Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Habitable Zone
Hi,
Wie berechnet sich eigentlich die Habitable Zone um einen gegebenen Stern ?
Welche Variablen gehen da ein ?
Dazu hab ich mal einen Artikel auf meiner Webseite geschrieben:
http://www.planeten.ch/?content=Artikel:_Die_Suche_nach_der_zweiten_Erde
Kurz zusammengefasst, lässt sich die bewohnbare Zone so berechnen:
Innere Grenze = a * (Masse des Sterns in Sonnenmassen)^2
Äussere Grenze = b * (Masse des Sterns in Sonnenmassen)^2
a ist, je nach Schätzung, 0.5 bis 0.97
b ist, je nach Schätzung, 1.37 bis 2
Wobei, hier muss man sagen, das hängt "eigentlich" noch von ganz anderen Variablen ab, z.B. von der Grösse des Planeten: je grösser er ist, desto vulkanisch aktiver ist er (bei einem terrestrischen Planeten), desto mehr CO2 ist in der Atmosphäre. Dann hängt es auch vom Anteil der Landmasse an der Oberfläche ab (Gesteinsverwitterung bindet CO2 aus der Atmosphäre), etc etc.
Aber ganz vereinfachend kann man die oben genannte Formel schon anwenden.
galileo2609
18.11.2005, 02:03
Dazu hab ich mal einen Artikel auf meiner Webseite geschrieben:
http://www.planeten.ch/?content=Artikel:_Die_Suche_nach_der_zweiten_Erde
Das sind Artikel bzw. 'Workshops', die wirklich weiterhelfen! :)
Michael Johne
21.11.2005, 09:09
Hallo!
Bynaus, wie du bereit erwähntest, ist deine Formel sehr einfach, aber auch nicht sehr genau. Der innere & äußere Grenze und somit die "Dicke" (= a-b) der Bewohnbaren Zone vergrößert sich mit der Masse des Sterns. Bei einem Riesenstern müsste praktisch es eine riesige Bewohnbare Zone geben, wo es die besten Chancen für mögliches Leben gibt. Doch gerade bei Riesensterne kann es nicht der Fall sein.
Ich stelle hier einmal ein etwas genaueres Modell für die Bewohnbare Zone vor, welches ich auch für EXO-DB (http://www.exodb.de.vu) verwende:
- Wenn Sternmass < 1.0 Dann Leuchtkraft = 1.75*(Sternmasse-0.1)+3.325 ansonsten leuchtkraft = 0.5*(2.0-Sternmasse)+4.4;
- Leuchtkraft = Sternamsse hoch Leuchtkraft
- Äußerer_Rand = 1.1*(Wurzel(Leuchtkraft)+0.5)*(149.6) in AE
- Innerer_Rand = 0.93*(Wurzel(Leuchtkraft)+0.5)*(149.6) in AE
Die Werte 1.1 und 0.93 können aber je nach Sterntyp variieren.
Tschau!
Bei einem Riesenstern müsste praktisch es eine riesige Bewohnbare Zone geben, wo es die besten Chancen für mögliches Leben gibt. Doch gerade bei Riesensterne kann es nicht der Fall sein.
Das stimmt schon - beides. Dass Riesensterne nicht "bewohnbar" sind, hängt natürlich mit ihrer kurzen Lebensdauer zusammen. Würden sie jedoch länger leben, wären sie der Ort, an dem man am ehesten nach Leben ausschau halten müssten, denn der Bereich, in dem Wasser flüssig bleiben kann (0 - 100° C) ist hier (räumlich gesehen) am grössten.
Die von mir vorgestellte Formel leitet sich direkt aus physikalischen Formeln ab (wie etwa dem exponentiellen Abfallen der Strahlung mit der Entfernung).
Woher leitet sich deine Formel ab?
Michael Johne
21.11.2005, 17:08
Hallo!
Woher leitet sich deine Formel ab?
Aus einer der verschiedenen Versionen von ACCRETE, die ich als Vorlage benutzte.
Zur Berechnung des Inneren & Äußeren Abstand der Bewohnbaren Zone habe ich als Quellen eine bestimmte Version von ACCRETE benutzt. Welche Version es jetzt genau war, ist mir leider entfallen. Ich habe aber mal nachschauen...
