Nicht nur Probleme gibt es von Mars Global Surveyor zu berichten: Auswertungen
von Messungen mit dem Magnetometer der Sonde brachten Erstaunliches an den Tag. So war der
Mars in seiner frühen Geschichte der Erde vermutlich viel ähnlicher, als bisher
angenommen. Forscher fanden, nach einem Bericht in der heutigen Ausgabe des amerikanischen
Wissenschaftsmagazins "Science", Hinweise, daß es sogar Plattentektonik gegeben
haben könnte.
Die kleinen Spuren, die die Wissenschaftler mit Hilfe des Magnetometers der Sonde
"Mars Global Surveyor" entdeckten, scheinen auf den ersten Blick nichts
Besonderes zu sein: Bandförmige Muster von Magnetfeldern auf der Oberfläche des roten
Planeten. Doch diese für das Auge unsichtbaren Spuren haben eine verblüffende
Ähnlichkeit mit Formationen, die man auf der Erde auf dem Boden des Ozeans findet, wo
Kontinentalplatten auseinanderdriften und neues Material aus dem Erdinneren nach oben
strömt.
"Die Entdeckung dieser Spuren auf dem Mars könnte unser Denken in Bezug auf die
Entwicklungsgeschichte des roten Planeten revolutionieren", meinte Dr. Jack Connerney
vom NASA Goddard Space Flight Center, der zum Magnetometer-Team der Sonde gehört.
"Wenn diese Bandstrukturen tatsächlich auf auseinanderdriftende Platten
zurückzuführen sind, sind sie Relikte einer sehr frühen Phase, in der es noch
Plattentektonik auf dem Mars gab."
Allerdings gibt es für die gefundenen Formationen auch alternative
Erklärungsmöglichkeiten: So könnte eine gleichförmig magnetisierte Marskruste durch
vulkanische Aktivität aufgebrochen worden sein, ähnlich einem Ballon, den man mit Farbe
bestreicht und dann langsam aufbläst: Auch hier wird es in der trockenen Farbe Brüche
geben.
Unzweifelhaft dürfte aber sein, daß sich die Magnetspuren in einer Zeit entwickelten,
in der der rote Planet einen heißen Kern aus geschmolzenem Metall hatte, der ein globales
Magnetfeld erzeugte. Der Mars war in dieser Zeit geologisch sehr aktiv: Ständig wurde
geschmolzenes Gestein aus der Tiefe an die Oberfläche geworfen, wo es eine neue Kruste
bildete. Und beim langsamen Aushärten der Kruste wurde auch das damals vorhandene
Magnetfeld "eingefroren".
Die Daten der Sonde könnten außerdem helfen, noch eine weiteres Rätsel des Mars zu
lösen: den Unterschied zwischen der recht glatten Nordhälfte des roten Planeten und der
durch Krater zerklüfteten Südhälfte. Die Magnetdaten zeigen nun, daß im Norden so gut
wie keine Spuren von Magnetismus gibt. Es wäre also möglich, daß die Marsoberfläche im
Norden von schweren Asteroideneinschlägen betroffen war, nachdem das Magnetfeld schon
nicht mehr bestand. Die Oberfläche heizte sich durch die Einschläge und die einsetzende
vulkanische Aktivität auf. Dadurch wurden alle Spuren eines Magnetfeldes verwischt
und das gesamte Gebiet geglättet.
Um sicher zu sein, daß es sich bei den gefundenen Bandstrukturen tatsächlich um das
Ergebnis von Plattentektonik handelt, müssen die Wissenschaftler nur noch eines finden:
einen Symmetriepunkt. "Wir müssen eine Stelle finden, bei der die Muster auf der
einen Seite zu denen auf der anderen Seite passen", sagte Connerney. "Bisher ist
uns das noch nicht gelungen."
Vielleicht haben die Wissenschaftler Glück: Denn allein schon die Tatsache, daß die
Daten überhaupt vorliegen, ist ein Glücksfall. Wegen Problemen beim Eintauchen der Sonde
in die Marsatmosphäre mußte die Sonde länger als zunächst geplant auf einer speziellen
Bahn um den roten Planten kreisen. Nur so gelangen diese Messungen. Von der normalen Bahn
aus, hätte die Auflösung des Magnetometers nicht ausgereicht, um die jetzt gefundenen
Strukturen zu identifizieren.
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