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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Methaphysik contra Naturwissenschaften?



Sissy
22.04.2010, 15:07
Hallo miteinander,

letzten Samstag auf der Sternwarte hatte ich ein höchst frustrierendes Erlebnis. Ein netter älterer Herr hat erst unseren Jüngsten an der Kasse wuschig geredet, der hat ihn schließlich in seiner Not zu mir ans Teleskop geschickt und dort hat er dann unsere anderen Besucher mit seiner Theorie belästigt.

Dieser Herr hat eine aus meiner Sicht sehr verworrene Geschichte erzählt:

Alle Naturwissenschaftler und auch das Internet haben Unrecht. Die Welt besteht im Kleinsten aus "Neutralos" und durch magnetische Kräfte, die wir Menschen auf alles in unserer Umgebung ausüben, erzeugen die unseren "äußeren Horizont". Die Welt besteht nur in unserer Einbildung.

Ich hab ihn dann gefragt, warum dann alle unsere Besucher das selbe sehen, wenn sie Saturn im Teleskop angucken und ob ich mir ihn und die anderen Besucher blos einbilde...

Er hat mir darauf eine Antwort gegeben, die ich hier aber leider nicht wiedergeben kann, da mein Gedächtnis eine für mich sinnlose Aneinanderreihung deutscher Wörter einfach nicht gespeichert hat.

Der Herr war zwar gebrechlich (ich schätze ihn auf deutlich über 80 Jahre), machte aber trotz seiner mir unverständlichen Theorie einen geistig gesunden Eindruck. Im weiteren Gespräch hat sich ergeben, daß er Philosophie und Agrartechnik studiert hat und jetzt ein Buch über Methaphysik schreiben möchte, um das Ungleichgewicht zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft zu beseitigen. Er hat mir gesagt, daß ihm unser Gespräch sehr gut gefallen hat, endlich würde ihm ein "echter Wissenschaftler" mal zuhöhren und daß er nächste Woche wieder kommen wird. Dann aber früh genug, daß wir uns ausführlicher unterhalten können. Ach Du Schreck!

Mein Einwand, daß ich hier nur ehrenamtlich arbeite und nicht Astrophysik studiert habe, also keine "echte" Wissenschaftlerin bin, hat er beiseite gewischt. Ich müßte nicht studiert haben, um seine Theorie zu verstehen. Dazu benötige ich lediglich den Willen zum Zuhöhren und meinen logischen Menschenverstand. Es ginge schließlich um das "innere Seiende" :confused::confused:

Zu Hause hab ich dann versucht rauszufinden, was denn "Methaphysik" ist. Aber Wikipedia hat mir da leider nicht weitergeholfen. Ich steh dem Begriff Methaphysik immer noch hilflos gegenüber. :o

Ganz ehrlich, ich begreife nicht, wozu Methaphysik gut sein soll. :(

Kann mir das bitte jemand erklären?

Grüße
Sissy

Orbit
22.04.2010, 15:16
Zu Hause hab ich dann versucht rauszufinden, was denn "Methaphysik" ist. Aber Wikipedia hat mir da leider nicht weitergeholfen.
Richtig geschrieben findet man unter Metaphysik im Wiki einiges:
http://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik

Orbit

Sissy
22.04.2010, 16:05
Hi Orbit,

danke für Deine schnelle Antwort. Sorry, ich hab in meinem Post das Wort Metaphysik falsch geschrieben (Flüchtigkeitsfehler), den Inhalt des von Dir geposteten Links habe ich 2 Tage lang versucht zu verstehen. Es ergibt für mich aber keinen Sinn.

Insbesondere

Gegenstände der Metaphysik sind dabei, so der klassische Erklärungsanspruch, nicht durch empirische Einzeluntersuchungen zugängliche, sondern diesen zugrundeliegende Bereiche der Wirklichkeit...


dieser Satz ist grammatikalisch richtig, aber ich kann ihn nicht verstehen. Was ist dieser zugrunde liegender Bereich der Wirklichkeit?


Andererseits hat man Fragen nach einem letzten Sinn und einem systematisch beschreibbaren „großen Ganzen“ als auf natürliche Weise im Menschen angelegt, als ein „unhintertreibliches Bedürfnis“ verstanden (Kant), ja den Menschen sogar als „animal metaphysicum“, als ein „metaphysiktreibendes Lebewesen“ bezeichnet (Schopenhauer).


Auch diesen Satz verstehe ich einfach nicht. Für mich ergeben diese Aussagen einfach keinen Sinn. Auf mich macht das alles einen sehr konfusen Eindruck. So als ob ja jemand LSD eingeworfen hat und nun Farben schmeckt, Töne sieht und Temperaturunterschiede hört.

Wie kann ich eine Theorie aufstellen, ohne Beobachtung, ohne Experimet und ohne Vorhersage, um daran die Theorie zu testen???

Was hat die Frage nach Gott, dem freien Willen, des "Seinedem" mit Physik zu tun?

Grüße
Sissy

Luzifix
22.04.2010, 16:53
Was hat die Frage nach Gott, dem freien Willen, des "Seinedem" mit Physik zu tun?


Nichts! Metaphysik hat nichts mit Physik zu tun.

Hallo Sissy! Ich gestehe, daß ich dem Text auf Wikipedia auch nichts Erhellendes entnehmen kann. Für mich ist Metaphysik die Kunst Hypothesen über Sein und Wirklichkeit aufzustellen, Begriffe in einen scheinbaren kausalen Zusammenhang zu bringen, Homologien oder Analogien zu formulieren, wobei das rhetorische Geschick, diese "Behauptungen" zu formulieren von entscheidender Bedeutung ist. Ob einige miteinander diskutierende Metaphysiker sich auf eine bestimmte Variante eingen können oder sich im Streit verabschieden, was wohl häufiger der Fall sein dürfte, hängt ausschließlich von der Suggestionskraft der gefundenen Formulierungen ab. (Also fast wie vor Gericht. :D) Ein überlegener Könner in seiner Zeit in diesem Sinne war z.B. Goethe.

Sobald sich eine solche Behauptung als falsifizierbar erweist, selbst wenn man den Versuch z.B. aus technischen Gründen noch nicht durchführen kann, würde ich meinen, daß das Gebiet der Metaphysik verlassen wurde und man sich nunmehr auf dem Gebiet der Naturwissenschaft befindet. Werden Behauptungen auf einem Gebiet wiederholt und systematisch durch Versuch und Irrtum falsifiziert, dann zieht sich die Metaphysik in aller Regel aus diesem nun Wissenschaft gewordenen Bereich zurück. Aber nur, um bei Gelgenheit (Cern-LHC, Stringtheorie) sofort wieder auf der Matte zu stehen.