Tschau!
- Wenn Sternmass < 1.0 Dann Leuchtkraft = 1.75*(Sternmasse-0.1)+3.325 ansonsten leuchtkraft = 0.5*(2.0-Sternmasse)+4.4;
Insgesamt scheinen mir diese Formeln aber etwas gar... empirisch. Woher kommen die Zahlen (schon klar, aus ACCRETE, aber ich meine, welche Physikalische Relevanz haben sie)? Warum soll es einen qualitativen Unterschied geben, ob die Sternmasse kleiner als die Masse der Sonne (!) ist oder nicht? Warum soll die Leuchtkraft jeweils linear von der Sternmasse abhängen? Die Leuchtkraft lässt sich ja bekanntlich aus L=M^3.5 berechnen - das heisst, sie hängt prinzipiell exponentiell von der Masse ab. Für bereiche wo L~1 ist, ok, dort stimmt die lineare Gleichung annähernd. Aber weit darüber und darunter ist sie falsch.
Die Werte 1.1 und 0.93 können aber je nach Sterntyp variieren.
Dazu kommt, dass man damit wieder nichts aussagen kann, man muss nämlich diese Werte irgendwo nachschlagen können...
Ich denke immer noch, dass man für eine grobe Abschätzung besser die exponentielle Formel nimmt.
@Bynaus:
Ich habe den Artikel auf deiner Webseite nur überflogen und finde ihn sehr interessant! Lediglich die eigenwillige Darstellung von Formeln macht das Lesen unnötig schwer.
Du lotest zwar die physikalischen Grenzen der bewohnbaren Zone aus, doch bleibt die Argumentation - wie so oft - an der irdischen Lebensvorlage haften. Obwohl Wasser extrem wichtig ist und aus einem Stoffwechselprozeß nicht wegzudenken, so hat es ja schon Ideen gegeben, das Leben auf völlig anderer Chemie zu begründen, z.B. auf Ammoniak, Silizium. Dies wären halt "chemische Extremmöglichkeiten". Außerdem würde ich der Exzentrizität der Planetenbahn einen etwas geringeren Stellenwert geben, denn der Planet könnte doch zeitweise die Habilitätszone verlassen und wieder zurückkehren, ohne daß das Leben per se Schaden davon nimmt?
Wenn sich jemals extraterrestrisches Leben nachweisen lassen sollte, so glaube ich, daß wir noch ungeahnte Überraschungen erleben würden, die unsere menschliche Phantasie schlichtweg sprengen...
Michael Johne
22.11.2005, 18:11
Hallo!
Du hast womöglich recht, dass die Formeln empririsch sind. Ich habe sie mehr oder weniger nur aus einer der verschiedenen Versionen von ACCRETE übernommen und in EXO-DB2 (http://www.exodb.de.vu) eingebaut -> und leider nicht auf den physikalischen Hintergrund geachtet. :(
Allerdings zeigte sich nach meiner Ansicht bei der Implementierung dieser Formeln in EXO-DB2 1.6 (http://www.exodb.de.vu), dass sich die HZ nun besser verhält, als noch in Versionen > 1.5. Denn da kam es in seltenen Fällen zu kuriosen Darstellung.
Du kannst ja es bei Gelegenheit einmal testen & deine Meinung äußern. ;)
Tschau!
@Emil: du hast schon recht. Aber wir kennen nun mal nur erdähnliches Leben - wenn wir nach Leben suchen, suchen wir zunächst einmal nach einer Art von Leben, die uns ähnlich ist. Das mag falsch sein - aber angsichts dessen, dass wir sonst gar nichts wissen, ist es der vernünftigste Weg - zumindest wissen wir, dass Leben SO entstehen KANN...
@Michael: ich hatte halt eher den "physikalischen Ansatz". Trotzdem wäre es interessant zu wissen, ob die Formeln aus ACCRETE einen realen Hintergrund haben, ob sie z.B. die physikalischen Formeln in einem bestimmten Bereich annähern oder nicht.
Michael Johne
23.11.2005, 18:35
Hallo!
