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CHANDRA
Riesenblasen in den Antennen-Galaxien
von Stefan Deiters
astronews.com
23. August 2000

Riesige und immer größer werdende Blasen aus heißem Gas  hat das NASA-Röntgenteleskops Chandra in den gerade verschmelzenden Antennen-Galaxien beobachtet. Für die Astronomen ist dies ein gutes Beispiel dafür, wie es im Universum vor rund 15 Milliarden Jahren ausgesehen haben dürfte, als gewaltige Kollisionen zwischen Galaxien deutlich häufiger waren als heute.  

NGC 4038/4039
Chandra-Aufnahme der Zentralregion der Antennengalaxien.  
Foto: NASA/SAO/CXC/G. Fabbiano et al.

"Vor rund 15 Milliarden Jahren waren Galaxien viel dichter zusammen als jetzt", erläutert Giuseppina Fabbiano vom Harvard-Smithonian-Center für Astrophysik die Bedeutung der aktuellen Beobachtung für die Erforschung der Frühphase des Universums. "Kollisionen wie die, die für die Antennen-Galaxien verantwortlich ist, waren daher viel häufiger als heute und spielen eine wichtige Rolle für das Aussehen der Galaxien wie wir sie heute vor uns haben."

Die Antennen-Galaxien sind rund 60 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt und liegen im Sternbild Rabe. Ihr eigentlicher Name ist NGC 4038 und NGC 4039. Durch die Kollision dieser beiden Galaxien entstanden lange antennen-ähnliche Gasströme, denen sie ihren Spitznamen zu verdanken haben. Wenn Galaxien zusammenstoßen passiert zunächst einmal nicht viel: Da sie im wesentlichen aus leerem Raum bestehen, kommt es nur äußerst selten zu direkten Kollisionen zwischen Sternen der beteiligten Systeme. Allerdings kann eine Galaxie die andere durch ihre Gravitationskraft auseinanderreißen. 

Bei solchen Kollisionen und Verschmelzungen werden zudem Gas- und Staubwolken komprimiert, was zur plötzlichen Geburt von Millionen Sternen führt. Die massereichsten unter ihnen explodieren einige Millionen Jahre später als Supernova und produzieren dabei Gasblasen aus Millionen Grad heißem Gas, das mit Sauerstoff, Eisen und anderen schweren Elementen angereichert ist. Wenn sich diese ausdehnenden Gasblasen treffen verschmelzen sie zu Riesenblasen oder Superbubbles die einen Durchmesser von bis zu fünftausend Lichtjahren haben können.

Schon früher hatte man in weiten Teilen der Antennen-Galaxien Röntgenstrahlung entdeckt, doch war man sich bislang nicht sicher, ob hier auch diese Riesenblasen existieren. Dank des Chandra-Röntgenteleskops weiß man jetzt nicht nur von der Existenz der Superbubbles, sondern auch von hellen Röntgenquellen, die auf dem hier gezeigten Bild als helle Punkte erkennbar sind. Dabei handelt es sich nach Ansicht der Astronomen um die Überbleibsel der Supernova-Explosionen, also im Neutronensterne und Schwarze Löcher. Die Strahlung entsteht durch Gas, das von benachbarten Sternen auf diese kompakten Objekte strömt. 

Die Beobachtung von Riesenblasen, Neutronensternen und Schwarzen Löchern in den Antennen-Galaxien ist für die Wissenschaftler ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Galaxienentwicklung und dem Zusammenspiel von Galaxienkollisionen, Sternentstehung und Supernova-Explosionen. "Wir können hier direkt Galaxienentwicklung beobachten", sagte Andreas Zezas vom Harvard-Smithonian-Center für Astrophysik. "Über viele Millionen Jahre werden die Riesenblasen die Galaxie nach und nach mit Sauerstoff und anderen Elementen anreichern und vielleicht auch Sternentstehung in anderen Regionen anstoßen, was wieder zu weiteren Supernovae führt. Es ist ein ständiger Kreislauf von Sternentstehung, Tod und Wiedergeburt."

Links im WWW
Chandra Xray Observatory Center
Chandra X-ray Observatory
, NASA-Seite zu Chandra
siehe auch
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Chandra: Stürmischer Wind vom Schwarzen Loch
- 29. Mai 2000
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- 12. Mai 2000
Chandra: Ampel zur Entfernungsmessung
- 3. Mai 2000
Chandra: Intergalaktische Kaltfront
- 3. März 2000
Hubble: Das Schauspiel beginnt - 17. Februar 2000
Chandra: Beobachtung einer frühen Supernova
- 15. Dezember 1999
Chandra: Ein Instrument macht Sorge
- 17. September 1999
Chandra: Mikroskopisch kleiner Lattenzaun - 1. September 1999

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