Das bloße Ritual ist wahrscheinlich seit Platon dasselbe geblieben. Was vielleicht in diesem Zusammenhang hier weniger interessiert, ist, daß der Marxismus als nationalökonomische Theorie in etlichen Aspekten metaphysische Züge trägt, obwohl er sich selber als die gelungene Überwindung der Metaphysik begreift und aus dieser (Kant, Hegel) herleitet. So qualifiziert kann man sich auch irren. Wir haben ja hier eine sehr prominente Linke, die auf diesem Gebiet promoviert hat. Das garantiert, daß die Metaphysik nicht ausstirbt.

Auch die Annahme, daß bestimmte Gebiete auf ewig den Metaphysikern und Theologen überlassen bleiben müssen - ist letztlich schon wieder Metaphysik.

Monod
22.04.2010, 17:31
@ Sissy:


Was ist dieser zugrunde liegender Bereich der Wirklichkeit?

Ich versuche mal eine Erklärung.

Die Wirklichkeit ist das, was der naturwissenschaftlichen Forschung zugänglich ist, also die Natur in ihren Erscheinungsformen bzw. die Physis. Physik hat als Erkenntnisgegenstand die Physis und heißt deshalb "Physik". Meta-Physik hingegen untersucht die Voraussetzungen, die "dahinter" verborgen sind ("Meta" = dahinter) und selbst nicht Physis sind. Metaphysik ist daher von vornherein so angelegt, dass sie der naturwissenschaftlichen Forschung nicht zugänglich ist. Es wird versucht, gewissermaßen "durch den Schleier" der wahrnehmbaren Physis hindurchzublicken, um zu erraten, was die Physis "eigentlich" ist. Kant gebrauchte die Formulierung, was das "Ding an sich" sei.

Wie Luzifix bereits ausgeführt hat, sind die Resultate dieses angestrengten Nachdenkens generell mit dem Makel der Beliebigkeit behaftet. Ob ich das Seiende, welches sich als Physis unseren Sinnen darbietet, als Geist, Gott oder sonstwas auffasse, ist in Bezug auf die Physis und damit auch auf die Physik völlig irrelevant, da das Seiende als metaphysisch Seiendes den Erkenntnisbereich der Physik nirgends tangiert. Naturwissenschaft im Allgemeinen und Physik im Besonderen funktioniert durch die konsequente Anwendung des nonsupranaturalistischen Prinzips, also der Forderung, natürliche Phänomene ausschließlich aus natürlichen Phänomenen heraus zu erklären. Für Argumente aus übernatürlichen Bereichen (es sei dahingestellt, ob es sie gibt oder nicht!) gibt es hier keinen Raum. Folglich kann Metaphysik kein Forschungsgegenstand der Physik sein.


Auch diesen Satz verstehe ich einfach nicht.

Hier geht es um Sinnstiftung. Die Frage nach dem Sinn der eigenen Existenz bzw. der Existenz als solcher weist über den Rahmen der Naturwissenschaften hinaus und ist deshalb per se eine metaphysische. Gemeint ist, dass die Sinnfrage dem Menschen wesentlich bzw. eigentümlich ist und eine "anthropologische Konstante" darstellt. Mit Physik hat das allerdings tatsächlich nichts zu tun. Wissenschaften können nicht sinnstiftend sein. Andererseits kann man für sich einen Sinn darin finden, wenn man Wissenschaft betreibt. Mit der Wissenschaft, die man dann betreibt, hat dies allerdings dann nichts mehr zu tun, eher schon damit, was man aus seinem Leben machen will, wenn man schon einmal auf der Welt ist ...

Monod

Sissy
22.04.2010, 18:08
Hi Luzifix,



Nichts! Metaphysik hat nichts mit Physik zu tun.


gut, dann bin ich erstmal beruhigt. :)



Für mich ist Metaphysik die Kunst Hypothesen über Sein und Wirklichkeit aufzustellen, Begriffe in einen scheinbaren kausalen Zusammenhang zu bringen, Homologien oder Analogien zu formulieren, wobei das rhetorische Geschick, diese "Behauptungen" zu formulieren von entscheidender Bedeutung ist.


das hast Du sehr schön formuliert. Diese Begriffsdefinition kann ich verstehen.

Wenn ich also die Behauptung aufstelle, daß Schnee "grün" schmeckt und das mit entsprechenden Begründungen (retorisch schlüssig) unters Volk jubel, habe ich dann eine metaphysische Aussage getroffen? Oder muß ich mich auf Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach Gott und der Unendlichkeit beschränken?

So ganz blick ich noch nicht durch, was ich mit Metaphysik treiben darf und was nicht. ;)


Grüße
Sissy

Monod
22.04.2010, 18:27
@ Sissy:


Wenn ich also die Behauptung aufstelle, daß Schnee "grün" schmeckt und das mit entsprechenden Begründungen (retorisch schlüssig) unters Volk jubel, habe ich dann eine metaphysische Aussage getroffen?

Definitiv nein. Der Geschmack von Schnee ist sensorisch und somit ein Bereich der wahrnehmbaren Wirklichkeit, also der Physis. Metaphysik versucht, das Wesen der Physis zu ergründen, nicht aber Eigenschaften ausgewählter Objekte der Physis.

Monod

Sissy
22.04.2010, 19:19
Hallo Monod,



... Meta-Physik hingegen untersucht die Voraussetzungen, die "dahinter" verborgen sind ("Meta" = dahinter) und selbst nicht Physis sind. Metaphysik ist daher von vornherein so angelegt, dass sie der naturwissenschaftlichen Forschung nicht zugänglich ist. Es wird versucht, gewissermaßen "durch den Schleier" der wahrnehmbaren Physis hindurchzublicken, um zu erraten, was die Physis "eigentlich" ist.


auch Dir vielen Dank für diese Formulierung. Die verstehe ich ebenfalls.

Wenn man in der Metaphysik irgendwas "frei erfinden" (postulieren) darf bzw. "erraten", um die Wirklichkeit zu erklären, dann ist mir jetzt klar, wo mein Verständnisproblem lag. Metaphysik erscheint mir unter diesem Aspekt wie Religion. Auch da wird etwas postuliert und läßt sich mit den Mitteln und Werkzeugen der Naturwissenschaften nicht beweisen oder wiederlegen.

Ich hatte die falsche Vorstellung, daß Metaphysik eine naturwissenschaftliche Disziplin (so wie "Kernphysik", "Astrophysik", "Atmosphärenphysik" usw. ) sein soll, weil das Wort Physik im Begriff enthalten ist und er sehr darum bemüht war sich wissenschaftlich zu geben...

Nun kann ich dem Gespräch mit dem Herrn sorglos entgegenblicken. Wird bestimmt ein lustiger Abend, denn "schwurbeln" kann ich auch, wenn ich will ;) ...

Danke für den Hinweis auf die sensorische Eigenschaft in meinem vorherigen Beispiel. Das war also nach den Spielregeln der Metaphysik ein falscher Ansatz.