@Michael: ich hatte halt eher den "physikalischen Ansatz". Trotzdem wäre es interessant zu wissen, ob die Formeln aus ACCRETE einen realen Hintergrund haben, ob sie z.B. die physikalischen Formeln in einem bestimmten Bereich annähern oder nicht.
Hm, vielleicht gibt es auch einen "physikalischen Ansatz", der so in dieser Weise nicht ersichtlich ist... :confused:
Tschau!
Ein neuer Exoplanet innerhalb der habitablen Zone seines Sterns wurde entdeckt:
http://www.planeten.ch/?name=HD28185_b
Er hat eine Masse von 2.5 Jupitermassen, umkreist seinen Stern aber auf einer nicht so exzentrischen (e=0.14) Bahn. Die Temperaturen (ohne Treibhauseffekt) auf einem allfälligen erdähnlichen Mond dürften sich im Bereich von -15 bis +26° bewegen.
galileo2609
28.02.2006, 21:13
Hallo Bynaus,
kleine Korrektur, der neue Planet ist HD 73526 c, als zweiter Planet in dem bereits 2002 entdeckten System: http://www.planeten.ch/?name=HD73526_c
Interessant ist auch, dass dieser Planet c ziemlich exakt in einem Orbit kreist, den P. C. Gregory in einer Sekundäranalyse der RV-Daten von 2002 als wahrscheinlichste Bahn für das Ein-Planet-Modell berechnet hat: http://www.journals.uchicago.edu/ApJ/journal/issues/ApJ/v631n2/61891/brief/61891.abstract.html
Sehr interessantes System.
Grüsse galileo2609
Ach ja, dumm. Das meinte ich eigentlich. Ich hatte in einem anderen Forum den HD28185_b noch eingefügt und ihn noch in der Zwischenablage. Der neue Planet ist natürlich der, den du verlinkt hast.
Was die Analyse angeht, kommt das wohl davon, dass der Planet in einer 2:1 Resonanz zum nächstinneren Planeten steht.
galileo2609
28.02.2006, 22:07
Ja, die Resonanz macht das mit Sicherheit bei diesem Analyseansatz aus. Das zeigte sich ja auch bei dem errechneten Planeten HD 208487 c: http://www.astronews.com/forum/showthread.php?t=394
Ich muss mal sehen, dass ich das Gregory-paper zu HD 73526 irgendwo auftreibe. Dieser neue Planet macht mich da doch wieder neugierig. Ich bin die nächsten drei Tage nicht da, schaue aber zu, dass ich die Daten mobil dabei habe. :) // EDIT: Link zum Gregory-paper:http://www.physics.ubc.ca/~gregory/papers/HD73526.pdf
Grüsse galileo2609
ich frage mich manchmal, warum wir uns immer auf die Suche nach Leben, das dem unseren ähnlich ist, begeben...
klar, es ist schwer andere Lebensformen zu entdecken, wenn man keinen Ansatzpunkt hat und nicht weiß, wonach man suchen soll. Da ist es sicherlich schwierig, nach etwas anderem zu suchen.
Aber dennoch ist es doch so, dass es durchaus nicht so sein muss, dass außerirdische Lebensformen (falls es sie den gibt) den irdischen ähnlich sein müssen, oder? Vielleicht sollte man die Suche nicht nur auf uns ähnlichen Lebensformen, sondern auch auf ganz andersartige erweitern, auch wenn das sehr schwer ist.
Aber wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Leben auf anderen Planeten in anderen Sonnensystemen genau so oder zumindest sehr ähnlich wie bei uns entwickelt hat?
mfg ryan
galileo2609
28.02.2006, 22:32
ich frage mich manchmal, warum wir uns immer auf die Suche nach Leben, das dem unseren ähnlich ist, begeben...
klar, es ist schwer andere Lebensformen zu entdecken, wenn man keinen Ansatzpunkt hat und nicht weiß, wonach man suchen soll.
Ich würde das relativ flexibel sehen. Das ursprüngliche Konzept der stellaren habitablen Zone ist eben einfach der Bereich, der aufgrund der stellaren Leuchtkraft ein reaktionsfreudiges Temperaturumfeld auf einem Planeten ermöglicht.
