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Sonnensystem

Venus: Modell für Zukunft der Erde
von Stefan Deiters
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22. Februar 1999

Mit neuen Computermodellen haben zwei Wissenschaftler der Universität Colorado die Klimaentwicklung auf der Venus simuliert. Ihre Ergebnisse versprechen auch für die Erde nichts Gutes: Auch ohne menschliche Hilfe könnten hier in Zukunft so lebensfeindliche Verhältnisse herrschen wie auf unserem Nachbarplaneten - zumindest in einer Milliarde Jahren.

Die ganze Aufregung um die Erforschung des Mars können Mark Bullock und David Grinspoon vom "Laboratory for Atmospheric and Space Physics" der Universität Colorado in Boulder nicht verstehen: Die pfeilrot.gif (189 Byte) Venus, so die beiden Wissenschaftler, sei doch der Erde deutlich ähnlicher, ist sie doch der einzige Planet mit einem komplexen, sich entwickelnden Klima.Und mit Blick auf die sich schnell ändernden Klimaverhältnisse auf der Erde und die Diskussion um den pfeilrot.gif (189 Byte) Treibhauseffekt könnte die Venus ein gutes Studienobjekt für das zukünftige Erdklima abgeben.

Wer heute die Venus betrachtet, wird kaum glauben, daß es zwischen ihr und der Erde mehr Ähnlichkeiten geben könnte, als vielleicht die relativ gleiche Größe der Planeten: Die hohen Temperaturen von rund 480 °C an der Oberfläche, die Kohlendioxid-Atmosphäre und die Schwefelsäure-Wolken lassen kaum Heimatgefühle aufkommen. Trotzdem hatten Erde und Venus am Anfang die gleichen Startbedingungen - nur entwickelte sich der zweite Planet im Sonnensystem deutlich anders als unser Heimatplanet.

Die Modelle der beiden Wissenschaftler geben Hinweise darauf, daß die Venus vor rund 800 Millionen Jahren durch heftige Vulkanausbrüche eine komplett neue Oberfläche erhielt. Das würden auch die relativ wenigen Krater auf der Venus erklären. Diese Lavadecke, so Bullock und Grinspoon, könnte eine Dicke von bis zu zehn Kilometern erreicht haben. Durch die Vulkanaktivität stieg auch der Gehalt von Treibhausgasen an, was zum Aufheizen der Atmosphäre geführt haben könnte.

Doch so einfach ist es nicht: In den Wolken wiederum dürften sich auch Tröpfchen gebildet haben, die dann mehr Licht reflektierten und damit eher zu einem Absinken der Temperatur führten. "Am Ende dürften die Wolken gewonnen haben", meinte Bullock. Die Temperatur auf der Venus könnte auf unter 100 °C gesunken sein. Beim Abkühlen könnte dann Wasserdampf in höhere Bereiche der Atmosphäre gelangt sein, wo er durch ultraviolette Strahlung zerstört wird. So konnte ein großer Teil des Wasserstoffs in den Weltraum entweichen.

Große Mengen des Schwefeldioxids in der Atmosphäre wiederum seien von anderen Substanzen auf der Oberfläche gebunden worden, spekulieren die Wissenschaftler weiter, was insgesamt zu einem Ausdünnen der Wolkendecke und einem Anstieg der Temperatur führte. Jetzt konnte ja wieder mehr Sonnenlicht auf den Planeten gelangen. Durch die höheren Temperaturen könnte die Wolkendecke vor rund 200 Millionen Jahren vollkommen verschwunden sein.

Die nächsten 100 Millionen Jahre zeigte sich Venus dann vollkommen unverschleiert. "Wir haben aber berechnet, daß es in den letzten 30 Millionen Jahren wieder vulkanische Aktivität gegeben haben muß, was die dicken Wolkendecken erklärt, die wir heute sehen," meinte Grinspoon.

Das Beispiel Venus zeige, so die beiden Wissenschaftler, wie schnell sich das Klima auf einem erdähnlichen Planeten ändern kann und wie komplex die Vorgänge zum Teil sind. Was die Menschen zum Klimawechsel beitragen, können sie nicht genau sagen, aber "auf lange Sicht, sei das Schicksal der Erde besiegelt: Wenn die Sonne älter und heller wird, werden die Ozeane verdampfen und es wird ein extremes Treibhausklima herrschen. Erde und Venus haben als Zwillinge begonnen, sich auseinanderentwickelt und werden am Ende wieder gleich aussehen."

Grund zur Panik besteht auf der Erde zur Zeit deswegen aber nicht: Das beschriebene Szenario dürfte erst in etwa einer Milliarde Jahre Wirklichkeit werden.

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