Wie ist es damit?

Ich kommuniziere, also bin ich. Weil ich bin, bin ich Teil des göttlichen Ganzen. Die Welt existiert, weil ich sie denke. Also bin ich Gott.

Ist das jetzt Metaphysik?



... Andererseits kann man für sich einen Sinn darin finden, wenn man Wissenschaft betreibt. Mit der Wissenschaft, die man dann betreibt, hat dies allerdings dann nichts mehr zu tun, eher schon damit, was man aus seinem Leben machen will, wenn man schon einmal auf der Welt ist ...


hier hast meine volle Zustimmung :)

Grüße
Sissy

Orbit
22.04.2010, 19:31
Ich kommuniziere, also bin ich. Weil ich bin, bin ich Teil des göttlichen Ganzen. Die Welt existiert, weil ich sie denke. Also bin ich Gott.

Überleg dir das nochmals. Ach Philosophie muss sich an die Spielregeln der Logik halten.

Orbit

jonas
22.04.2010, 19:45
Hi Sissy

Dieser Herr hat eine aus meiner Sicht sehr verworrene Geschichte erzählt:
Alle Naturwissenschaftler und auch das Internet haben Unrecht. Die Welt besteht im Kleinsten aus "Neutralos" und durch magnetische Kräfte, die wir Menschen auf alles in unserer Umgebung ausüben, erzeugen die unseren "äußeren Horizont". Die Welt besteht nur in unserer Einbildung.
Obwohl ich eher nicht glaube, daß diesem Herrn das Folgende im Sinn steht, kannst Du dir zur "Vorbereitung" mal diesen Artikel ansehen: Qualia (http://de.wikipedia.org/wiki/Qualia)

In diesem Sinne ist es der Naturwissenschaft völlig unzugänglich zu erklären was eigentlich "rot" oder "blau" ist. Es ist nicht die Definition über die Wellenlänge oder ein bestimmter Erregungszustand der Netzhautzellen, es ist der Farbeindruck, den das Gehirn produziert und ins Bewusstsein bringt. Jeder, der nicht Farbenblind ist, kann die Farbe Rot erkennen und jeder wird auch einen roten Gegenstand als rot bezeichnen. Nur ist es vollkommen unbekannt, ob jeder auch tatsächlich den selben Farbeindruck hat.

Dieses Qualiaproblem besteht auch in der Forschung zur künstlichen Intelligenz. Es ist die (metaphysische) Frage nach dem Wesen des Bewusstseins.

Sissy
22.04.2010, 20:26
Hallo Orbit,



Überleg dir das nochmals. Ach Philosophie muss sich an die Spielregeln der Logik halten.


ich hab von Philosophie und Metaphysik so viel Ahnung wie eine Kuh vom Stepptanzen. Ich versuche mich dem Thema zu nähern.

Was in meiner Formulierung verstößt gegen die Spielregeln der Logik?

Grüße
Sissy

Orbit
22.04.2010, 20:42
Sissy

Ich spiegle dir deinen Satz leicht übersetzt:

"Mein Körper funktioniert, wie alles, nach physikalischen Gesetzmässigkeiten, also bin ich das Prinzip hinter diesen Gesetzmässigkeiten."

Stört dich immer noch nichts? :)

Orbit

Monod
22.04.2010, 20:53
@ Sissy:


Ich kommuniziere, also bin ich.

Also sind Sie ein kommunizierendes Etwas, dem Sie den Begriff "Ich" zuordnen.


Weil ich bin, bin ich Teil des göttlichen Ganzen.

Diese Aussage bedarf der Begründung. Sie müssten z.B. herleiten, warum das Ganze göttlich ist.


Die Welt existiert, weil ich sie denke.

Auch diese Aussage müssten Sie begründen. Worin besteht der kausale Zusammenhang zwischen Ihren Denkvorgängen und dem Existieren der Welt?


Also bin ich Gott.

Das setzt voraus, dass Gott die Welt beständig in ihrer Existenz erhält und dass Sie aufgrund Ihrer vorher postulierten Teilhabe am göttlichen Ganzen somit ein Teil in Gott sind, mithin also die Welt mit Gott gleichsetzen und alle Objekte der Welt zugleich Gott in sich enthalten. Da Sie als Person sowohl ein Teil in Gott sind und zugleich Gott in Ihnen ist, ergibt sich folglich die Stabilität der Existenz der Welt aufgrund der Aktivität der Teile Gottes in ihrer Gesamtheit. Diese Weltanschauung ist ein pantheistischer Pan-en-theismus, also ein "Alles ist Gott" (Pantheismus) und ein "In allem ist Gott" (Gott in den Dingen = Pan-en-theismus). Mit derlei Diskussionen lassen sich viele Abende füllen ...

Monod

Sissy
22.04.2010, 21:02
Hallo Jonas,



Obwohl ich eher nicht glaube, daß diesem Herrn das Folgende im Sinn steht, kannst Du dir zur "Vorbereitung" mal diesen Artikel ansehen: Qualia (http://de.wikipedia.org/wiki/Qualia)


den hab ich mir jetzt auch durchgelesen. So ganz einig bin ich nicht damit, was da drinnsteht. Vermutlich, weil ich dauernd in eine naturwissenschaftliche Betrachtungsweise abgleite. :(

Ich seh die Geschichte mit den Sinneseindrücken so:

Jeder Mensch hat unterschiedlich viele Rezeptoren für die jeweiligen Sinneseindrücke. Die einzelnen Rezeptoren sind zusätzlich von Mensch zu Mensch) ganz leicht unterschiedlich in ihrer Empfindlichkeit. Weil sie organischer Natur und nicht mechanisch hergestellt sind. Zusätzlich zu diesen Unterschieden von Mensch zu Mensch hat jeder Mensch auch noch unterschiedliche Aufmerksamkeitszustände und die "biologische" Maschine Mensch reagiert je nach Situation (Ernährungszustand, Müdigkeit, Reizüberflutung, Alter...) auch noch anderst.

Durch diese Variablen erscheint es mir sehr unwarscheinlich, daß 2 Menschen von einem Gegenstand eine identische Sinneswahrnehmung haben könnten. Denn es wird nie identische Ausgangslagen geben. Es erscheint mir derzeit nicht möglich, hier "kontrollierte", labormäßig aufgezogene Tests zu machen.

Hmmm, mit Zwillingen könnte man ein paar der Variablen eliminieren, aber nicht alle...

Die Frage nach den subjektiven Sinneseindrücken ist aus meiner Sicht völlig sinnlos, weil sie nicht falsifizierbar ist...

