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KOSMOLOGIE
Als das All noch klein war

von Stefan Deiters
astronews.com
28. April 2000

Kosmologen gelang ein entscheidender Schritt zum Verständnis der Entstehungsgeschichte unseres Universums: Sie machten ein "Kinderfoto" des Weltalls. Das Bild zeigt das Universum als es nur einen Bruchteils seines heutigen Alters hatte und nur etwa ein Tausendstel seiner jetzigen Größe. 

Das junge Universum
Das Universum vor etwa 14 Milliarden Jahren Foto: BOOMERANG
Die Aufnahme gelang im Rahmen des Projektes BOOMERANG, was für Balloon Observations of Millimetric Extragalactic Radiation and Geophysics steht. Dabei wurde Ende 1998 in der Antarktis ein extrem empfindliches Teleskop mittels eines Heißluftballons auf eine Höhe von 37 Kilometern gebracht, von wo es etwa drei Prozent des Himmels beobachtete.

In seiner Kindheit sah das Universum deutlich anders aus als heute: Während jetzt Galaxien und riesige Galaxienhaufen das Aussehen des Weltalls bestimmen, war es vor etwa 12 bis 15 Milliarden Jahren unglaublich heiß, dicht und sehr regelmäßig. Die intensive Strahlung jener Zeit ist heute immer noch als kosmische Mikrowellen-Hintergrundstrahlung zu messen. Interessant für die Wissenschaftler ist nun, ob es in dieser Hintergrundstrahlung leichte Variationen gab, aus denen später vielleicht einmal Galaxien werden könnten. Solche Variationen waren vom NASA-Satelliten COBE Anfang der 90er Jahre entdeckt worden.

Mit Hilfe von BOOMERANG gelang es nun, eine scharfe Aufnahme dieser Hintergrundstrahlung zu machen: Sie zeigt viele kleine Gebiete mit leicht unterschiedlichen Temperaturen. Die Temperaturdifferenz beträgt allerdings nur winzige Bruchteile eines Grads Celsius. Solche Strukturen waren von Kosmologen mit Hilfe ihrer Modelle vorhergesagt worden. "Die Strukturen in diesen Bildern waren eher da als Sterne oder Galaxien im Universum", erläutert Andrew Lange, Leiter des US-Teams die Bedeutung der Arbeiten, die die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Nature veröffentlichten. "Es ist ein unglaublicher Triumph der modernen Kosmologie, dass sie ihre grundsätzliche Form so gut vorhersagen konnte."

Das Bild ist für die Kosmologen ein wahre Fundgrube, stellt es doch die genauste Messung der Eigenschaften der Raumzeit dar, die bis heute gemacht wurde. Eine der großen Fragen der Kosmologie ist nämlich, ob unser gesamtes Universum in sich gekrümmt ist oder aber eine flache Geometrie aufweist. Die Daten deuten nun darauf hin, dass es flach ist. Dies wiederum stimmt mit der Voraussage des sogenannten Inflationsmodells überein, nach der sich das ganze Universum in einer unvorstellbar kurzen Zeit ausdehnt hat und dabei den Raum quasi streckte, bis er flach war.

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