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QUASARE
Das entfernteste Objekt im All

von Stefan Deiters
astronews.com
17. April 2000

Eigentlich ein Fall für das Buch der Rekorde: Der Quasar SDSS 1044-0125 scheint nach jüngsten Messungen mit dem größten Teleskop der Welt eines der ersten Objekte zu sein, das im Universum entstanden ist und das am weitesten entfernte dazu. 

SDSS 1044-0125
Der am weitesten entfernte Quasar, der je beobachtet wurde (Pfeil) Foto: Stephen Kent, SDSS Collaboration
Aufgespürt wurde SDSS 1044-0125 als unscheinbarer roter Punkt in den Daten des Sloan Digital Sky Survey (SDSS). Man nimmt an, dass Quasare eine frühe Phase in der Entstehung von Galaxien darstellen. Da sie weit entfernt sind, erscheinen sie uns nur als sternenähnliche Objekte, was zu der Bezeichnung Quasar für "quasistellares Objekt" führte. Die enorme Energiemenge die die Quasare ausstrahlen wird vermutlich von einem riesigen Schwarzen Loch im Zentrum des Quasars erzeugt, das Sterne in seiner Nähe verschluckt.

Die endgültige Bestätigung für den besonderen Status von SDSS 1044-0125 gab es Anfang April als Marc Davis, Professor für Astronomie an der Universität von Kalifornien  in Berkeley, Spektren das Objektes aufnahm. Er verwendete das größte Teleskop der Welt, das Keck-Teleskop auf Hawaii. Mit Hilfe des Spektrums konnte er zunächst verifizieren, dass es sich bei dem roten Fleck tatsächlich um einen entfernten Quasar handelte. 

Und mehr noch: Die von Davis gemessene Rotverschiebung von 5,8 bedeutet, dass das Licht, das wir heute beobachten, zu einem Zeitpunkt ausgesandt wurde, als das Universum erst eine Milliarde Jahre alt und 6,8 mal kleiner war als heute. Eine Rotverschiebung von 5,8 bedeutet, dass die Wellenlänge des Lichtes um 580 Prozent verschoben ist. "Das ist wirklich erstaunlich", meinte Davis. "Das liegt recht nah an dem Limit, bis zu dem wir überhaupt etwas im Universum sehen können."

Der Fund eines Quasars in dieser Entfernung ist für die Astronomen vor allem deshalb etwas besonderes, weil diese Objekte dort extrem selten sind. Die Entdeckung ist vermutlich der Tatsache zu verdanken, dass SDSS 1044-0125 extrem hell ist. "Unsere erste Frage ist, wie es überhaupt möglich ist, dass sich so kurz nach der Entstehung des Universum ein solches Objekt mit einem riesigen Schwarzen Loch bilden kann", erläutert Davis die Bedeutung der Entdeckung.

Wegen der großen Entfernung wurde das Licht, das SDSS 1044-0125 aussendet, durch die Ausdehnung des Universums verschoben: Ursprünglich hatte der Quasar im Ultravioletten abgestrahlt, die Strahlung wurde dann aber in den sichtbaren Bereich und schließlich in den infraroten Teil des Spektrums verschoben. "Alles was noch weiter entfernt ist, dürfte so weit ins Infrarote verschoben sein, dass wir es mit unseren Instrumenten nicht mehr entdecken können", so Davis.

Die Wissenschaftler hoffen, dass sie durch das Studium von weit entfernten Quasaren auch bessere Informationen über jene Zeit erhalten, in der sich alle Galaxien - und auch unsere Milchstraße - gebildet haben. Im Rahmen des Sloan Sky Surveys soll etwa ein Viertel des Himmels und damit etwa 200 Millionen Objekte katalogisiert werden. Und eine Millionen davon könnten - so die Schätzung der Astronomen - Quasare sein. 

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