Mir ist jetzt noch etwas aufgefallen. Alle Quehrverweise, denen ich bis jetzt gefolgt bin, führten zu Männern. Hat sich eigentlich irgendwann mal ne Frau mit dieser ganzen Thematik Metaphysik beschäftigt und wurde ihre Arbeit dazu irgendwo verlinkt? Hab ich da was überlesen?

Das im Artikel angesprochene "Mary-Experiment" ist übrigens nicht konsequent durchgedacht. Ein Mensch in einem schwarzweisen Labor sieht seine Hände. Die sind nicht schwarz-weiß. Eine erwachsene Frau menstruiert üblicherweise. Frisches Blut ist rot, getrocknet braun bis schwarz. Auf einer glatten Oberfläche irgendwo im Labor spiegelt sich das Gesicht von Mary. Sie kann darin die Farbe ihres Gesichtes, ihrer Lippen, ihrer Zunge, ihrer Haare und Augen erkennen...

Sofern ihre Augen keinen Defekt aufweisen, erkennt sie also die unterschiedlichen Farben...

Tja, weitergebracht im Verständnis hat mich dieser Link nicht wirklich :(
Oder muß man "unwissend" sein, um Metaphysik zu betreiben? Ist gesichertes Wissen also hinderlich für das Verständnis? :confused::confused:

Grüße
Sissy

Sissy
22.04.2010, 21:13
Hi Orbit,



"Mein Körper funktioniert, wie alles, nach physikalischen Gesetzmässigkeiten, also bin ich das Prinzip hinter diesen Gesetzmässigkeiten."
Stört dich immer noch nichts? :)


ok, sooooo formuliert ist es schon etwas schräg ;)

ich wäre nach Deiner Spiegelung (nach meinem Verständnis) dann eher ein Beweis für die Gesetzmäßigkeiten denn das Prinzip dahinter, oder?

Grüße
Sissy

Luzifix
22.04.2010, 21:19
@monod:
Hier geht es um Sinnstiftung. Die Frage nach dem Sinn der eigenen Existenz bzw. der Existenz als solcher weist über den Rahmen der Naturwissenschaften hinaus und ist deshalb per se eine metaphysische.

Leben ist sinnstiftend. Überkreuz, gegenseitig, kausal oder auch chaotisch. Was immer man will. Sinnfragen bilden einen klassischen Gegenstand der Metaphysik. Wieviele Antworten gibt es auf die Frage nach dem Sinn einer Gänseblume?

@jonas:
Nur ist es vollkommen unbekannt, ob jeder auch tatsächlich den selben Farbeindruck hat.
Wenn Licht einer bestimmten Wellenlänge auf die dafür empfindlichen Zellen fällt, meldet der dafür zuständige neuronale Komplex einen Reiz. Die Mutti des Babys hat alle Dinge, die diesen Reiz erzeugen, als rot bezeichnet. Aufgrund dieses Ablaufes halte ich es für sehr unwahrscheinlich, daß es Individuen gibt oder auch Tiere, die grün sehen, wenn sie auf einen roten Gegenstand blicken. Dasselbe kann man sich aber auch vorstellen mit dem Namen für einen Stoff z.B., einen Hut oder eine Mode. In diesem Falle haben wir keine biologischen Sensoren, deshalb können wir lebenslang mit einer falschen Vorstellung davon herumlaufen, wie ein dem Namen nach bestimmtes Objekt aussieht. Das ist dann aber ein gewöhnlicher Irrtum, dem freilich irgendwie ein Hauch von Metaphysik anhängt.

Orbit
22.04.2010, 21:35
ich wäre nach Deiner Spiegelung (nach meinem Verständnis) dann eher ein Beweis für die Gesetzmäßigkeiten
Eher eine Bestätigung. Die Gesetze musst du ja nicht mal kennen, um nach ihnen zu funktionieren und beweisen können schon gar nicht. ;)

Orbit

jonas
22.04.2010, 21:38
den hab ich mir jetzt auch durchgelesen. So ganz einig bin ich nicht damit, was da drinnsteht. Vermutlich, weil ich dauernd in eine naturwissenschaftliche Betrachtungsweise abgleite. Der Herr, von dem Du geschrieben hast, hat nach seinen Angaben Philosophie studiert. Von daher musst Du dich auf philosophische Denkweisen einstellen, wenn Du wieder mit ihm sprichst. Und deswegen musst Du dich von solchen Dingen wie:

Die Frage nach den subjektiven Sinneseindrücken ist aus meiner Sicht völlig sinnlos, weil sie nicht falsifizierbar ist...frei machen. Philosophie ist keine Naturwissenschaft. Du lehnst ja in der Sprachwissenschaft auch nicht ab, daß es "der" Teller heißt, obwohl es auch hier keinen Raum für Falsifizierung oder Verifizierung gibt.


Mir ist jetzt noch etwas aufgefallen. Alle Quehrverweise, denen ich bis jetzt gefolgt bin, führten zu Männern. Philosophie scheint eine ziemliche Männerdomäne zu sein. Du kennst ja wahrscheinlich den Spruch von Nietzsche: Wenn Du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht :D Scheint also ein ziemlicher Chauvi-Verein zu sein ;)

Das Qualia-Problem habe ich deswegen als Beispiel genommen, da es zum Einen zu der Aussage des alten Herrn passt und Du ihn darauf festnageln kannst, und zum Anderen verdeutlicht das Qualia Beispiel recht gut die Nahtstelle zwischen Physik und Metaphysik, und auch die Existenzberechtigung der Metaphysik (im Gegensatz z.B. zur Esoterik).

jonas
22.04.2010, 21:51
Zum Thema Farben habe ich auch noch ein recht amüsantes Beispiel: Bei den folgenden Zeilen sollt ihr die Farbe sagen, in denen die Wörter geschrieben sind (also nicht vorlesen, Farbe sagen). Ihr werdet feststellen, daß ihr nicht in der Lage seid diese Aufgabe in normaler Sprechgeschwindigkeit zu absolvieren :D

Blau Grün Gelb Violett

Rot Braun Blau Orange

Es ist schon interessant wie unser Gehirn arbeitet :D

Orbit
22.04.2010, 21:56
daß ihr nicht in der Lage seid diese Aufgabe in normaler Sprechgeschwindigkeit zu absolvieren
Ja, und am längsten studierte ich bei 'braun'

Sissy
22.04.2010, 22:06
Hi Monod,


...Auch diese Aussage müssten Sie begründen. Worin besteht der kausale Zusammenhang zwischen Ihren Denkvorgängen und dem Existieren der Welt?


ok, das habe ich jetzt verstanden.

Nun, ich bin nicht wirklich der Meinung, ich bin Gott. Das war nur ein Beispiel, um meine Suche nach Verständnis dieses Themenkomplexes auszudrücken...



