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SONNENFINSTERNIS
Das Geheimnis des Foucault'schen Pendels
von Stefan Deiters
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9. August 1999

Einige Wissenschaftler werden während der Sonnenfinsternis am kommenden Mittwoch vermutlich nicht zur Sonne, sondern auf ein Pendel starren und jede Änderung der Schwingung akribisch registrieren. Geklärt werden soll nämlich, ob durch eine Sonnenfinsternis die Schwingung eines Foucault'schen Pendels beeinflusst wird. 

Auf der Weltausstellung 1851 demonstrierte Jean Bernard Leon Foucault mit Hilfe eines Pendels, dass sich die Erde dreht: Alles was man benötigt ist ein Gewicht, das möglichst an einem langen Seil aufgehängt wird und das man dann pendeln lässt. Man beobachtet, dass sich die Richtung in der das Pendel schwingt im Laufe der Zeit ändert, was allerdings eine optische Täuschung ist: In Wirklichkeit bleibt die Richtung in der das Pendel schwingt immer die gleiche, nur die Erde dreht sich unter dem Pendel weg. 

Im Jahr 1954 machte Maurice Allais ein gewaltiges Experiment: In seinem Pariser Laboratorium startete er einen Monat lang alle 14 Minuten einen Foucault'schen Pendelversuch und verfolgte die Drehungen der Pendel Tag und Nacht. Sein Versuch fiel mit einer Sonnenfinsternis zusammen und so machte Allais eine bemerkenswerte Entdeckung: Hatten sich die Pendel vor und nach Finsternis vollkommen normal verhalten, änderten sie während der zweieinhalb Stunden dauernden Finsternis ihren Drehwinkel um 13,5 Grad.

Allais, der 1988 den Nobelpreis für Wirtschaft erhielt, konnte dieses Ergebnis 1959 noch einmal reproduzieren. Andere Wissenschaftler erhielten unterschiedliche Ergebnisse, manche fanden Änderungen der Pendelbewegung während einer Sonnenfinsternis, andere nicht.

Während der europäischen Sonnenfinsternis am kommenden Mittwoch hoffen die Wissenschaftler nun klären zu können, ob alle bisherigen positiven Befunde das Ergebnis von Messfehlern oder lokalen Einflüssen waren oder ob es tatsächlich die von Allais gefundenen Effekte gibt. Dazu sollen auf der ganzen Welt Foucault'sche Pendel beobachtet und mit Gravimetern Änderungen in der Gravitationskraft gemessen werden. 

Die richtige Arbeit dürfte für die Wissenschaftler aber erst beginnen, wenn sie tatsächlich herausfinden sollten, dass die Sonnenfinsternis Einfluss auf die Pendelschwingung hatte. Dann muss dieser Effekt nämlich erklärt werden: Die Spekulationen reichen zur Zeit von Einflüssen solarer Strahlung über Gravitationswellen bis hin zu einer Anisotropie des Raumes, was bedeutet, dass der Raum unterschiedliche Eigenschaften in verschiedenen Richtungen hat. 

Links im WWW
Decrypting the Eclipse, NASA Seite zu den Foucault-Versuchen
Total Solar Eclipse of 1999 August 11
, Daten von der NASA zur Finsternis
 
siehe auch
AstroLinks: Sonnenfinsternis
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