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ASTRONOMIE IM DEUTSCHSPRACHIGEN RAUM
Von Olbers zu den Schwarzen Löchern
von Stefan Deiters
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20. September 2000

Bremen ist zur Zeit die Hochburg der deutschsprachigen Astronomie: Obwohl die Universität der Hansestadt selbst nicht über ein astronomisches Institut verfügt, ist sie Gastgeber der jährlichen Tagung der Astronomischen Gesellschaft. Zur Eröffnung des noch bis zum Wochenende dauernden Treffens wurde gestern die höchste Auszeichnung der altehrwürdigen Organisation, die Karl-Schwarzschild-Medaille, an den Oxforder Professor Sir Roger Penrose verliehen - einem ausgewiesenen Fachmann für Relativitätstheorie und Schwarze Löcher.

Das Thema "Dynamische Stabilität und Instabilitäten im Universum" gilt den mehr als 200 Berufsastronomen nur als grobe Richtschnur für ein breites Spektrum astronomischer Themen: Führende Wissenschaftler, unter anderem auch aus England und Japan, halten Vorträge über die Bildung und Stabilität unseres Sonnensystems, über dynamische Instabilitäten in Sternen sowie über die Entwicklung von Sternhaufen und Galaxien und des gesamten Universums.

Der Tagungsort Bremen, dessen Universität nicht über ein eigenes astronomisches Institut verfügt, ist aus einem besonderen Grund gewählt worden: Genau vor 200 Jahren, am 20. September 1800 trafen sich in Lilienthal, in der damals größten Sternwarte Kontinentaleuropas, die bekanntesten Astronomen ihrer Zeit. Gauss, Harding, Bessel und Olbers waren an jenem Tag im diesem Vorort Bremens anwesend, um der Gründung einer Art Vorgängervereinigung der heutigen Astronomischen Gesellschaft beizuwohnen, deren vorrangige Aufgabe als sogenannte "Himmelspolizey" die Koordinierung der Suche nach einem damals zwischen den Planeten Mars und Jupiter vermuteten Himmelskörpers war.

Einer der prominentesten Teilnehmer der aktuellen Konferenz ist Sir Roger Penrose, Professor für Mathematik und Physik an der Universität von Oxford. Penrose war Wegbegleiter des berühmten Stephen Hawking bei der Erforschung von Schwarzen Löchern und macht sich als Experte auf dem Gebiet der Gravitationstheorie einen Namen. In der traditionellen "Schwarzschild-Vorlesung", die der jeweilige Empfänger der Karl-Schwarzschild-Medaille am Eröffnungstag der Tagung hält, referierte Penrose über die Physik der Prozesse im Inneren Schwarzer Löcher und über neue Erkenntnisse über die mögliche Verschmelzung der Gravitations- und Quantentheorie.

Doch die Tagungen der Astronomischen Gesellschaft sind auch ein Forum für junge Astronomen, die ihre Diplom- und Doktorarbeiten zum ersten Mal vor einem größeren Fachpublikum vorstellen. Auf den dafür eingerichteten kleinen Spezialtreffen erhalten sie so die Möglichkeit, erste Erfahrungen im Präsentieren von wissenschaftlichen Ergebnissen zu sammeln und auch mit älteren Kollegen aus ihrem Fachbereich in Kontakt zu kommen. 

Die Astronomische Gesellschaft wurde 1863 in Heidelberg gegründet und war bis nach dem Ersten Weltkrieg die einzige größere internationale astronomische Vereinigung. Diese Rolle übernahm dann die Internationale Astronomische Union (IAU). Heute ist die AG ein Zusammenschluss von Astronomen aus den deutschsprachigen Ländern. Der Internationalität fühlt man sich jedoch auch heute verpflichtet: Die Tagungssprache ist - wie bei wissenschaftlichen Fachtagungen üblich - Englisch.

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