Eigentlich ein Fall für das Buch der Rekorde: Der Quasar SDSS
1044-0125 scheint nach jüngsten Messungen mit dem größten Teleskop der
Welt eines der ersten Objekte zu sein, das im Universum entstanden ist und
das am weitesten entfernte dazu.

Der am weitesten entfernte Quasar, der je beobachtet wurde
(Pfeil) Foto:
Stephen Kent, SDSS Collaboration |
Aufgespürt wurde SDSS 1044-0125 als unscheinbarer roter Punkt in den
Daten des Sloan Digital Sky Survey (SDSS). Man nimmt an, dass
Quasare eine frühe Phase in der Entstehung von Galaxien darstellen. Da
sie weit entfernt sind, erscheinen sie uns nur als sternenähnliche
Objekte, was zu der Bezeichnung Quasar für "quasistellares
Objekt" führte. Die enorme Energiemenge die die Quasare ausstrahlen
wird vermutlich von einem riesigen Schwarzen Loch im Zentrum des Quasars
erzeugt, das Sterne in seiner Nähe verschluckt.
Die endgültige Bestätigung für den besonderen Status von SDSS
1044-0125 gab es Anfang April als Marc Davis, Professor für Astronomie an
der Universität von Kalifornien in Berkeley, Spektren das Objektes
aufnahm. Er verwendete das größte Teleskop der Welt, das Keck-Teleskop
auf Hawaii. Mit Hilfe des Spektrums konnte er zunächst verifizieren, dass
es sich bei dem roten Fleck tatsächlich um einen entfernten Quasar
handelte.
Und mehr noch: Die von Davis gemessene Rotverschiebung von 5,8
bedeutet, dass das Licht, das wir heute beobachten, zu einem Zeitpunkt
ausgesandt wurde, als das Universum erst eine Milliarde Jahre alt und 6,8
mal kleiner war als heute. Eine Rotverschiebung von 5,8 bedeutet, dass die
Wellenlänge des Lichtes um 580 Prozent verschoben ist. "Das ist
wirklich erstaunlich", meinte Davis. "Das liegt recht nah an dem
Limit, bis zu dem wir überhaupt etwas im Universum sehen können."
Der Fund eines Quasars in dieser Entfernung ist für die Astronomen vor
allem deshalb etwas besonderes, weil diese Objekte dort extrem selten
sind. Die Entdeckung ist vermutlich der Tatsache zu verdanken, dass SDSS
1044-0125 extrem hell ist. "Unsere erste Frage ist, wie es überhaupt
möglich ist, dass sich so kurz nach der Entstehung des Universum ein
solches Objekt mit einem riesigen Schwarzen Loch bilden kann",
erläutert Davis die Bedeutung der Entdeckung.
Wegen der großen Entfernung wurde das Licht, das SDSS 1044-0125
aussendet, durch die Ausdehnung des Universums verschoben: Ursprünglich
hatte der Quasar im Ultravioletten abgestrahlt, die Strahlung wurde dann
aber in den sichtbaren Bereich und schließlich in den infraroten Teil des
Spektrums verschoben. "Alles was noch weiter entfernt ist, dürfte so
weit ins Infrarote verschoben sein, dass wir es mit unseren Instrumenten
nicht mehr entdecken können", so Davis.
Die Wissenschaftler hoffen, dass sie durch das Studium von weit
entfernten Quasaren auch bessere Informationen über jene Zeit erhalten,
in der sich alle Galaxien - und auch unsere Milchstraße - gebildet haben.
Im Rahmen des Sloan Sky Surveys soll etwa ein Viertel des Himmels
und damit etwa 200 Millionen Objekte katalogisiert werden. Und eine
Millionen davon könnten - so die Schätzung der Astronomen - Quasare
sein.