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BRAUNE ZWERGE
SOFI hat's gesehen, SUSI nicht
von Stefan Deiters
astronews.com
19. August 1999

Europäische Astronomen entdeckten in einem scheinbaren leeren Bereich des Himmels einen sehr kühlen Braunen Zwerg. Das rund 300 Lichtjahre entfernte Objekt hat nur einen Temperatur von 700 Grad Celsius und stellt eine Zwischenstufe zwischen Riesenplanet und Stern dar. Mit der Entdeckung bewiesen die Wissenschaftler einmal mehr die Leistungsfähigkeit der modernen Teleskope der Europäischen Südsternwarte (ESO).

Brauner Zwerg
Der entdeckte Brauen Zwerg (Pfeil) ist nur in der Infrarot-Aufnahme sichtbar (oben). In einer Aufnahme bei kürzerer Wellenlänge ist er nicht zu entdecken. Fotos: ESO
Brauner Zwerg

Eine gehörige Portion Glück gehörte schon dazu, denn eigentlich wollten die Astronomen am ESO New Technology Telescope (NTT) in La Silla in einem scheinbar leeren Himmelsbereich in der Region des Sternbilds Jungfrau entfernte Galaxien entdecken. Diese Beobachtungen im sogenannten NTT-Deep Field sollten die Leistungsfähigkeit zweier Instrumente am NTT unter Beweis stellen: die des Superb-Seeing Imagers (SUSI), der Aufnahmen im sichtbaren Bereich des Spektrums macht und des Son of ISAAC (SOFI), der im nahen Infrarot-Bereich beobachtet.

Doch die Astronomen fanden etwas anderes: In den Infrarot-Aufnahmen von SOFI konnten sie ein sternenähnliches Objekt ausmachen, das auf SUSI-Bildern nicht zu erkennen war. Sie nannten den ungewöhnlichen Fund NTTDF J1205-0744 - was bedeutet, dass das Objekt im NTT-Deep Field an der entsprechenden Himmelsposition gefunden wurde.

Nach Ansicht der Wissenschaftler gab es nur zwei Möglichkeiten, was sie entdeckt hatten: entweder ein sehr kaltes Objekt in unserer Milchstraße oder aber einen Quasar am Rande des beobachtbaren Universums. Zur Entscheidung benötigte man Spektren des Objektes, die nun die erste Einheit des Very Large Telescope (VLT) ANTU liefern konnte. Danach handelt es sich eindeutig um einen Brauen Zwerg. Er gehört zu der Klasse der recht seltenen und sehr kühlen Methan Braunen Zwerge.

Zu den wenigen Objekten die auch in diese Kategorie fallen gehört auch der bekannte Braune Zwerg Gliese 229B. Doch während dieser in einem Doppelsternsystem gefunden wurde, scheint es sich bei NTTDF J1205-0744 um einen Einzelstern zu handeln. Außerdem ist der jüngste Fund fünf bis sechs Magnituden lichtschwächer als Gliese 229B

Für NTTDF J1205-0744 errechneten die Wissenschaftler folgende Daten: Der Braune Zwerg ist rund 300 Lichtjahre von der Erde entfernt und befindet sich etwa 240 Lichtjahre oberhalb der galaktischen Ebene. Seine Masse ist wahrscheinlich 20 bis 50mal so groß wie die des Jupiter. Die Temperatur liegt bei 700 Grad Celsius.

Braune Zwerge sind Objekte, die irgendwo zwischen Riesenplaneten und kleinen Sonnen einzuordnen sind: Für Planeten sind sie eigentlich zu groß, doch verfügen sie auch nicht über ausreichend Masse, um die nuklearen Fusionsprozesse in ihrem Inneren in Gang setzten zu können und somit ein richtiger Stern zu werden. Da diese Objekte dadurch sehr kühl sind, lassen sie sich schwer entdecken. Manche Astronomen glauben, dass Braune Zwerge einen erheblichen Anteil zur fehlenden Masse unserer Galaxie beitragen könnten. Das macht diesen Fund in einem scheinbar leeren Bereich des Himmels zusätzlich interessant.

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