Inzwischen ist aber dieses Konzept in der Diskussion, nicht zuletzt aufgrund der Befunde in unserem eigenen System. Da sind ja durchaus planetare habitable Zonen in der Diskussion, z. B. der aufgrund der Gezeitenkraft des Jupiter-Systems ev. vorhandene Ozean auf Europa.
Grüsse galileo2609
ralfkannenberg
01.03.2006, 15:21
stellaren habitablen Zone
planetare habitable ZonenAusgezeichnete Systematik, gefällt mir sehr gut :)
Zumal da auch ein Unterschied zum Ausdruck kommt - während bei der stellaren habitablen Zone ja die Energiequelle eines stellaren Objektes zur Geltung kommt, ist es bei einer planetaren habitablen Zone vor allem die Gezeitenwirkung, die eine Aufheizung bewirkt.
Natürlich könnte man sich auch noch auskühlende Sterne als habitable Zone vorstellen.
Freundliche Grüsse, Ralf
Michael Johne
01.03.2006, 16:34
Hallo!
stellaren habitablen Zone
planetare habitable Zonen
Ihr hab die galaktische HZ vergessen! ;)
Tschau!
Ich kann mir Gasriesen nach wie vor nicht vorstellen... (und versuche es dennoch)
Irgendwie ein Planet bedeckt aus flüssigem Wasserstoff und Helium. Allerdings ohne ganz scharfe Phasengrenze zwischen Atmosphäre und Planet. Doch was ist in dem Ozean? Ballen sich die anderen Elemente/Verbindungen zu Inseln/Agglomeraten zusammen?
Und speziell bei HD 73526 c:
Hat ein so sonnennaher Jupiter viel mehr schwere Elemente? Wie mag der Wasseranteil sein?
Gruss,
Miora
ralfkannenberg
01.03.2006, 20:06
Ich kann mir Gasriesen nach wie vor nicht vorstellen... (und versuche es dennoch)
(...)
Doch was ist in dem Ozean?Diese planetaren habitablen Zonen sind nicht auf dem Planeten selbst, sondern auf einem Mond, der um den Planeten kreist. So wie beispielsweise die Europa und evtl. auch die Enceladus solche Ozeane mit flüssigem Wasser unter ihrer Oberfläche haben könnten. Diese Ozeane werden aber nicht von der Sonne und auch nicht vom Jupiter bzw. Saturn aufgeheizt, sondern aufgrund ihrer Gezeitenkräfte, auch verursacht durch "Nachbar-Monde" in ganz-zahligem Umkreisungsverhältnis (1:2 oder 2:3). Ja ok, möglicherweise auch aufgrund einer gewissen Strahlenbelastung des Jupiters bzw. Saturn.
Freundliche Grüsse, Ralf
Diese planetaren habitablen Zonen sind nicht auf dem Planeten selbst, sondern auf einem Mond, der um den Planeten kreist. So wie beispielsweise die Europa und evtl. auch die Enceladus ...
dann wären das doch eigentlich die habitablen Zonen, die am meisten Nutzen bringen würden. Leben auf einem Mond, der um einen Gasriesen kreist, auf dem Gas zur Energiegewinnung in einem hohen Anteil vorhanden ist, das man mit Robotern abbauen kann...klingt irgendwie ein bisschen wie Star Wars,aber rein theoretisch doch möglich oder?
Oder gibt es auf solchen Monden grundsätzlich schädliche Belastungen für den Menschen?
mfg ryan
...ich meinte wirklich den Gasplanten selbst...
Wie muss man sich diese Gasplanten, die im Vergleich zu unseren (JSUN) wohl mit schwereren Elementen angereichert sind, vorstellen?
Gruss,
Miora
ralfkannenberg
02.03.2006, 09:42
...ich meinte wirklich den Gasplanten selbst...
Wie muss man sich diese Gasplanten, die im Vergleich zu unseren (JSUN) wohl mit schwereren Elementen angereichert sind, vorstellen?
Gruss,
MioraIn den 60iger Jahren wurde das Buch "Die Planeten" vom rororo-Verlag verlegt und die haben damals Bereiche beim Jupiter mit habitablen Temperaturen identifiziert und die Idee von "Schwebewesen", die in der Jupiteratmosphäre im entsprechenden Bereich leben könnten, genannt.
