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Thema: V774104: Der neue "Zwergplanet" und das entfernteste Objekt im Sonnensystem

  1. #11
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    Zitat Zitat von ralfkannenberg Beitrag anzeigen
    gemäss der Juli-Ausgabe des SuW gibt es einen weiteren KBO, der noch keinen wissenschaftlichen Namen hat und der sich bei ~ 90 AU Abstand aufhält. Er wird im Artikel über den Planeten Nine ("Auf der Jagd nach Planet X") in der Einführung von Scott Sheppard genannt. Auch er ist ein Kandidat für einen weiteren Sednoid, doch ist auch seine Bahn noch zu ungenau.
    Hallo zusammen,

    das könnte 2013 FS28 sein, der derzeit 86.2 AU entfernt ist, allerdings ein Perihel bei 34.5 AU hat und somit kein Sednoid ist. Soviele KBO, die sich derzeit jenseits der 85 AU-Marke aufhalten, kennt man ja auch wieder nicht - er ist derzeit das am viertweitesten entfernte bekannte Objekt. Die anderen sind V774104 (103 AU), Eris (96.2 AU), Snow White (87.6 AU) und auf Platz 5 die Sedna (85.6 AU). Man findet diese Liste beispielsweise auf der englischen Wikipedia-Seite über die Eris.


    Die Daten zu 2013 FS28 befinden sich im von Bynaus verlinkten Preprint in table 2.


    Freundliche Grüsse, Ralf
    Geändert von ralfkannenberg (01.09.2016 um 11:48 Uhr)

  2. #12
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    Hallo zusammen,

    nach neuesten Erkenntnissen ist V774104 nicht das derzeit entfernteste natürliche Objekt in unserem Sonnensystem, sondern musste die Pole Position wieder an die Eris abgeben.

    Dafür soll sein Perihel grösser als 50 AU sein.


    Freundliche Grüsse, Ralf

  3. #13
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    Zitat Zitat von ralfkannenberg Beitrag anzeigen
    nach neuesten Erkenntnissen
    ... oder auch nicht. Das Verwirrspielchen geht weiter. Offenbar war da jemand an einem "Talk" dabei und bastelt sich da nun Vermutungen zusammen, was man auf der Diskussionsseite der englischen Wikipedia zu V774104 sowie den dortigen Verlinkungen nachlesen kann.

    Auf der einen Seite gibt es da nach wie vor ein Objekt im Abstand von 103 AU, auf der anderen Seite soll ein Sednoid mit Perihel bei 65 AU und Aphel bei über 2000 AU gefunden worden sein, welches derzeit 83 AU entfernt ist. Einige Diskutanten identifizieren diese beiden Objekte miteinander.

    Ich habe übrigens noch einmal das Entdeckungspaper von 2012 VP113, "A Sedna-like body with a perihelion of 80 astronomical units (Chadwick A. Trujillo & Scott S. Sheppard)", angeschaut, da steht geschrieben:

    We find three basic results from this analysis: (1) there appears to be a paucity of inner Oort cloud objects with perihelia in the range 50–75 AU, suggesting that the inner Oort cloud object population could increase with q > 75 AU;
    Nun wäre also ein Inner Oort Cloud Objekt in diesem Zwischenraum gefunden worden. Zwar kennt man 4 TNOs mit Perihelia zwischen 50 und 60 AU, doch sind dies verstandene Neptun-Resonanz-Körper mit 1:3 oder 1:4 Bahnresonanzen.


    Betreffend V774104 scheint alles noch etwas sehr inoffiziell zu sein.


    Freundliche Grüsse, Ralf
    Geändert von ralfkannenberg (07.04.2018 um 22:49 Uhr)

  4. #14
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    Hallo zusammen,

    vielleicht noch zwei Arbeiten in diesem Zusammenhang:

    Juliette Becker bzw. ihr Team hat einen eTNO namens "Caju" entdeckt, zudem verwendet sie einen TNO namens "pe82":
    Evaluating the Dynamical Stability of Outer Solar System Objects in the Presence of Planet Nine (Juliette Becker, Fred Adams, Tali Khain, Stephanie Hamilton, David Gerdes)


    Und in diesem Bericht Then vs. Now: How the Debate Over a Distant Planet in the Solar System Has Evolved (Stephanie Hamilton) wird neben "Caju" ein Objekt "ws301y4a" genannt.


