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PULSARE
Untoter Stern verblüfft Astronomen
von Stefan Deiters
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31. August 1999

Ein australischer Doktorand hat ganz nebenbei einen Stern entdeckt, der wohl manche seiner Lehrer gehörig ins Schwitzen bringen dürfte: Denn den Pulsar mit Namen PSR J2144-3933 sollte es eigentlich gar nicht geben. Das kosmische Leuchtfeuer dreht sich nämlich viel langsamer, als es die gängigen Theorien erlauben. 

Pulsar
Durch die Drehung des Pulsars überstreicht der gebündelte Radiostrahl in regelmäßigen Abständen die Erde. Grafik: D. Parr, CSIRO, bearbeitet von astronews.com

Eigentlich hatte Matthew Young gar nicht vor, die Theoretiker in Bedrängnis zu bringen. Der Doktorand der Universität von Westaustralien interessierte sich für Pulsare, kleine sich drehende Sterne, die gebündelte Strahlen von Radiowellen aussenden. In regelmäßigen Abständen kann dieser Strahl die Erde treffen und so lässt sich die Drehgeschwindigkeit des Sterns bestimmen.

Beim Studium von Daten des CSIRO Parkes Radioteleskopes, mit dem etwa die Hälfte aller bekannten Pulsare entdeckt wurden, suchte Young nach der Erklärung für eine Problem: "Ich versuchte fehlende Pulse zu entdecken, also Momente in denen man eigentlich einen Strahl des Pulsars sehen sollte, aber keiner kommt. Auf den ersten Blick sah es bei diesem Stern so aus, als würden zwei von drei Pulsen fehlen."

Doch das Studium der Daten brachte Erstaunliches an den Tag: "Es wurde klar, dass dieser Pulsar sich wirklich dreimal langsamer dreht als wir dachten." Doch was für den Laien vielleicht nicht sonderlich spektakulär wirkt, ist für die Astronomen eine kleine Sensation: "Die Theorie sagt, dass Pulsare, die sich langsamer als etwa einmal alle paar Sekunden drehen nicht genug Energie mehr haben, um überhaupt noch Pulse auszusenden." Die oft als kosmische Leuchtfeuer bezeichneten Sterne verlöschen.  Der jetzt gefundene Pulsar dreht sich allerdings nur einmal in acht Sekunden - zu langsam für jede Theorie. Damit ist er so etwas wie ein "untoter" Stern.

"Das ist schon etwas problematisch für unsere Theorien", meinte CSIRO-Wissenschaftler Dr. Dick Manchester. "Für fast 30 Jahre haben wir angenommen, das die Strahlung der Pulsare durch einen exotischen Prozess angetrieben wird, durch den Materie und Antimaterie entsteht. Und genau diese Theorie besagt, dass sich dieser Pulsar zu langsam dreht, um dieser Prozess ablaufen zu lassen. Er sollte keine Radiowellen aussenden, aber er tut es."

Vielleicht, so ein möglicher Ausweg, können die Prozesse doch bei langsamerer Drehung des Sterns ablaufen oder aber die Pulse entstehen doch auf ganz andere Weise. "Wie auch immer, man muss einiges noch einmal überdenken."

Der Fund hat aber noch andere Auswirkungen: Bisher ging man davon aus, dass sich die Drehung der Pulsare allmählich verlangsamt, bis sie schließlich verlöschen. "Wir haben diesen Pulsar nur gefunden, weil er relativ nah ist - rund 600 Lichtjahre", erläutert Young, der die Ergebnisse in der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlicht hat. "Dieser Pulsar ist schon recht schwach, was bedeuten könnte, dass es viele langsame und alte Pulsare gibt, die bisher nicht entdeckt wurden." Die Wissenschaftler schätzen ihre Zahl auf rund 100.000 in der Galaxis.

Links im WWW
CSIRO, Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation
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