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ASTEROIDEN
Ein sehr eigentümlicher Ort
von Stefan Deiters
astronews.com
27. August 1999

Mit Hilfe der zwei leistungsstärksten Radarteleskope der Welt gelangen Astronomen die detailliertesten Aufnahmen eines erdnahen Asteroiden. Der Felsbrocken mit einem Durchmesser von 3,5 Kilometern präsentiert sich auf den Bildern als äußerst eigentümlicher Ort und gibt den Wissenschaftlern so manches Rätsel auf.

Asteroid 1999 JM8
Der Asteroid 1999 JM8 auf einem Radarbild des Goldstone Solar System Radar. Foto: JPL/NASA

Der erdnahe Asteroid mit Namen 1999 JM8 wurde am 13. Mai 1999 mit dem U.S. Air Force Telescope in New Mexiko entdeckt. Dabei konnten genug Daten gewonnen werden, um diesen großen erdnahen Asteroiden mit zwei Radarteleskopen genauer unter die Lupe zu nehmen. Chance dazu gab es von Mitte Juli bis Mitte August als sich der Asteroid der Erde bis auf 8,5 Millionen Kilometern näherte.

Was die Astronomen mit Hilfe des NASA Goldstone Solar System Radar in Kalifornien und dem Arecibo Observatorium in Puerto Rico zu Gesicht bekamen, waren die detailliertesten Aufnahmen, die bisher von einem erdnahen Asteroiden gemacht wurden. Besonders faszinierte die Wissenschaftler die recht abwechslungsreiche Oberflächenstruktur und die Tatsache, dass sich 1999 JM8 nur recht langsam um sich selbst dreht.

"Es wird noch einige Zeit dauern, bis wir die vielen Daten analysiert und Gestalt und Rotation des Asteroiden genau bestimmt haben", erläutert Dr. Lance Benner vom NASA Jet Propulsion Laboratory (JPL), der das Wissenschaftlerteam leitete. "Aber allein durch das Anschauen der Bilder kann man erkennen, dass diese Welt recht eigentümlich ist. Im Moment verstehen wir nicht was einige der Strukturen sein könnten und wie sie entstanden sind ist noch unklarer."

Doch es gibt schon einige Hinweise: 1999 JM8 ähnelt Toutatis, einem anderen ähnlich großen Asteroiden, der auch schon mit Radar untersucht wurde. "Die Tatsache, dass beide Asteroiden sich nur sehr langsam drehen, könnte darauf hinweisen, dass dies ein verbreitetes Phänomen ist." Da die Wissenschaftler allerdings bisher davon ausgehen, dass die Art der Rotation eines Asteroiden durch Kollisionen mit anderen Objekten bestimmt wird, ist absolut unklar, wie es zu dieser sehr langsamen und komplexen Drehung kommen konnte. 

Mit ihren Radarteleskopen erreichen die Wissenschaftler eine Auflösung, von der andere Astronomen nur träumen können. Im Falle von 1999 JM8 immerhin 15 Meter pro Pixel. Das ist feiner als alle anderen Aufnahmen, die bisher von Asteroiden gemacht wurden - auch als die Bilder von Raumsonden aus. "Um vergleichbare Auflösungen mit einem optischen Teleskop zu erreichen, würde man einen Spiegel mit mehreren 100 Metern Durchmessern benötigen," vergleicht Dr. Jean-Luc Margot vom Arecibo Observatorium. "Radar ist sicherlich die günstigste Möglichkeit, um sich der Erde nähernde Objekte zu beobachten."

Auf den Radarbildern sind Einschlagkrater mit einem Durchmesser von nur 100 Metern zu erkennen, aber auch welche die zehnmal so groß sind. Aus der großen Zahl der Krater folgern die Wissenschaftler, dass die Oberfläche des Asteroiden geologisch alt ist und er daher nicht nur ein Splitter eines noch größeren Asteroiden ist. Bei solchen Details gerät schon manches Teammitglied ins Schwärmen: "Das sind schon sehr, sehr ungewöhnliche Orte", meint JPL-Wissenschaftler Dr. Steven Ostro. "Diejenigen, die später einmal diese Welten besuchen können, sind wirklich zu beneiden." 

Links im WWW
Near-Earth Asteroid Tracking (NEAT)
 
siehe auch
Kurze Tage auf 1998 KY26 - 23. Juli 1999
AstroLinks: Asteroiden
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