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SOHO
Der weltbeste Kometenjäger
von Stefan Deiters
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29. August 2000

Das europäisch-amerikanische Solar and Heliospheric Observatory (SOHO) soll eigentlich unser Zentralgestirn beobachten und dessen Aktivität überwachen. Ganz nebenbei entwickelte es sich zum besten Kometenjäger aller Zeiten. In der letzten Woche fand SOHO den 200. Kometen - dank der Hilfe zahlreicher Amateurastronomen und Websurfer, die das große Bildarchiv des Teleskops auswerten.

SOHOs 111. Komet
Der 111. Komet den SOHO entdeckt hat.  Foto: SOHO/LASCO (NASA/ESA)

"Mit 200 Entdeckungen ist SOHO mit Abstand der beste Kometenjäger", unterstreicht Brian Marsden vom Minor Planet Center der Harvard Universität. "Das automatische LINEAR-Programm hat bisher rund 50 Kometen aufgespürt, der beste menschliche Kometenjäger ist Carolyn Shoemaker mit über 30 Entdeckungen." Eigentlich hat SOHO eine ganz andere Aufgabe, als diese schmutzigen Schneebälle zu jagen: Das Weltraumobservatorium soll das Innere der Sonne, ihre Atmosphäre und den Sonnenwind studieren und damit eine Vorhersage des sogenannten Weltraumwetters ermöglichen. Solare Eruptionen und geomagnetische Stürme können nämlich den Betrieb von Satelliten empfindlich stören.

"Keine hat daher erwartet, dass wir mit SOHO all diese Kometen finden, als wir das Observatorium vor fast fünf Jahren gestartet haben", erinnert sich Sonnenphysiker Doug Biesecker vom Goddard Space Flight Center. "Das war schon eine große Überraschung." Die Kometen, die SOHO entdeckt, müssen der Sonne sehr nahe kommen, was dazu führt, dass die meisten kurz nach ihrer Entdeckung längst nicht mehr existieren. Dieses Schicksal teilt auch der Komet SOHO-200, dessen gefrorener Kern in der Nähe der Sonne schnell verdampfte. Die Entdeckungen gelingen mit Hilfe der Koronagraphen an Bord von SOHO. Bei dieses Geräten wird die helle Sonnenscheibe ausgeblendet, so dass die Korona und die umliegenden Sterne und Planeten sichtbar werden, die sonst von der Sonnen überblendet worden wären. 

Die Bilder der Koronagraphen werden alle 30 Minuten aktuell auf die Webseite des Observatoriums gestellt und etwa jede Woche erscheint auf einem dieser Bilder ein Komet. Und da die Bilder für die Netzgemeinde und die Wissenschaftler gleichzeitig veröffentlicht werden, hat im Prinzip jeder die Chance, einen Kometen mit SOHOs Hilfe zu entdecken. Doch nicht nur das: "Kurz nach der Entdeckung des hundertsten Kometen habe ich in einer E-Mail kurz erwähnt, dass man vielleicht auch auf den Bildern eines zweiten Koronagraphen, der den sonnennäheren Teil der Korona überwacht, Kometen finden könnte", erzählt Biesecker. Mit dieser Information begann eine wahre Lawine von Kometenfunden - und der 200. Komet wurde auf einem Archivbild aus dem April 1997 von einem Amateurastronomen aufgespürt. 

Bei den Kometen, die auf den SOHO-Aufnahmen zu entdecken sind, handelt es sich um sogenannte Sungrazer, die der Sonne extrem nahe kommen. Man vermutet, dass die meisten von ihnen das Produkt eines riesigen Kometen sind, der vor langer Zeit zerbrochen ist. Marsden vermutet gar, dass es sich dabei um den Kometen handeln könnte, den der griechische Astronom Ephorus im Jahr 372 vor Christus beobachtet hatte. Er berichtete, dass sich der Komet in zwei Teile geteilt habe. "Allerdings ist die Verbindung zwischen dem Ephorus-Kometen und den Sungrazern recht spekulativ", warnt Marsden.

Wer sich selbst einmal als Kometenjäger versuchen will, hat dazu auf einer speziell eingerichteten Webseite Gelegenheit. Allerdings bitten die Wissenschaftler vom Goddard Space Flight Center darum, dass man - wenn man glaubt, einen Kometen entdeckt zu haben - erst einmal sorgfältig die grundlegenden Kriterien zu studieren, bevor man sich mit den Astronomen in Verbindung setzt. Bestätigte Entdeckungen werden dann auf der Webseite des Projektes veröffentlicht. Ein Wehrmutstropfen bleibt für die Amateurkometenjäger: Die SOHO-Kometen tragen nicht den Namen des Entdeckers, sondern den Namen des Observatoriums. 

Links im WWW
SOHO Sungrazer, Kometensuche auf Echtzeit-Bildern von SOHO
SOHO, Projektseiten der ESA
SOHO, Projektseiten der NASA
 
siehe auch

AstroLinks: Sonne
AstroLinks: Kometen

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