    Freundliche Grüsse, Ralf

  5. #15
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    Zitat Zitat von ralfkannenberg Beitrag anzeigen
    ... soll ein Sednoid mit Perihel bei 65 AU und Aphel bei über 2000 AU gefunden worden sein ...
    Hallo,
    das könnte 2014 FE72 sein.

    Da ist noch 2017 MB7 aktuell 5 AE entfernt und Aphel über 7000 AE.


    Die Datenlage ist noch nicht besonders genau.
    Geändert von Wotan (08.04.2018 um 01:50 Uhr)
    Grüße
    Wotan

  6. #16
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    Zitat Zitat von Wotan Beitrag anzeigen
    das könnte 2014 FE72 sein.
    Hallo Wotan,

    nein, denn 2014 FE72 hat ein Perihel von nur ~36.3 AU, liegt also noch tief innerhalb des Kuiper Cliffs. Selbst die Eris hat ein höheres Perihel.

    Derzeit kennt man nur 10 Objekte mit Perihelia über 47 AU:

    4 davon sind Inner Oort-Cloud-Planetoiden der "inneren Gruppe", also Perihelia jenseits des Kuiper Cliffs bis etwa 50 AU, vier weitere von denen sind 3:1- oder 4:1-Resonanzkörper zum Neptun, das ist die "Buffy-Gruppe" und wenn sie etwas höhere Bahnneigungen haben, können sie auch etwas weniger gute Bahnresonanzen haben. - Vier weitere solcher Resonanzkörper findet man übrigens auch jenseits des Kuiper Cliffs bis 47 AU. Man erkennt sie daran, dass sie moderate Exzentrizitäten haben. Und die beiden übrigen sind die Sedna und 2012 VP113 mit Perihelia über 75 AU und unter 100 AU; nennen wir diese der Einfachheit halber "Inner Oort-Cloud-Planetoiden der zweiten Gruppe" und lassen dabei die Frage offen, wie weit die Perihelia dieser zweiten Gruppe hinausreichen und ob es noch weitere Gruppen von ihnen gibt.


    Zitat Zitat von Wotan Beitrag anzeigen
    Da ist noch 2017 MB7 aktuell 5 AE entfernt und Aphel über 7000 AE.
    2017 MB7 hat ein Perihel von 4.45 AU ist ist somit kein KBO und schon gar kein Inner Oort-Cloud-Planetoid, sondern scheint mir ein erloschener Komet zu sein, also ein Damocloid. Zwar wird er in der Wikipedia auch als Zentauer klassiert, aber das kommt daher, dass keine Einigkeit über den Begriff des Zentauren besteht. Zumindest das Minor Planet Center (MPC) und das Jet Propulsion Laboratory (JPL) listen Zentauren als Körper mit Perihelia über ~5.2 AU. Eigentlich sollte es solche sein mit Perihelia jenseits der Jupiterbahn, aber eine solche Definition würde eben auch zahlreiche Trojaner beinhalten, die aber keine Zentauren sind. Andere Autoren lösen dieses Problem, indem sie Zentauren als Körper auf nicht-resonanten Umlaufbahnen zu einem Planeten definieren, damit entledigt man sich der Trojaner und der Plutinos, von denen einige - inkl. des Pluto, die Zentauren-Definition erfüllen würden, ohne Zentauren zu sein.


    Freundliche Grüsse, Ralf

  7. #17
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    Hallo zusammen,

    man liest im Zusammehang mit solchen Entdeckungen von Planetoiden, die sich mindestens 90 AU von der Sonne entfernt aufhalten, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen Sednoiden - ich sollte allgemeiner schreiben - um einen Planetoiden jenseits des Kuiper Cliffs - handelt, gross sei. Was auch immer "gross" bedeuten soll. Beim wohl drittgrössten "Zwergplaneten", der (225088) 2007 OR10 "Snow White", lag man mit dieser Einschätzung falsch, bei der kleinen Sedna, also 2012 VP113, lag man richtig.

