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JUPITER
Unerwartete Vergangenheit
von Stefan Deiters
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19. November 1999

Vor fast vier Jahren setzte die NASA-Sonde Galileo eine Minisonde in die Jupiteratmosphäre aus. Die Daten dieses Kundschafters in der unwirklichen Welt des Gasplaneten sorgen derzeit für Aufregung unter Astronomen - passen doch die in der Atmosphäre entdeckten Edelgase schlecht zu den bisherigen Theorien, die die Wissenschaftler von der Entstehung des Jupiter und unseres Sonnensystems hatten.  

Galileo stetzt Sonde aus
Im Dezember 1995 setzte Galileo eine kleine Sonde aus, die die Jupiteratmosphäre untersuchen sollte.  Darstellung: JPL/NASA 

In einem Artikel, der in der gestrigen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature erschien, berichtet das Team um Dr. Tobias Owen von der Universität von Hawaii in Honolulu, dass die kleine Sonde, die von Galileo am 7. Dezember 1995 ausgesetzt worden war, eine überraschend hohe Konzentration von Argon, Krypton und Xenon in der Jupiteratmosphäre festgestellt hat. Alle drei Stoffe sind sogenannte Edelgase, die ihren Namen der Tatsache verdanken, dass sie mit anderen Stoffen nicht reagieren.

"Diese neuen Informationen könnten unsere Ansicht wie das Sonnensystem entstanden ist gehörig durcheinanderbringen", unterstreicht Owen. Unklar sei nämlich, wie diese große Mengen der Gase in die Jupiteratmosphäre gelangt sind. "Um sie einzufangen, müsste Jupiter sie wirklich physikalisch festhalten, indem er sie kondensiert oder zum Frieren bringt." Doch sind dafür extrem niedrige Temperaturen von etwa minus 240 Grad Celsius nötig, die noch nicht einmal auf der Oberfläche des Pluto erreicht werden. Daher müssen die Gase irgendwo anders eingefangen worden sein. Ausreichend niedrige Temperaturen gäbe es nur im hinter der Neptunbahn liegenden Kuiper-Gürtel.

So gibt die Entdeckung der Wissenschaftler Anlass zu mancherlei Spekulation: "Es wäre beispielsweise möglich", so Owen, "dass Jupiter im Kuiper-Gürtel entstanden ist und dann an seine jetzige Position gezogen wurde." Eine zweite Möglichkeit wäre, dass die riesige Gaswolke, aus der unser Sonnensystem entstanden ist, viel kälter war, als man bisher angenommen hat. Als letzte Theorie käme auch in Betracht, dass kleine Brocken, durch die die Edelgase auf Jupiter gelangt sind, in der ursprünglichen riesigen Gaswolke entstanden sind bevor der eigentliche Entstehungsprozess unseres Sonnensystems einsetzte. "Das würde dieses eisige Material älter und viel primitiver machen, als wir bisher angenommen hatten."

Besonders die letzten beiden Hypothesen beinhalten einige interessante Schlussfolgerungen: "Das würde nämlich bedeuten, dass Riesenplaneten sehr viel näher an ihrer Sonne entstehen können, als es bisherige Theorien vermuten ließen", erläutert Owen. "Das könnte helfen, die neuen Beobachtungen von Planetensystemen um andere Sonnen zu erklären, in denen es recht viele Riesenplaneten gibt, die dem jeweiligen Zentralgestirn recht nahe sind."

Die Sonde, die Galileo ausgesetzt hat, ist insgesamt 156 Kilometer durch die Jupiteratmosphäre gefallen und hat während dieser Zeit Daten zu Galileo übermittelt, der diese dann zur Erde weitergeleitet hat. Die kleine Sonde hat die extremen Bedingungen in der Atmosphäre länger ausgehalten als erwartet, fiel dann aber schließlich den extrem hohen Temperaturen und dem hohen Druck zum Opfer. Die Ergebnisse sind erst jetzt veröffentlicht worden, weil die gewonnenen Daten sorgfältig ausgewertet und mit Daten aus irdischen Laboratorien verglichen werden mussten.

Links im WWW
Galileo, Projekthomepage am JPL
 
siehe auch

Jupitermond Io: Prometheus gleicht Hawaii-Vulkan - 5. November 1999
Galileo: Blick auf Lavafeld am Pillan
- 25. Oktober 1999
Galileo: Erfolgreicher Vorbeiflug an Io
- 12. Oktober 1999
Galileo: Auf zum Jupitermond Io
- 20. September 1999
Jupitermond Io: Immer bessere Bilder - 30. August 1999

Der Ringentstehung auf der Spur
- 14. Juni 1999
Galileo: ein wahrer Musterschüler
- 7. Mai 1999
Mond Europa: Traum aller Blondinen - 26. März 1999
Callisto: Dünne Hülle - 5. Februar 1999
AstroLinks: Jupiter

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