Auf die Idee, dass sein Mond Europa eine habitable Zone haben könnte, war damals verständlicherweise niemand gekommen.
So viel weiter ist der Saturn auch nicht weg, d.h. auch er könnte solche - vermutlich kleinere - habitable Zonen für solche Schwebewesen aufweisen; auch bei ihm wäre damals kaum jemand auf die Idee gekommen, unterhalb der Oberfläche der Enceladus nach Wasserozeanen zu suchen.
Freundliche Grüsse, Ralf
@Miora: Die sonnennäheren Gasriesen haben nicht unbedingt mehr schwere Elemente. Sie haben sich in ähnlichen Entfernungen gebildet wie Jupiter und Saturn, sind dann aber nach Innen gewandert an die Stelle, an der sie sich heute befinden. Nur die wirklich ganz nahen Gasriesen ("Hot Jupiters") sind so heiss, dass sie Wasserstoff verlieren - einige von diesen haben dann vielleicht auch gar keine Wasserstoffhülle mehr (sog. "Chtonische Planeten"), aber das sind Spezialfälle.
Ist das eigentlich immer noch Stand der Planetenentwicklung, dass sich Gasriesen nicht in sonnennähe entwickeln können? Es scheint ja reichlich Systeme zu geben, bei denen sich die Gasriesen stark zur Sonne bewegen. Bei dem System des HD 73526 c sogar 2...
Aber wenn sich Gasriesen in grösserer Entfernung bilden und dann Richtung Sonne wandern, müsste doch irgendetwas mit der Materie zwischen ihnen und der Sonne passieren. Ich vermute mal, dass solches Material in die Sonne oder auf den Gasplanten stürzen würde.
Zurück zu den Schwebewesen... Allgemein halte ich die hohe Wasserstoffatmosphäre für reichlich ungesund (wie sollte man sich dort mit den gesunden ungesättigten Fettsäuren ernähren?). Mich stört viel mehr, dass ich mir nicht wirlich etwas unter einen Ozean aus flüssigem Wasserstoff vortstellen kann (mit dem extremen Dichteprofil). Aber ich würde erwarten, dass sich darin polare Substanzen zusammenballen. Andererseits sollten sich die Metalle mit dem metallischen Wasserstoff legieren... Einfach schwer vorzustellen...
Gruss,
Miora
ralfkannenberg
02.03.2006, 12:09
Zurück zu den Schwebewesen... Allgemein halte ich die hohe Wasserstoffatmosphäre für reichlich ungesund (wie sollte man sich dort mit den gesunden ungesättigten Fettsäuren ernähren?).Na ja, den Lebensraum z.B. der irdischen Schwefelbakterien würde ich als Mensch auch als "ungesund" empfinden. Doch den Schwefelbakterien scheint es dort ja ganz gut zu gehen ;)
Mich stört viel mehr, dass ich mir nicht wirlich etwas unter einen Ozean aus flüssigem Wasserstoff vortstellen kann (mit dem extremen Dichteprofil). Aber ich würde erwarten, dass sich darin polare Substanzen zusammenballen. Andererseits sollten sich die Metalle mit dem metallischen Wasserstoff legieren... Einfach schwer vorzustellen...Worüber reden wir hier ? Redest Du über einen Wasserstoff-Ozean irgendwo auf oder "unter" dem Jupiter oder über einen Wasser- (nicht Wasserstoff- !!) Ozean unter der Oberfläche so eines Gasriesen-Mondes wie Europa oder Enceladus oder auch dieses kürzlich mit einem Gravitationslinsen-Effekt entdeckten "erdähnlichen" Planeten mit 5.5facher Erdmasse ?
Von einem Wasserstoff-Ozean habe ich nie geredet, das habe ich bislang also auch nicht als "habitable Zone" vorgeschlagen. Das heisst natürlich nicht, dass es dennoch die prinzipielle Möglichkeit von entsprechenden Lebewesen gibt, das kann ich nur nicht beurteilen.
