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EXTRASOLARE PLANETEN
Erstmals Planeten von Saturngröße entdeckt
von Stefan Deiters
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30. März 2000

Den kalifornischen Planetenjägern um Geoffrey Marcy gelang unlängst ein weiterer wichtiger Schritt zur Aufspürung fremder Welten: Zum ersten Mal glauben sie zwei Planeten gefunden zu haben, die kleiner sind als Saturn. Bisher war es nur möglich extrasolare Planeten von der Größe des Jupiter nachzuweisen.

Planet um 79 Ceti
So stellt sich ein Künstler den Planeten um 79 Ceti vor. Darstellung: Greg Bacon (STScI), NASA

Die 30 extrasolaren Planeten, die bis heute um sonnenähnliche Sterne entdeckt wurden, hatten alle mindestens die Größe des Jupiter. Die nun aufgespürten Planeten von Saturn-Größe könnten darauf hinweisen, dass eventuell viele Sterne neben den großen Planeten auch kleinere Begleiter besitzen.

Nach Ansicht der kalifornischen Planetenjäger würden die jüngsten Funde auch einer alte Theorie neue Nahrung geben, nach der Planetensysteme in einer Art Schneeballsystem entstehen: In einer großen Staubscheibe um die sich gerade bildende Sonne würden danach zunächst kleinere Planeten entstehen, die immer größer werden. Somit sollten in Planetensystemen mehr kleinere als größere Planeten zu finden sein - einen Trend der eventuell nun zum ersten Mal im Ansatz zu erkennen ist.

"Das ist genauso als wenn man vom Meer aus die Küste beobachtet", erläutert Geoffrey Marcy von der Universität von Kalifornien in Berkeley. "Zuerst sieht man nur die großen Felsbrocken, also jupiterähnliche Planeten. Nun können wir auch schon kleinere Felsen erkennen, also Planeten von der Größe des Saturn oder kleiner. Wir haben aber immer noch nicht die Möglichkeit erdähnliche Planeten aufzuspüren, die den Kieselsteinen am Strand entsprechen würden."

Da Jupiter etwa die dreifache Masse des Saturns besitzt, gab es immer noch die Möglichkeit, dass es sich bei den entdeckten Planeten in Wirklichkeit nicht um Planeten, sondern um sogenannte Braune Zwerge handelt, also Sterne, die nicht genug Masse besitzen, um die nuklearen Brennprozesse zu starten. Doch nun wird deutlich, dass die "Jupiters" um fremde Sonnen nur die Spitze des Eisbergs darstellen und viele kleinere Planeten noch unentdeckt sind. "Nun können wir sicher sein, dass wir wirklich einen anderen Typ von Objekten sehen, die sich aus einer Staubscheibe um einen Stern gebildet haben", erläutert Marcy. Und solche Staubscheiben um junge Sterne wurde in den letzten Jahren vom Hubble-Weltraumteleskop beobachtet.

Die jüngsten Entdeckungen gelangen mit Hilfe des Keck-Teleskops auf Hawaii: Dabei entdeckte das Team einen Planeten mit mindestens 80 Prozent der Saturnmasse, der sein Zentralgestirn HD46375 in einem Abstand von etwa fünf Millionen Kilometern umkreist. Das System liegt 109 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Einhorn. Der zweite entdeckte Planet hat eine Masse von 70 Prozent der Saturnmasse und umkreist 79 Ceti in einem Abstand von rund 47 Millionen Kilometern. 79 Ceti ist 117 Lichtjahre von der Erde entfernt. 

Um die Planeten aufzuspüren nutzen Marcy und sein Team die schon vielfach erfolgreich angewandte Methode, aus dem Einfluss, den ein Planet auf seine Sonne hat, auf den Planeten selbst zu schließen. Beobachtet wurde in beiden Fällen lediglich das Zentralgestirn. 

Für Freunde der Suche nach anderen Zivilisationen dürften die Funde allerdings enttäuschend sein: Bei beiden Sternen dürfte es sich um Gasriesen handeln, auf denen wegen ihrer großen Nähe zur jeweiligen Sonne, extreme Temperaturen herrschen. Und noch eine bittere Pille für alle Jäger nach der zweiten Erde: Die Wissenschaftler halten es für möglich, dass sich die beiden Planeten in größerer Entfernung vom Zentralgestirn gebildet haben und dann langsam auf ihren jetzigen Orbit gewandert sind. Und auf ihrem Weg dorthin, hätten sie die Umlaufbahnen sämtlicher erdähnlicher Planeten zerstört.

Links im WWW
Extrasolar Planets Search, Homepage von Geoffrey Marcy
 
siehe auch
Extrasolare Planeten: Ein Planet namens Millennium - 17. Dezember 1999
Planeten: Am Anfang war Chaos - manchmal
- 14. Dezember 1999
Extrasolare Planeten: Und noch einmal sechs dazu
- 30. November 1999
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- 29. November 1999
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- 4. November 1999
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- 6. Oktober 1999 
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- 9. September 1999
Erdähnliche Bahn um Iota Hor
- 30. Juli 1999
Extrasolare Planeten: Zwei auf einen Streich -16. April 1999
Extrasolare Planeten: Dunkle Bänder - 14. Februar 1999
Extrasolare Planeten: Leichtes Wackeln
- 3. Februar 1999
AstroLinks: Extrasolare Planeten
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