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STERNE
Was ist He2-90?
von Stefan Deiters
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31. August 2000

Auf den ersten Blick sieht das rund 8.000 Lichtjahre von der Erde entfernte Objekt He2-90 aus wie ein junger, in Staub gehüllter Stern. Klassifiziert wurde er aber als Planetarischer Nebel, also als sterbende Sonne, die gerade die Reste ihrer Gashülle abwirft. Und neue Beobachtungen mit dem Hubble-Weltraumteleskop deuten nun darauf hin, dass es sich um noch etwas anderes handeln könnte: um ein Doppelsternsystem.

He2-90
Hubble-Aufnahmen von He2-90. Fotos: NASA, Raghvendra Sahai (NASA Jet Propulsion Laboratory, Lars-Ake Nyman (ESO, Chile, Onsala Oberservatory, Schweden)

Eigentlich wollten die Astronomen sogenannte Planetarische Nebel untersuchen, also sterbende Sterne von der Größe unserer Sonne, die - bevor sie zum Weißen Zwergstern werden - die Reste ihrer Hülle ins All abstoßen. Und He2-90 sollte so ein Planetarischer Nebel sein. Er war ja auch, typisch für diese Objekte, von einer rund 10.000 Grad heißen Gaswolke umgeben. Doch eigenartiger Weise waren da auch diese scheibenförmige Struktur und der gebündelte Strahl aus Gas, ein sogenannter Jet, der auf beiden Seiten aus dem Objekt zu kommen scheint, was mehr auf einen sehr jungen, gerade entstehenden Stern hindeutete. 

Junge Sterne jedoch sollten von einer recht kühlen, dichten Gaswolke umgeben sein, die die Wissenschaftler mit Hilfe bodengestützter Teleskope in Chile aufzuspüren versuchten. Ohne Erfolg, der rund 8.000 Lichtjahre von der Erde entfernte Stern im Sternbild Centaur konnte sein Geheimnis bewahren. Erst neue Beobachtungen mit dem Hubble-Weltraumteleskop könnten etwas Licht um die Natur dieses rätselhaften Objektes bringen: Die Astronomen glauben nämlich nunmehr, dass es sich bei He2-90 um ein Paar alternde Sterne handelt, die einfach wie ein junger Stern aussehen. Ein Partner ist ein roter Riesenstern, der Material aus seiner äußeren Hülle verliert, das sich dann in einer sogenannten Akkretionsscheibe um einen kleineren Begleiter, vermutlich ein Weißer Zwergstern sammelt. Die Sterne, so die Theorie, sind wegen der Staubscheibe nicht zu sehen.

Das obere Hubble-Bild zeigt das Objekt mit dem beidseitigen Jet. Die ähnlich aussehenden diagonalen Streifen sind Artefakte der Teleskopoptik. Jeder der beiden Jets besteht aus kleineren Ansammlungen von Gas, die das System mit einer Geschwindigkeit von rund 600.000 Kilometern pro Stunde verlassen. Die Wissenschaftler vermuten, dass etwa alle 100 Jahre so ein Gasklumpen ausgestoßen wird, was sie auf eine periodische Instabilität in der Scheibe zurückführen. Beobachtungen mit bodengestützten Teleskopen haben gezeigt, dass der Jet bis zu 100.000 Astronomische Einheiten ins All reicht. Eine Astronomische Einheit beschreibt die mittlere Entfernung von der Sonne zur Erde.

Wegen der vergleichsweise geringen Geschwindigkeit des Jets gehen die Astronomen davon aus, dass es sich bei dem Begleiter um einen Weißen Zwerg handelt. Allerdings hat man in der Nähe von He2-90 eine Gammastrahlen-Quelle entdeckt, was wiederum auf einen Neutronenstern oder ein Schwarzes Loch als Begleiter hindeuten würde. Dazu passt jedoch die langsame Geschwindigkeit des Jets nicht. Weitere Untersuchungen sollen nun klären, ob die Gammastrahlen-Quelle tatsächlich in Beziehung zu He2-90 steht.

Die Wissenschaftler glauben, dass die beiden Sterne etwa zehn astronomische Einheiten voneinander entfernt sind. Auf der Detailaufnahme ist eine scheibenförmige dunkle Struktur zu erkennen, die das helle Licht des Objektes teilt. Um was es sich dabei handelt, ist noch unklar, da die Struktur für eine Akkretionsscheibe zu groß ist. Die zwei hellen Punkte am rechten und linken Rand des Bildes sind zwei Ansammlungen von Gas innerhalb des Jets, die vor rund 30 Jahren ins All geschleudert wurde.

Links im WWW
Original Fotos und Pressemitteilung des STScI
die aktuellsten HST Bilder, Übersicht des Space Telescope Science Instituts
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