Freundliche Grüsse, Ralf
Na ja, den Lebensraum z.B. der irdischen Schwefelbakterien würde ich als Mensch auch als "ungesund" empfinden. Doch den Schwefelbakterien scheint es dort ja ganz gut zu gehen ;)
genau! Ich finde die Suche nach ausserirdischen Leben konzentriert sich, jedenfalls in der Öffentlichkeit, oft leider nur auf Spezies wie den Menschen, die Sauerstoff etc benötigen, um zu überleben. Das Leben definiert sich aber auch anders!
mfg ryan
wo wir grade bei der Definition von Leben sind...als was würde man eigentlich pflanzenartige Strukturen/Lebensformen bezeichnen?
Auch als Leben?
mfg ryan
Das Leben definiert sich aber auch anders!
Tja, nur wie? Selbst wenn wir von einem anti-anthropozentrischen Standpunkt aus sagen möchten, "es geht auch anders", so ist das zwar eine Meinung, die man durchaus vertreten kann - allerdings haben wir (zurzeit) keine Möglichkeit, dies zu überprüfen.
Leben wird allgemein definiert als "Stoffwechsel + Reaktion auf äussere Reize + Weitergabe von Erbinformation". Da haben natürlich auch "Schwefelbasierte" Lebensformen Platz.
Wir kennen aber nun mal nur das irdische Leben - da ist es natürlich, dass wir erst mal nach Bedingungen Ausschau halten, die "irdisches" Leben (C, H, O, N, S + Wasser als Lösungsmittel) ermöglichen würden (denn von diesem wissen wir, dass es wirklich existiert!). Damit wird keineswegs ausgeschlossen, dass es auch andere Lebensformen geben könnte - bloss wissen wir nicht, wie wir nach diesen Ausschau halten sollen (z.B. wissen wir, dass eine Sauerstoffatmosphäre und damit Ozon ein guter Hinweis für Leben ist).
Zitat von ryan:
als was würde man eigentlich pflanzenartige Strukturen/Lebensformen bezeichnen?...als Lebewesen zum Beispiel Pflanzen...
Zitat Ralf:
Von einem Wasserstoff-Ozean habe ich nie geredet, das habe ich bislang also auch nicht als "habitable Zone" vorgeschlagen. Das habe ja auch ich ins Gespräch gebracht... und ich meine wirklich einen WasserSTOFF-Ozean. Was passiert darin mit all den Fremdstoffen, dem Ammoniak, Wasser, Methan, Halogenwasserstoffen, Mineralien und und und....???
Gruss,
Miora
ralfkannenberg
02.03.2006, 14:08
Das habe ja auch ich ins Gespräch gebracht... und ich meine wirklich einen WasserSTOFF-Ozean. Was passiert darin mit all den Fremdstoffen, dem Ammoniak, Wasser, Methan, Halogenwasserstoffen, Mineralien und und und....???Na ja, wenn da Sauerstoff dazukommt, dann knallts ein bisschen ;)
Spass beiseite: Ich denke, Wasserstoff ist einfach viel zu reaktionsfreudig, um als Medium, in dem sich Lebewesen aufhalten könnten, geeignet zu sein. Das könnte aber ein Chemiker besser beurteilen als ich. :o
Freundliche Grüsse, Ralf
ich glaube auch, dass Wasserstoff zu reaktionsfreudig ist bzw. es ist schwer vorstellbar, wo ein Oxidationspotential herkommen sollte. Aber kann man es wissen?
Gruss,
Miora
ralfkannenberg
02.03.2006, 15:08
ich glaube auch, dass Wasserstoff zu reaktionsfreudig ist bzw. es ist schwer vorstellbar, wo ein Oxidationspotential herkommen sollte. Aber kann man es wissen?
