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CIRRUS-NEBEL
Blick auf kosmischen Schleier

von Stefan Deiters
astronews.com
11. Oktober 2000

Die europäische Weltraumagentur ESA veröffentlichte gestern ein Foto, das erneut die Leistungsfähigkeit des Hubble-Weltraumteleskops unter Beweis stellt. Es zeigt ein winziges Detail eines Supernova-Überrests im Sternbild Schwan. Die gewaltige Explosion dürfte vor rund 5000 Jahren sogar am Tageshimmel zu sehen gewesen sein. 

Cirrus-Nebel
Der Cirrus-Nebel von der Erde ausgesehen und die Detail-Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops. Foto: ESA und Digitized Sky Survey (Caltech)

Der leuchtende Schleier, den das Hubble-Weltraumteleskop im November 1997 aufgenommen hat, ist der Überrest einer gewaltigen Supernova-Explosion, die für den gesamten im Übersichtsfoto sichtbaren Bogen verantwortlich ist. Dieser plötzliche Tod eines Sterns schleuderte Material ins All, das dann mit einer Geschwindigkeit von über 600.000 Kilometern pro Stunde mit interstellarem Gas kollidierte und es zum Leuchten brachte. 

Der gesamte Cirrus-Nebel ist ein interessantes Objekt für Amateurastronomen, die über ein größeres Teleskop verfügen. Der Nebel hat am Himmel eine Ausdehnung von etwa dem sechsfachen des Vollmondes. In der Literatur findet man den Nebel unter den Bezeichnungen NGC 6992/95 für den Bogen links im Übersichtsbild und NGC 6960 für den Bogen auf der rechten Seite. Der Bildausschnitt, den das Hubble-Weltraumteleskop beobachtet hat, befindet sich in der oberen linken Ecke, gerade dort, wo die Schockwelle auf das umgebende interstellare Medium trifft.

Faszinierend an dieser Detailaufnahme ist, dass man auf der Erde - und sogar im täglichen Leben - Vorgänge beobachten kann, die sehr ähnlich aussehen, wie das, was Hubble in mehreren hundert Lichtjahren Entfernung beobachtet hat. So fühlt man sich sofort an die Schattenspiele auf dem Boden einen Schwimmbades, an aufsteigenden Rauch oder aber an sommerliche Wolkenformationen erinnert.

Durch Vergleich der Hubble-Aufnahme mit einem alten Foto des Nebels aus dem Jahr 1953 konnten die Astronomen messen, wie schnell sich die Schockfront der Explosion tatsächlich bewegt hat. Als Ergebnis dieser Bestimmung fanden sie heraus, dass dieser Supernova-Überrest tatsächlich viel dichter an der Erde liegt als man bisher geglaubt hatte, nämlich nur rund 1.500 Lichtjahre entfernt. Danach könnte die Supernova-Explosion vor etwa 5.000 Jahren stattgefunden haben - für die frühen Zivilisationen sicherlich ein beachtliches Schauspiel: Die Wissenschaftler vermuten, dass sie sogar bei Tageslicht sichtbar gewesen sein muss und in etwa so hell war wie der Halbmond. 

Links im WWW
ESA Hubble Information Centre, Hubble-Seiten der europäischen Weltraumagentur
die aktuellsten HST Bilder, Übersicht des Space Telescope Science Instituts
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