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EXTRASOLARE PLANETEN
18 Kandidaten ohne Sonnen
von Stefan Deiters
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9. Oktober 2000

Wenn sich die am vergangenen Freitag veröffentlichten Ergebnisse eines internationalen Astronomenteams bestätigen, wäre es eine kleine wissenschaftliche Sensation: Das Team aus spanischen, amerikanischen und deutschen Forschern berichtete über die Entdeckung von 18 planetenähnlichen Objekten, die keine Sonne haben - eine Herausforderung für die Theorien über Planetenentstehung. 

Die im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichten Beobachtungen stehen im krassen Gegensatz zu all dem, was bislang als gesichertes Wissen über die Entstehung von Planeten galt: Bisher ging man nämlich davon aus, dass sich Planeten in einer Scheibe um einen gerade entstandenen Stern bilden und zwar über viele zehn Millionen Jahre aus der langsamen Zusammenballung von Gas und Staub. Die jetzt entdeckten planetenähnlichen Objekte passen rein gar nicht in dieses Bild: Sie haben keine Sonne und gehören zum Sternhaufen Sigma Orionis, dessen Alter auf maximal fünf Millionen Jahre geschätzt wird. 

"Die Entstehung von freifliegenden Objekten im Massenbereich von Planeten ist sehr schwer mit unseren aktuellen Theorien über Planetenentstehung zu erklären", erläutert Maria Rosa Zaperto Osorio vom spanischen Instituto Astrofisica de Canarias die Bedeutung der Ergebnisse. Doch noch etwas anderes unterscheidet die Entdeckung von anderen Planetenfunden: Bisher wurden die meisten Planeten nur indirekt durch ein "Wackeln" des Zentralstern aufgespürt. Die 18 neu entdeckten Planetenkandidaten hingegen sind direkt beobachtet und mit Hilfe der Spektrographie genauer untersucht worden.

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Die Wahl für die Planetenjagd fiel auf Sigma Orionis, da dieser Sternhaufen relativ nah, jung und frei von störendem Staub oder Gas ist. Mit Hilfe von Beobachtungen im sichtbaren Bereich des Lichtes und im Infrarotbereich an Teleskopen auf Hawaii, Teneriffa und dem spanischen Festland entdeckte das Team die 18 sehr lichtschwachen Objekte. Um sicherzustellen, dass es sich nicht etwa um Braune Zwerge, also Sterne, die nicht genug Masse haben, um die nuklearen Brennprozesse zu zünden, handelt, nahmen sie Spektren der Kandidaten auf. Die Spektren lassen Rückschlüsse auf die chemischen Verbindungen im Inneren der Objekte zu. Und da das Vorkommen bestimmter Stoffe mit der Temperatur zusammenhängt, erhält man aus dem Spektrum auch Informationen über die Temperatur des entfernten Objektes.

"Die spektrographischen Ergebnisse bestätigten unsere Vermutung, dass es sich hier um Gasriesen handelt", so Zaperto Osorio. Als Masse der Objekte bestimmten die Astronomen Werte zwischen dem fünf und dem 13fachen der Masse des Jupiter. Einschränkend geben die Wissenschaftler zu, dass es immer noch möglich ist, dass es sich bei den Funden um ungewöhnlich kleine und kühle Braune Zwerge handelt. Allerdings sei es ungewöhnlich so viele Braune Zwerge in einem so kleinen Gebiet zu finden. 

"Wenn Planeten nur um Sterne existieren können, dann handelt es sich bei diesen Objekten um Braune Zwerge", erläutert die Astronomin. "Aber wenn Planeten nach der Masse bestimmt werden, dann sind es Planeten. Das ist aber alles nur eine Frage der Bezeichnung." Die wichtigere Frage sei nun, wie man die Entstehung dieser Objekte erklären kann. Wohlmöglich, so Zaperto Osorio, gibt es noch viele Objekte dieser Art in der Milchstraße, die auf eine Entdeckung warten. Schließlich werden nach gängigen Theorien die meisten Sterne in Sternhaufen wie Sigma Orionis geboren. 

siehe auch
Ferne Welten - Auf der Suche nach extrasolaren Planeten und außerirdischem Leben 
AstroLinks: Extrasolare Planeten
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