Das setzt voraus, dass Gott die Welt beständig in ihrer Existenz erhält ...
Diese Weltanschauung ist ein pantheistischer Pan-en-theismus, also ein "Alles ist Gott" (Pantheismus) und ein "In allem ist Gott" (Gott in den Dingen = Pan-en-theismus). Mit derlei Diskussionen lassen sich viele Abende füllen ...


Ja, wenn mir danach zumute wäre, und ich nen willigen Gesprächspartner hätte, könnte ich meine Zeit damit zubringen.

Ich glaube aber nicht, daß ich jemals von mir aus eine solche Diskussion anfange. Denn es wiederspricht meiner Weltsicht. Alles, was ich heute in diesem Forum gelesen habe und was freundlicherweise an Links kam, spricht dagegen. Ich beschäftige mich lieber mit der beobachtbaren Realität und versuche sie naturwissenschaftlich zu ergründen.

Um mit dem angekündigten 2. Besuch dieses Herren auf unserer Sternwarte aber vernünftig umgehen zu können, brauche ich anscheinend noch ein bissy Input. Seine metaphysische Sicht der Welt unterscheidet sich einfach zu krass vom meiner...

Grüße
Sissy

galileo2609
22.04.2010, 23:25
Hallo Sissy,

Um mit dem angekündigten 2. Besuch dieses Herren auf unserer Sternwarte aber vernünftig umgehen zu können, brauche ich anscheinend noch ein bissy Input. Seine metaphysische Sicht der Welt unterscheidet sich einfach zu krass vom meiner...
der Mann befindet sich ja im besten Welträtsellöseralter. Du wirst ihn nicht überzeugen können. Anders als z. B. hier in diesem Forum, kannst du ihn aber auch nicht in einen GdM-Bereich befördern. Wenn er zu lästig wird, solltest du dich, als input, mal mit dem Hausrecht auf der Sternwarte vertraut machen und damit, wer es ausüben darf.

Grüsse galileo2609

Sissy
23.04.2010, 00:08
Hallo Jonas,



Der Herr, von dem Du geschrieben hast, hat nach seinen Angaben Philosophie studiert. Von daher musst Du dich auf philosophische Denkweisen einstellen, wenn Du wieder mit ihm sprichst.


das scheint mir ein guter Rat zu sein. Leider habe ich von Philosophie keine Ahnung. Weder auf meiner "Mädchenrealschule" anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts noch im Technikerstudium Mitte der 80er Jahre (nachdem ich die Fachhochschulereife parallel zum Beruf nachgeholt hatte) wurde ich mit Philosophie konfrontiert.

Wenn ich mich mit einem Dr. Phil (schreibt man das so?) auf eine philosophische Diskussion einlasse, gehe ich unter wie ein Stein im Wasser.

Ich kann mir unmöglich in ein paar Tagen die Prinzipien, Arbeitsweisen, historische und aktuellen Auslegungen diverser Schulen usw. anlesen. Lesen alleine reicht zudem nicht für das Verständnis. Ich bräuchte einen Lehrer, an dem ich das Gelesene reflektieren und verinnerlichen könnte. Dieser Prozess dauert sicherlich viele Jahre, ehe ich bei einer ernsthaften philosophischen Diskussion auch nur ein bissy Boden gutmachen könnte.

Ich bin mir aber garnicht sicher, daß ich überhaupt Lust habe, mich da konsequent reinzuknien. Ich habe nach (oberflächlichem) Kontakt mit dieser Geisteswissenschaft den Eindruck, daß hier aus Freude an der Diskussion endlos über Jahrtausende immer wieder die selben Fragen gestellt werden. Dabei stellen sich mir diese Fragen überhaupt nicht.

Ich bin kein abstrakter Typ. Ich bin eher praktisch orientiert. Wenn ich ein Problem sehe, suche ich nach einer praktischen Lösung. Die muß nicht universell gültig sein, mir keinen Nobelpreis einbringen, sie muß das von mir gesehene Problem verkleinern. Beseitigt sie das Problem - suuuper. Verkleinert sie das Problem, ist es auch recht.

Mein derzeitiges Problem ist ein sehr netter alter Mann, der mir meine Besucher am Teleskop vollquatscht mit abstrusen Ideen zu magnetischen Neutalinos. Und ich darf dann hinterher meinen Besuchern mühsam die "Neutralinos" aus den Köpfen entfernen, wenn wir demnächst über reale astrophysikalische Beobachtungen und die aus den aktuellen Beobachtungen abgeleiteten Theorien diskutieren.

Ich denke, mir bleibt nur die Möglichkeit, dem Herrn höflich aber bestimmt zu signalisieren, daß er seine Theorie bitte einem philosophischen Zirkel zu Gehör bringen soll, das Publikum einer öffentlichen Führung in einer Volkssternwarte ist dafür nicht der geeignette Ansprechpartner.



Philosophie scheint eine ziemliche Männerdomäne zu sein. Du kennst ja wahrscheinlich den Spruch von Nietzsche: Wenn Du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht :D Scheint also ein ziemlicher Chauvi-Verein zu sein ;)


Hier zensiere ich mich selber. Wenn ich tatsächlich schreiben würde, was mir so ganz spontan zu Nietzsche in Bezug auf Testosteron, bewußtseinserweiternden Drogen, geistiger Gesundheit, körperlicher Züchtigung und Syphillis (samt ihren degenerativen Nachwirkungen im Gehirn) einfällt, hätte ich es vermutlich bei allen Männern hier im Forum dicke verschissen. :D:D ...

Grüße
Sissy

galileo2609
23.04.2010, 01:03
Hallo Sissy,

was war es denn jetzt genau, was der alte Herr dir aufgetischt hat?

"Neutralos"

Neutalinos

"Neutralinos"
Wenn du es präziser aus deiner Erinnerung hättest, wäre das hilfreich, um mal zu gucken, ob der Welträtsellöser schon mal irgendwo aufgeschlagen ist.

Ich denke, mir bleibt nur die Möglichkeit, dem Herrn höflich aber bestimmt zu signalisieren, daß er seine Theorie bitte einem philosophischen Zirkel zu Gehör bringen soll, das Publikum einer öffentlichen Führung in einer Volkssternwarte ist dafür nicht der geeignette Ansprechpartner.
Das ist der richtige Weg. Solche Typen können anhänglich und lästig werden. Und wenn er die Sternwartenbesucher mit seinem Unfug anfixen will, erteilt ihm einfach Hausverbot.

Grüsse galileo2609

Sissy
23.04.2010, 01:04
Hi Galileo,



der Mann befindet sich ja im besten Welträtsellöseralter. Du wirst ihn nicht überzeugen können.


wovon werde ich ihn nicht überzeugen können? Daß eine Volkssternwarte nicht der richtige Ort für metaphysische und philosophische Grundlagendiskussionen ist?