Gruss,
MioraPsst, in meinem Wasserstofftank zuhause habe ich so ein Wesen und es blubbert heute nicht mehr mit mir, weil ich so abschätzig geschrieben habe ....... ;)
Um meine Meinung anzuhängen, ein Wasserstoffozean ist sehr unvorstellbar. Setzt man die Bedinungen für flüssigen Wasserstoff vorraus, so wäre ein solcher Planet auch mit einer gehörigen Grösse / Masse ausgestattet wodurch das uns bekannte Leben schon sehr unwahrscheinlich ist. Mikroorganismen könnten meiner Meinung nach aber auch nicht in einem Wasserstoffozean existieren, da H mit seiner Einfachbindungsstruktur die Ausbildung komplexer Moleküle garnicht zulässt. Die Chemie zeigt ja, das komplexe oranische Moleküle auf Kohlenstoff zum Beispiel basierend, nur erst ab dreifach-Bindungen entstehen können. (Okay die drei hab ich jetzt mal angenommen, aus logischen Gründen, da auch Zweifachbindungen nicht die Verzweigungen aufweisen)
Das ganze ist natürlich theoretisch, da Leben sehr vielfälltig ist. Aber die in der Diskussion aufgekommenen Argumente sind dem ja zusprechend.
Letztendlich bleibt also neben dem Abstand zum Zentralgestirn für einen Planeten auch der Faktor Lichteinstrahlung, Einfall anderer Strahlung (Pulsare als Gamastrahlungsquellen), Drehimpuls (Lichteinstrahldauer auf der Oberfläche) usw.!
Für eine habitale Zone bedarf der Planet also neben eines gewissen Abstandes auch eine gewisse Grösse und anteil an bestimmten chemischen Elementen (Basierend auf dem Lebensalter des Zentralgestirns, was wieder ein Faktor für desen Leuchtkraft ist!)
Gruss Norwin
..ich bin zu dem Schluss gekommen, dass Leben in flüssigem Wasserstoff wohl wirlich seeehhhr unwahrscheinlich ist, da mir nichts rechtes zur Energiegewinnung einfallen will. Und der Aufbau von Gasplaneten ist ja wohl ein wenig off-topic, ich hätte es gar nicht anreissen sollen.
Allerdings bin ich mir doch sicher, dass Jupiter einen Wasserstoffozean aufweist. Zwar ist es eigentlich ein überkritisches Gas, und keine Flüssigkeit, aber wenn die Dichten auf Flüssigkeitsniveau angekommen sind, ist es müssig, zwischen Gas und Flüssigkeit zu unterscheiden. Den Meeresboden wird metallischer Wasserstoff bilden. Bizarre Welt...
Gruss,
Miora
galileo2609
04.03.2006, 00:42
Zitat von galileo2609
stellaren habitablen Zone
planetare habitable Zonen
Ausgezeichnete Systematik, gefällt mir sehr gut :)
Zumal da auch ein Unterschied zum Ausdruck kommt - während bei der stellaren habitablen Zone ja die Energiequelle eines stellaren Objektes zur Geltung kommt, ist es bei einer planetaren habitablen Zone vor allem die Gezeitenwirkung, die eine Aufheizung bewirkt.
Hm... vielleicht war das doch etwas voreilig. Wie man sehen kann, kann die planetare habitable Zone auch auf den Planeten selbst bezogen verstanden werden. Und es scheint so, dass man z. B. auch habitable Zonen auf der Erde definieren kann (Wüsten, Eisgebiete usw.). Vielleicht wäre ein Zusatz klärend, z.B. zirkumplanetare habitable Zone?! :)
Grüsse galileo2609
galileo2609
04.03.2006, 01:05
Ist das eigentlich immer noch Stand der Planetenentwicklung, dass sich Gasriesen nicht in sonnennähe entwickeln können? Es scheint ja reichlich Systeme zu geben, bei denen sich die Gasriesen stark zur Sonne bewegen. Bei dem System des HD 73526 c sogar 2...
Dieser Ansatz steht z. Zt. wieder verstärkt unter Druck. Die Bildung dieser sonnennahen Gasriesen vor Ort wird z. B. sehr intensiv vom Tautenburg/Jena-Team um Arti Hatzes und Günther Wuchterl vertreten. Zuletzt gab es dazu eine sehr informative Serie in Sterne und Weltraum (Ausgaben 1 und 2/2006).
Um es mal wörtlich zu nennen: "Die Migrationstheorie erinnert mich an die Rettung der Phänomene mit Hilfe der Epizyklen" (Wuchterl, SuW, 2/2006:36).
