versorgungsflüge zur Station finanziert; der Start eines vierten Fluges ist für den kommenden Montag vorgesehen. "Durch das Geld aus dem Börsengang können wir der russischen Regierung und der Weltöffentlichkeit beweisen, dass wir einen soliden Geschäftsplan haben, der auch durch ausreichend Kapital gedeckt ist", so Manber. Nach Aussage der MirCorp hat das Beratungsunternehmen KPMG den Wert der Gesellschaft auf 1,3 bis 1,5 Milliarden Dollar geschätzt.

Für das nächste Jahr plant die MirCorp weitere spektakuläre Missionen: So soll mit Dennis Tito der erste Weltraumtourist zur Station fliegen. Der Geschäftsmann hat bereits das zweite zweiwöchige Vorbereitungstraining im russischen "Sternenstädtchen" bei Moskau absolviert. Und auch das Fernsehen hat die Mir entdeckt. So plant der US-Sender NBC die Reihe "Destination Mir", eine fast schon außerirdische Version der zur Zeit gängigen Reality-Soaps: Mindestens zwölf Amerikaner sollen dabei im Sternenstädtchen für einen Weltraumaufenthalt trainieren und der Gewinner darf dann tatsächlich zur Mir fliegen. 

Links im WWW
MirCorp
siehe auch
MIR: Permanente Crew im nächsten Jahr - 19. Juli 2000
MIR: Der erste Tourist im All
- 20. Juni 2000

MIR: Kosmonauten bleiben bis Mitte Juni - 24. Mai 2000
MIR: Startschuss für kommerzielle Nutzung
- 4. April 2000
MIR: Wirbelsäule unter der Lupe
- 30. August 1999
ISS und Mir - über den Aufbau und Betrieb der Internationalen Raumstation und der Mir

AstroLinks: Mir
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