Ich denke, das bekomme ich hin. Ich muß nur einen einzigen Paragraphen unserer Vereinssatzung zitieren:

Der Verein pflegt und fördert das Gebiet der Astronomie. Sein Ziel ist, zur Verbreitung von himmelskundlichen Kenntnissen beizutragen und Interesse zu wecken für die naturwissenschaftliche Erforschung des Weltalls. Dies soll bewirkt werden unter anderem durch:

- Sternführungen und Fernrohrbeobachtungen
- Vorträge und Ausstellungen
- Möglichkeit von naturwissenschaftlichem Arbeiten am Instrumentarium der Sternwarte...

Seine "Welträtselgeschichte" ist sein Privatvergnügen. Daran darf er glauben so lange er will. Ich habe nicht vor, ihn zu einer Umdenke in Richtung Naturwissenschaft zu bewegen. Er soll blos meine anderen Besucher in Ruhe lassen...



Wenn er zu lästig wird, solltest du dich, als input, mal mit dem Hausrecht auf der Sternwarte vertraut machen und damit, wer es ausüben darf.


Das ist nicht das Problem. Als für den Abend verantwortliches Vorstandsmitglied bin ich selbstverständlich berechtigt, Hausrecht im Namen des Vereins auszuüben. Ich kann ihn des Hauses verweisen und darf auch ein Hausverbot aussprechen... Das ist in unserer Hausordnung ganz klar geregelt, da hätte ich auch jede Unterstützung seitens meiner Vorstandskollegen...

Aber ich denke, das wäre mit Kanonen auf Spatzen geschossen...

Mir tut der Knäckes ja fast ein bissy leid. Seine Freunde sind nach und nach gestorben, keiner redet mehr mit ihm und jetzt hat er sich halt uns ausgeguckt... Nun ja, ich denke, ich bieg ihm das bei...

Grüße
Sissy

galileo2609
23.04.2010, 01:10
Nun ja, ich denke, ich bieg ihm das bei...
Na dann. Halt uns auf dem Laufenden. Würde mich interessieren, wie sich der Fall entwickelt hat.

Grüsse galileo2609

jonas
23.04.2010, 01:40
Hi Sissy

Philosophie hat in gewisser Weise eine Ähnlichkeit zur Mathematik. Sie fragt was hinter den Dingen steckt. Ihre Grundlage ist die Logik und die Vernunft und versucht mit diesen Instrumenten hinter die Natur der Dinge zu gelangen, ähnlich wie die Mathematik, die durch bloßes Nachdenken dahintergekommen ist, wie man eigentlich das Volumen einer Kugel berechnen könnte.

Klar, wer sich mit Philosophie noch nie eingehend beschäftigt hat, der hat Schwierigkeiten mitzureden, geschweige denn zu diskutieren. Mir geht es da genauso wie Dir, ich habe auf diesem Gebiet so viel Ahnung wie der Blinde von der Farbe. Nur soviel: Philosophie ist die Wissenschaft über das Gebiet der Wissenschaften, sie legt Regeln fest. Z.B. Karl Popper mit seinen Kriterien zur Beurteilung von Aussagen. Hierzu noch ein Link, der Dir vielleicht einen schönen Einstieg in die Welt der Philosophie eröffnen könnte: Kritischer Rationalismus (http://de.wikipedia.org/wiki/Kritischer_Rationalismus) Oder schau Dir mal den Artikel über Wilhelm von Ockham (http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Ockham) an, von dem ja das berühmte Rasiermesser stammt.

In den Naturwissenschaften stecken unglaublich viele Gedanken der Philosophen, die oft erst die Grundlage zur Wissenschaft geschaffen und sie aus dem Sumpf der Alchemie herausgehoben haben. Der eine oder andere Blick darauf ist es sicher wert ;)

Ob Du dir mit diesen beiden Artikeln einen Zugang zur Welt des in Ehren ergrauten Methusalems erschließen kannst bin ich mir nicht sicher. Er kann Dich mit Schopenhauer oder Kant schnell erschlagen :D Aber zumindest kannst Du eine schmale Brücke zu ihm bauen und ihn zumindest in Grundzügen verstehen, bzw. ihm wenigstens eine Gegenfrage stellen.

Sollte er nicht geistig (crankmäßig) verhärtet sein, so könnte sich für Dich mit ihm eine wirklich interessante Unterhaltung ergeben :)

Sissy
23.04.2010, 03:51
Und nochmal hi :)

was war es denn jetzt genau, was der alte Herr dir aufgetischt hat?


das "menschliche innere seiende" (Bewußtsein???) beeinflußt über die Kraft der Gedanken den "universellen Magnetismus" der "Neutralinos" (oder Neutralos, seine eigene Wortschöpfung!!!), aus denen alles um uns herum und auch wir Menschen als kleinstes unteilbares Teilchen besteht (im metaphysischen Sinn???)...

Auf meine Nachfrage, was er damit meint, kamen Worte. Viele Worte. Das hörte garnicht mehr auf. Er sprach definitiv Deutsch, aber anscheinend haben die Worte für mich eine völlig andere Bedeutung als für ihn. Anfänglich dachte ich noch, da hat aber einer kräftig die Elementarteilchenfamilie durcheinander gebracht, weil sich das irgendwie nach Quarks anhörte, aus denen sich die Materie zusammensetzt. Dann hatte ich den Eindruck, daß er versucht, mir irgendwie die Quantentheorie zu erklären. Und plötzlich waren wir bei der magnetischen Beeinflussung des Universums durch Gedanken. Ich bin echt überfordert, das Gespräch Wort für Wort wiederzugeben. Für mich war das eine absolut sinnlose Aneinanderreihung von Fachbegriffen aus der Teilchenphysik, der Kernphysik, der klassischen Mechanik und verstümmelten Fachbegriffen, die ich nicht zuordnen konnte.

Ich konnte mir nur noch grob merken, daß wir Menschen Kraft unserer Gedanken dafür zuständig sind, daß Wasserstoffatome im Inneren der Sonne fusionieren, weil wir mit unserer durch "Lebensenergie" gebündelten "Magnetkraft" gedanklich die Abstoßung der Protonen gegeneinander reduzieren können (sofern wir wollen) und der Magnetismus (der Neutralinos???) dadurch stark genug ist, um die Neutralinos (= Bestandteile der Protonen???) zu neuen, angeregteren Zuständen zu heben (analog zu den Bahnen der Elektronen um einen Atomkern???) und darum fusionieren die dann irgendwie und erhöhen über eine Rückkoplung unser geistiges Potential. Sooo entwickelt sich unser Wissen über das Seiende, das Gewesene und unser geistiger Horizont.

Den Urknall bilden sich ignorante Physiker ohne tiefes Gespühr für die alles durchdringende Wahrheit blos ein. Es gab auch keine Inflation, die Expansion ist ebenfalls Einbildung. Es braucht kein Experiment, man muß nichts beobachten oder messen, es genügt der gesunde Menschenverstand und eine Prise Intuition, um das ewige gleiche Universum allumfassend zu verstehen und eins damit zu werden... Eins zu werden ist der Sinn des Lebens.

