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ISO
100.000 neue Sterne im Zentrum unserer Milchstraße
von Stefan Deiters
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14. Juni 2000

Im Zentrum unserer Milchstraße herrscht hektisches Treiben: Millionen von Sternen bewegen sich auf scheinbar chaotischen Bahnen um das galaktische Zentrum. So interessant dieser Ort für Astronomen ist, so schwer ist er zu beobachten: Erst das europäische Infrarot-Teleskop ISO konnte die Staubschichten durchdringen und entdeckte 100.000 Sterne, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat.

Unsere Milchstraße ist eine große Spiralgalaxie mit einem Durchmesser von 130.000 Lichtjahren. Sie dürfte zwischen zehn und 15 Milliarden Jahren alt sein und besteht im wesentlichen aus einer dünnen Scheibe mit den Spiralarmen und einem dicken Bulge genannten Kern. Und spätestens seit Douglas Adams Buch "Per Anhalter durch die Galaxis" dürfte allgemein bekannt sein, dass sich unser Sonnensystem am Rand eines recht ruhigen Spiralarms etwa 25.000 Lichtjahr vom galaktischen Zentrum entfernt befindet.

"Der innere Bulge der Milchstraße ist wie das Zentrum einer großen hektischen Metropole. Die Dichte von Sternen ist rund 500 mal größer als an jeder anderen Stelle in der Galaxis. So dicht, dass Sterne sogar zusammenstoßen können", erläutert Alain Omont vom Astrophysikalischen Institut Paris. "Die Sterne, die sich dort befinden, können uns viel über die Geschichte der gesamten Galaxis verraten und beispielsweise offenbaren, ob unsere Milchstraße in der Vergangenheit andere Galaxien verschluckt hat."

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Theorien, dass sich unsere Milchstraße in der Vergangenheit eine ganze Reihe kleinerer Galaxien einverleibt hat, gibt es schon lange. So ließe sich nämlich die sehr hohe Konzentration von Sternen im zentralen Bereich des Bulges erklären. Doch leider erwiesen sich die Beobachtungen dieser interessanten Region als schwierig, da der direkte Blick durch dicken Staub verdeckt war. Erst durch das ESA Infrarot-Weltraumteleskop ISO, das von November 1995 bis Mai 1998 arbeitete, konnte man diese Staubbarriere durchdringen.

Die Beobachtungen mit ISO - allein 255 Stunden waren dem zentralen Bereich des Bulges gewidmet - erwiesen und erweisen sich als wahre Fundgrube. So entdeckten die Astronomen auf diese Weise 100.000 neue rote Riesensterne, die sich in einer speziellen Phase ihrer Entwicklung befinden, in der sie sehr viel Materie verlieren und Staub produzieren. Damit gehören sie zu den entscheidenden Faktoren, die für die Anreicherung der interstellaren Materie mit Elementen verantwortlich sind. Außerdem lässt sich das Alter dieser Sterne recht gut bestimmen, was dann wiederum Rückschlüsse auf die Vergangenheit zulässt.

Auch dem Appetit unserer Milchstraße auf kleine Nachbargalaxien hoffen die Wissenschaftler dank ISO auf die Spur zu kommen: Stammen Sterne im Zentrum aus anderen Galaxien sollten sich diese - so die Theorie - anders bewegen als die Sterne, die schon immer zu unserer Milchstraße gehörten. Dass sich unsere Milchstraße gerne kleinere Galaxien einverleibt scheint gesichert: So zieht sie gerade die Magellanschen Wolken an und dürfte in ferner Zukunft auch mit Andromeda, der nächsten großen Galaxie, kollidieren.

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