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SUPERNOVAE
Tickende Zeitbombe im All
von Stefan Deiters
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25. Juli 2000

Britische Astronomen haben eine Zeitbombe im All entdeckt: Hinter dem unverdächtigen Namen KPD1930+2752 verbirgt sich ein Doppelsternsystem, dass innerhalb der nächsten 200 Millionen Jahre durch eine gewaltige Supernova-Explosion zerstört werden wird. Für die Wissenschaftler stellt der Fund eine einmalige Chance dar, mehr über diesen Supernova-Typ zu erfahren, der eine entscheidende Rolle bei der Elementanreicherung im Universum spielen dürfte. 

Über eines, so die Astronomen der Universität von Southampton, bräuchte man sich keine Sorgen zu machen: KPD1930+2752 ist weit genug von der Erde entfernt, so dass eine Explosion keine Gefahr für uns bedeutet. Eine beruhigende Aussage, denn das, was die Wissenschaftler für die Zukunft des Doppelsternsystems voraussagen, hört sich bedrohlich an: Das System besteht vermutlich aus einem Weißen Zwergstern, der von heißen, hellen Stern umkreist wird, der - anders als normale Sterne - hauptsächlich aus Helium besteht. Die Astronomen bezeichnen diese Sterne als Unterzwerge (Subdwarfs) vom Typ B.

Das Schicksal der beiden Sterne ist vorgezeichnet: Der Unterzwerg kreist mit einer Geschwindigkeit von rund 350 Kilometern pro Sekunde alle 137 Minuten um seinen Partner. Bei so kurzen Umlaufzeiten sollte dieses System Gravitationswellen abstrahlen und somit ständig Energie verlieren. Die Folge wäre, dass der Unterzwerg auf seiner Bahnen dem Weißen Zwerg immer näher kommt und schließlich - innerhalb der nächsten 200 Millionen Jahre - mit ihm verschmilzt.

Durch das Verschmelzen erreicht der Weiße Zwergstern plötzlich eine kritische Masse, die zu einer gewaltigen Explosion führt - einer Supernova vom Typ Ia. Was die Astronomen an ihrem Fund so fasziniert ist die Tatsache, dass sie hier tatsächlich vor Augen geführt bekommen, wodurch ein Weißer Zwerg plötzlich so viel zusätzliches Helium erhält, dass er einfach explodieren muss.

Diese Art von Supernova-Explosionen ist für die Wissenschaftler aus zwei Gründen interessant: Zum einen entsteht bei ihnen ein Großteil der schwereren Elemente, wie beispielsweise Eisen, Nickel oder Kobald. So geht man heute davon aus, dass nahezu alles Eisen auf der Erde einmal in einer entfernten Supernova Ia-Explosion entstanden ist - einschließlich des Eisens was wir alle im Blut haben.

Zusätzlich dienen diese Supernova-Explosionen den Astronomen als sogenannte Standardkerzen: In nahegelegenen Galaxien hat man nämlich festgestellt, dass sie alle die selbe Helligkeit haben. Beobachtet man also solche Supernova-Explosionen in entfernten Galaxien, kann man direkt auf die Entfernung schließen. Allerdings setzt dies voraus, dass die Supernova Ia-Explosionen tatsächlich überall gleich hell sind. Durch die jetzt veröffentlichten Beobachtungen hoffen die britischen Astronomen mehr über den genauen Verlauf  der Explosionen zu erfahren und somit auch darüber, ob die Supernova Ia tatsächlich als Entfernungsmesser taugen.

Die kosmische Entfernungsskala ist für die Astronomie von entscheidender Bedeutung: Erst eine genaue Vermessung des Weltalls erlaubt es, Aussagen über das Schicksal des gesamten Universums zu machen und beispielsweise die berühmte Hubble-Konstante genau zu bestimmen.

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