So ganz nebenbei mußte ich da nämlich noch die letzten Beobachtungsobjekte am Teleskop einstellen, den anderen Besuchern erklären, was ich eingestellt hab, was sie da sehen und deren Fragen dazu beantworten...

Glücklicherweise war der Herr erst knapp 2 Stunden nach Beginn unserer öffentlichen Führung (also kurz vor deren Ende) aufgeschlagen...

Daß er Dr. Phil ist, kam erst nach ner ewig langen halben Stunde raus, als sich unsere letzten Besucher bereits verkrümelt hatten, weil es ihnen zu kalt wurde und ich vergeblich versucht hab, seine verworrenen Erklärungen der von ihm verwendeten Begriffe zu verstehen...

Veröffentlicht hat er angeblich diverse Publikationen zu Agrartechnik und Agrarwissenschaft zusammen mit Arbeitskollegen, solange er gearbeitet hat. Aber nix zu Metaphysik, er schreibt jetzt ganz alleine sein erstes Buch zu diesem Thema...

Schau mer mal, ob er wirklich nochmal aufkreuzt. Ich halt Euch auf dem Laufenden :) ...

Grüße
Sissy

Orbit
23.04.2010, 05:46
Schau mer mal, ob er wirklich nochmal aufkreuzt.

Hallo Sissy
Das ist keine gute Strategie; denn die führt bei dir zu einem Dauerstress.
So wie du das schilderst, handelt es sich hier um einen klassischen Fall von 'Welträtsellöser', wie galileo diese Cranks nennt. Mit denen über ihr Anliegen diskutieren wollen ist sinnlos. Wenn so einer nun deine Vorführabende entern will, um seinen Quatsch zu verbreiten, ist das einfach Hausfriedensbruch.

Damit du nun nicht vor jedem Anlass gestresst bist, sollte der Vorstand diesen Sachverhalt dem Herrn schriftlich mitteilen. Falls das nicht möglich wäre, weil seine Personalien nicht bekannt sind, solltest nicht du als Leiterin des Anlasses dieses Problem vor Ort lösen müssen. Du brauchst dazu mindestens einen Assistenten aus dem Vorstand. Das liesse sich auch über einen Pikettdienst lösen.

Orbit

Luzifix
23.04.2010, 08:56
@Sissy. Es gibt halt Leute, denen ein Leben lang niemand richtig zugehört hat. Das ist traurig. Trotzdem sollte man sich da nicht als kommunikativer Mülleimer zur Verfügung stellen. Auch nicht aus Mitleid.

Wenn die Philosophen überwiegend Männer sind, dann vermutlich auch deswegen, weil die Frauen früher nicht soviel Langeweile hatten und ständig mit praktischen Aufgaben ausgelastet waren. Auf bestimmte Fragen kommt man einfach erst bei einem bestimmten Maß an Müßiggang - hat Goethe sinngemäß so gesagt.

Es gibt ja Neutronen, Neutrinos, vielleicht auch neutrale Higgsbosonen, warum sollte es keine Neutralinos geben? Notfalls findet man sie in den politischen Sphären.

mac
23.04.2010, 09:53
Hallo Sissy,

ich finde Du hast ein großes Herz, noch dazu am richtigen ‚Fleck‘. Der Stress den Du bei diesem Ablauf empfunden hast, kommt sicher zu einem gehörigen Teil durch die Situation, in der dieses ‚Gespräch‘ mehr oder minder öffentlich stattgefunden hat, und Du im Gegensatz zu ihm, Dich nicht nur selber vertreten konntest.

Als guten Weg eine solche öffentliche Gesprächssituation nicht aus dem Ruder laufen zu lassen, habe ich kennen gelernt, den Standpunkt/Glauben des Gegenüber nicht direkt anzugreifen, sondern ganz allgemein anzuerkennen, daß es außerhalb der Naturwissenschaften auch Wahrheiten geben kann, die aber der Wissenschaft und ihrer Methodik nicht zugänglich sind, solange sie sich experimentell nicht erfassen lassen. Hier und jetzt geht es aber um Wissenschaft und ihre Methoden zum Erkenntnisgewinn (speziell auf das/Dein Thema bezogen).

Was Du wann, außerhalb Deiner Öffentlichkeitsarbeit, in Deiner Freizeit, als netter Mensch, als neugieriger Mensch machst, entscheidest Du so wie Du es möchtest. Dann kannst Du ein solches Gespräch auch genießen, davon profitieren, es abbrechen, es fortsetzen, was immer Du für richtig hältst.

Herzliche Grüße

MAC

Monod
23.04.2010, 13:03
@ Luzifix:


Leben ist sinnstiftend. Überkreuz, gegenseitig, kausal oder auch chaotisch. Was immer man will.

Dem stimme ich durchaus zu. Gemeint ist aber etwas anderes. Die Frage lautet nicht, ob es im Leben einen Sinn gibt bzw. ob man seinem eigenen Leben aus dem Leben heraus einen Sinn zuweisen kann, sondern ob das Leben, das ich lebe, einen Sinn hat, der über mein individuelles Leben hinausreicht. Antworten aus dem Bereich der Metaphysik laufen meist auf ein überindividuelles Ziel hinaus, das der jeweils eigenen Existenz eine übergeordnete Bedeutung zuweist. Das kann z.B. die Einswerdung mit der Weltseele sein oder die Wiederganzwerdung der in die Vielzahl der Dinge zersplitterten Ur-Einheit des Seienden oder - ganz im religiösen Kontext - die Vereinigung mit Gott usw. usf.

Manche Metaphysiker begreifen die Substantivierung des Verbs "leben" als Entität und weisen derselben ein Wesen zu (Begriffs-Realisten), so dass für diese das "Leben als solches" ein Eigenleben führt, welches sich in der Vielzahl der konkret vorhandenen Lebewesen verwirklicht. Sinn des Lebens wäre dann, das "Leben an sich" am Leben zu erhalten - ganz ohne religiösen Kontext.

Monod

Monod
23.04.2010, 13:29
@ Sissy:


Ich beschäftige mich lieber mit der beobachtbaren Realität und versuche sie naturwissenschaftlich zu ergründen.

So sehe ich das auch. :) Dennoch kann es hin und wieder interessant sein, metaphysische Spekulationen zur Kenntnis zu nehmen, um sie z.B. auf ihre Plausibilität hin auszuloten, auch wenn man sie sich nicht zu eigen macht.

Mir persönlich hat Artur Schopenhauers "Die Welt als Wille und Vorstellung" ganz gut gefallen, da seine Realitätsanalyse von ernüchternder Klarheit ist. Aber das ist ein anderes Thema ...