    Und bei den neuen wie V774104 liegen noch nicht genügend Bahndaten vor, auch wenn mir der von Scott Sheppard genannte neue noch völlig namenlose TNO im Abstand von 83 AU mit dreijährigen Beobachtungsdaten, einen Perihel bei 65 AU und einem Aphel bei ~2000 AU ein durchaus sehr erfolgsversprechender Kandidat zu sein scheint. Er wäre derzeit 15 AU näher als V774104.

    Wie auch immer, ich denke, es lohnt sich einmal in Blick in die Statistik, wie gross denn die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Körper, der jenseits von 80 AU gesichtet wird, auch ein hohes Perihel hat. Zu diesem Zweck habe ich in der Datenbank des Minor Planet Center einmal alle "Zwergplaneten", also solche mit einer absoluten Helligkeit von mindestens 5.2 mag (sehr grob ~400 km) aufgelistet, denn diese dürften hell genug sein, dass man sie entdecken kann, deren Aphel mindestens 80 AU entfernt ist.

    Das Ergebnis:

    die Datenbank enthält 33 solcher Planetoiden, u.a. auch die Eris und (225088) 2007 OR10 "Snow White" und natürlich auch die Sedna und die kleine Sedna 2012 VP113. Des weiteren enthält sie noch zwei 1:4-Resonanzkörper jenseits des Kuiper-Cliffs, einen der Buffy-Gruppe und einen der inneren Buffy-Gruppe.

    4 dieser Planetoiden liegen also jenseits des Kuiper-Cliffs, alle übrigen einschliesslich Eris und (225088) 2007 OR10 "Snow White", das sind 29 Stück, liegen innerhalb des Kuiper-Cliffs. Aus statistischer Sicht also 4/33 versus 29/33, also rund 1:7.

    Betrachtet man von ihnen nur die TNO mit Aphelia über 100 AU, so ergibt das 22 Planetoiden, (225088) 2007 OR10 "Snow White" ist noch dabei, und auch die 4 "Zwergplaneten" jenseits die Kuiper-Cliffs sind noch dabei. Somit liegen nun also 18 Stück innerhalb des Kuiper-Cliffs. Aus statistischer Sicht also 4/22 versus 18/33, also 1:4.5 .


    Freundliche Grüsse, Ralf

  8. #18
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    Zitat Zitat von ralfkannenberg Beitrag anzeigen
    nach neuesten Erkenntnissen ist V774104 nicht das derzeit entfernteste natürliche Objekt in unserem Sonnensystem, sondern musste die Pole Position wieder an die Eris abgeben.

    Dafür soll sein Perihel grösser als 50 AU sein.
    Hallo zusammen,

    wie ich bereits hier geschrieben und begründet habe dürfte das falsch sein, d.h. es liegt vermutlich nur ein banales Missverständnis zwischen Scott Sheppard und Kelly Beatty vor, so dass keine neuen kommunizierten Beobachtungsdaten zu V774104 vorliegen.


    Ich habe das auf der Wikipedia korrigiert.


    Freundliche Grüsse, Ralf

  9. #19
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    Zitat Zitat von ralfkannenberg Beitrag anzeigen
    Juliette Becker bzw. ihr Team hat einen eTNO namens "Caju" entdeckt, zudem verwendet sie einen TNO namens "pe82":
    Evaluating the Dynamical Stability of Outer Solar System Objects in the Presence of Planet Nine (Juliette Becker, Fred Adams, Tali Khain, Stephanie Hamilton, David Gerdes)
    Hallo zusammen,

    Juliette Beckers "Caju" ist übrigens kein Sednoid: bei einer grossen Halbachse von 450 AU und einer Exzentrizität von 0.92 ergibt sich ein Perihel von 36 AU.


    Freundliche Grüsse, Ralf

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