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Sonnensystem

Kometen: Rendezvous in der Dunkelheit
von Stefan Deiters
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9. Juli 1999

Mit der Rosetta-Mission will die europäische Weltraumorganisation ESA an den Erfolg ihrer Giotto-Mission zum Kometen Halley anknüpfen. Anfang Juli präsentierten die Europäer das endgültige Design der Sonde, die Ende 2011 den Kometen Wirtanen erreichen soll - 675 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt.

Die Rosetta-Mission gehört zu den sogenannten Cornerstone-Projekten, die im ESA-Langzeitprogramm Horizon 2000 festgelegt sind. Rosetta, so ESA-Wissenschaftsdirektor Prof. Roger Bonnet, "hat für die Wissenschaft eine große Bedeutung und wird die führende Rolle der ESA bei der Erforschung unseres Sonnensystems unterstreichen."

Wenn alles nach Plan läuft, soll Rosetta im Januar 2003 vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guiana mit einer Ariane 5-Rakete ins All gebracht werden. Um ihr weit entferntes Ziel zu erreichen, muß sich die Sonde gleich dreimal die Gravitationskraft von Erde und Mars zu Nutze machen: Im Mai 2005 kehrt sie in Marsnähe und im Oktober 2005 und 2007 in die Nähe der Erde zurück, um sich dann endgültig auf den Weg zum Kometen Wirtanen zu machen.

Auf dem Weg dahin, soll Rosetta im Vorbeiflug zwei andere Objekte unter die Lupe nehmen: Im Asteroidengürtel sind erste Nahaufnahmen von 140 Siwa und 4979 Otawara geplant - zwei Asteroiden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Otawara, so die bisherigen Daten, hat einen Durchmesser von unter 20 Kilometern, während Siwa mit einem Durchmesser von etwa 110 Kilometern der größte Asteroid ist, der bisher von einer Sonde besucht wurde.

Der anspruchsvollste Teil der Mission beginnt aber Ende November 2011, wenn sich die Sonde dem Kometen Wirtanen nähert. In 675 Millionen Kilometer Entfernung von der Sonne ist die Oberfläche des Kometen gefroren. In den folgenden Monaten soll dann die Geschwindigkeit von Rosetta und Wirtanen angeglichen werden und die Sonde in einen nahen Orbit um den Kometen einschwenken.

Aus diesem Orbit heraus will das ESA-Team dann einen geeigneten Landeplatz für den 100 Kilogramm schweren Lander finden. Die Landung muß sehr langsam erfolgen, da es auf Wirtanen so gut wie keine Schwerkraft gibt, die den Lander auf dem Kometen hält. So besteht die Gefahr, daß der Lander einfach "abprallt". Um das zu verhindern, soll der Lander mit einer Harpune gesichert werden.

Mit der Annäherung des Kometen an die Sonne, wird sich die Oberfläche langsam erwärmen und möglicherweise schon einige Stoffe freisetzen. Einen Monat lang sollen die acht Experimente des Landers in dieser Zeit Daten zur Erde senden. Daten, die den Wissenschaftlern unschätzbar wertvolle Informationen über die Zusammensetzung des Kometen liefern werden. Kometen sind vor allem deswegen interessant, weil sie als Überbleibsel aus der Zeit gelten, als das Sonnensystem gerade entstand. Die Hoffnung ist, mit der Erforschung von Kometen auch Grundlegendes über die Entstehung des Sonnensystems zu erfahren.

Doch auch die Sonde selbst dürfte bei der Annäherung des Kometen an die Sonne interessante Daten liefern. Mit einer Geschwindigkeit von 46.000 Kilometern pro Stunde rast Wirtanen auf die Sonne zu. Und je näher der Komet der Sonne kommt, desto mehr seiner gefrorenen Oberfläche wird auftauen. Rosetta kann diese Vorgänge erstmals aus nächster Nähe beobachten.

Rosetta soll den Kometen zwei Jahre lang - bis zum Juli 2013 - verfolgen und dabei eine Wegstrecke von vielen Millionen Kilometern zurücklegen. Bleibt zu hoffen, daß die Sonde Rosetta in der Erforschung des Sonnensystems eine ähnliche Position einnehmen wird, wie ihr Namensgeber es für die Altertumsforscher tat: Der Stein bildete immerhin den Schlüssel zum Verständnis der alten Kultur in Nordafrika.

Links im WWW

  • Rosetta, Missions-Homepage der ESA

siehe auch:

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