Da steckt noch viel drin, kann aber sicher noch nicht als entschieden betrachtet werden.
Grüsse galileo2609
"Die Migrationstheorie erinnert mich an die Rettung der Phänomene mit Hilfe der Epizyklen"
Natürlich war erst die Theorie da, dann wurde ein neues Phänomen beobachtet (Hot Jupiters), und dann wurde eine Lösung dafür gesucht. Schon klar. Aber das heisst noch lange nicht, dass eine solche Lösung deswegen falsch sein muss. Es ist nun mal (IMHO) wirklich nicht so naheliegend, dass Gasriesen so nahe am Stern entstehen sollen:
1. Gibt es dort viel weniger Planetesimale - ob ein Planet, der sich in diesem Bereich durch Akkretion bildet, jemals genügend Masse akkumuliert, um zu einem Gasriesen zu werden (mindestens 10 Erdmassen, um Wasserstoff festzuhalten, so nahe an der Sonne vermutlich noch mehr), darf zumindest bezweifelt werden.
2. Wird das Gas im inneren Bereich der Scheibe am schnellsten herausgefegt, ausserdem ist die Scheibe in diesem Bereich am dünnsten. Es fragt sich, ob es in diesem Bereich jemals genügend Gas gibt, um einen Gasriesen zu bauen, geschweige denn zwei oder drei (wenn man z.B. davon ausgeht, dass sich die Gasriesen eher durch Kollaps als durch Akkretion gebildet haben, um 1. zu entkräften).
3. Können Planetenbildungsmodelle die Migration heute sehr gut reproduzieren. Das ist zwar kein "Beweis", aber doch ein Hinweis, dass es sich bei der Migration nicht um eine "konstruierte Rettungstheorie" handelt.
...aber ist nicht einfach das ganz grosse Problem, dass wir in Wirklichkeit nur ein System vollständig kennen? Ich glaube einfach, dass man darin gefangen ist. Zwar kann man vieles erklären, doch kennen wir nur ein System und die grundsätzlichen Modelle/Simulationen sind wohl darauf ausgelegt, unserer System als Lösung anzustreben... Das soll nicht heissen, dass ich die bisherigen Modelle für schlecht halte, ganz im Gegenteil, doch wird die Entstehung ein solch komplexer Prozess sein, dass es mich wundern würde, gäbe es nur jeweils eine Möglichkeit. Man bräuchte unbedingt mehr bekannte Sonnensysteme...
Nun zurück zur habitablen Zone:
Ich finde die Begriffe stellare und planetare habitable Zone gar nicht schlecht. Es heisst ja nur, dass im ersteren Bereich eine entsprechende Strahlungswärme vorhanden ist und im zweiten Fall mit Gezeitenkräften zu rechnen ist, die potentielle Himmelkörper mit Reibungswärme versehen können. Es heisst ja nicht, dass innerhalb dieser Zonen irgendetwas existieren muss, noch dass alle Oberflächen vollständig habitabel sein müssen... Weiter könnte man von habitablen Planeten sprechen, wenn ihre Gravitation in der Lage ist, ein - sehr neutral - ausreichend dichtes Fluid zu halten.
Gruss,
Miora
Zwar kann man vieles erklären, doch kennen wir nur ein System und die grundsätzlichen Modelle/Simulationen sind wohl darauf ausgelegt, unserer System als Lösung anzustreben...
Nicht unbedingt. Es geht ja auch darum, die migrierten Planeten zu erklären - und einen solchen haben wir in unserem System nicht (wobei, es gibt schon Spekulationen darüber, ob es in der Frühphase des Sonnensystems einen Hot Jupiter gegeben haben könnte, der dann in die Sonne gefallen ist. Allerdings haben Untersuchungen, die die Edelgaszusammensetzung des Sonnenwindes auf Anzeichen einer "planetaren Kontamination" die Masse, die der Sonne so zugefügt wurde, auf weniger als 2 Erdmassen beschränkt).
Ich finde die Begriffe galaktische, stellare und planetare habitable Zone ebenfalls durchaus verständlich - es ist halt wie mit allen Begriffen - man muss erst ihre Bedeutung verstehen, bevor man den Begriff selbst versteht.
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