Zum Gespräch mit dem Dr. phil. kann ich Ihnen nur raten, ihm nahezulegen, dass er seine Weisheiten auf die Zeit nach der öffentlichen Führung verschiebt und bis dahin geduldig die Vorführungen abwartet, ohne zu stören. Wenn er sich darauf einlässt und es auch durchhält, kann man ja evtl. eine kleine Gesprächsrunde (Vorstand + Dr. phil.) anbieten, in der er seine metaphysischen Spekulationen loswerden kann, ohne dass er gleich widerlegt werden muss. Vielleicht will er ja wirklich nur mal reden bzw. sich aussprechen, bevor er sein Buch schreibt. Falls er allerdings penetrant wird und jede Woche aufkreuzt, kann man dann immer noch die vorangeschrittene Zeit, die ehrenamtliche Tätigkeit der Vorstandsmitglieder und die Vereinssatzung heranziehen, um ihn höflich aber bestimmt in die Schranken zu verweisen. Letztes Mittel ist natürlich der Gebrauch des Hausrechts, wenn er die Veranstaltungen stört.

Monod

jonas
23.04.2010, 16:20
Hi Monod

Das Zitat, das Du im posting #32 angibst, stammt von Luzifix, nicht von mir ;)

Monod
23.04.2010, 21:15
@ jonas:

O.K., ich habe es korrigiert. :o

Monod

Luzifix
23.04.2010, 21:28
Das Leben ist sinnstiftend...

Dem stimme ich durchaus zu. Gemeint ist aber etwas anderes. Die Frage lautet nicht, ob es im Leben einen Sinn gibt bzw. ob man seinem eigenen Leben aus dem Leben heraus einen Sinn zuweisen kann, sondern ob das Leben, das ich lebe, einen Sinn hat, der über mein individuelles Leben hinausreicht.

Das ist genau dann der Fall, wenn es noch andere Leben außer meinem gibt, welche das meinige in irgend einem Punkt berühren, auch wenn es nur die Artefakte sind, die ich historisch nach meinem Dasein hinterlasse. Einen darüber hinausgehenden universellen Sinnbegriff gibt es in meinem Weltbild nicht. Aber natürlich kenn ich das verbreitete metaphysische Bedürfnis, sich einen solchen zu konstruieren. Du schreibst ja selber "Sinn zuweisen", das geschieht dann ja wohl auch, wenn man von diesem universellen Sinn des Lebens spricht. Man stellt in der Metaphysik aber nicht Behauptungen auf, bloß weil die die eigene Fantasie gerade so schöne Blüten treibt (siehe Schnee der grün schmeckt), sondern man fragt sich in aller Regel ständig, ob eine Behauptung eine Existenzberechtigung hat, ob sie notwendig oder entbehrlich erscheint oder von vorne herein stellvertretend für eine noch ausstehende wissenschaftlich begründete Antwort steht. Fragen, die schon schlüssig beantwortet sind, muß man nicht mit Metaphysik ergänzen.



Antworten aus dem Bereich der Metaphysik laufen meist auf ein überindividuelles Ziel hinaus, das der jeweils eigenen Existenz eine übergeordnete Bedeutung zuweist.


Auch hier sprichst Du vom "Bedeutung zuweisen", die dort, wo es die eigene Existenz betrifft nahtlos in die Religion übergeht. Ich persönlich halte es für vermessen, meinem Dasein eine übergeordnete Bedeutung zu geben. Aber selbstverständlich darf man sich diese Frage stellen. In diese Richtung laufen ja oft die philosophischen Gespräche des Prof. Lesch mit seinem allwissenden Fernsehpartner (den ich jetzt leider nicht mit Namen weiß). Aber man muß sich schon mit dem Gedanken anfreunden, daß auch sehr berühmte Philosophen viel heiße Luft gedacht haben - genau wie unsereiner. :)

Andererseits gibt es auch so zeitlose Weisheiten wie "Ich denke, also bin ich", deren man sich selbst im Computer- und Laserzeitalter alltäglich bewußt ist. Ich bin jedenfalls immer wieder verblüfft, wie sich die Kraft mancher Gedanken so über die Jahrhunderte erhalten hat.

galileo2609
23.04.2010, 22:40
Hallo Sissy,

das "menschliche innere seiende" (Bewußtsein???) beeinflußt über die Kraft der Gedanken den "universellen Magnetismus" der "Neutralinos" (oder Neutralos, seine eigene Wortschöpfung!!!), aus denen alles um uns herum und auch wir Menschen als kleinstes unteilbares Teilchen besteht (im metaphysischen Sinn???)... [...]

Ich konnte mir nur noch grob merken, daß wir Menschen Kraft unserer Gedanken dafür zuständig sind, daß Wasserstoffatome im Inneren der Sonne fusionieren, weil wir mit unserer durch "Lebensenergie" gebündelten "Magnetkraft" gedanklich die Abstoßung der Protonen gegeneinander reduzieren können (sofern wir wollen) und der Magnetismus (der Neutralinos???) dadurch stark genug ist, um die Neutralinos (= Bestandteile der Protonen???) zu neuen, angeregteren Zuständen zu heben (analog zu den Bahnen der Elektronen um einen Atomkern???) und darum fusionieren die dann irgendwie und erhöhen über eine Rückkoplung unser geistiges Potential. Sooo entwickelt sich unser Wissen über das Seiende, das Gewesene und unser geistiger Horizont.

Den Urknall bilden sich ignorante Physiker ohne tiefes Gespühr für die alles durchdringende Wahrheit blos ein. Es gab auch keine Inflation, die Expansion ist ebenfalls Einbildung. Es braucht kein Experiment, man muß nichts beobachten oder messen, es genügt der gesunde Menschenverstand und eine Prise Intuition, um das ewige gleiche Universum allumfassend zu verstehen und eins damit zu werden...
dein Gedächtnisprotokoll zeigt doch klar und deutlich, dass der alte Herr nur eine weitere verspinnerte Esoteriksülze von sich gibt. Er hat eine alternative Welträtsellösung für die Erklärungsbereiche, die von den Naturwissenschaften erfolgreich beackert werden. Das Attribut 'metaphysisch' adelt seinen Unsinn viel zu sehr. Zu deinen Gunsten gehe ich davon aus, dass der Philosoph und Agrartechniker seine Belästigungen selbst so charakterisiert hat. Wenn hier ein crank mit dieser These auftauchen würde, ist klar, in welchen Bereich das wandert und wie das endet. Nämlich spätestens nach 30 Tagen.

Im übrigen stammt der Begriff 'Welträtsellöser' nicht von mir. Den hat Milena Wazeck für die Wissenschaftgeschichte neu belebt, als sie ihre Dissertation Wer waren Einsteins Gegner? (http://www.mpiwg-berlin.mpg.de/de/aktuelles/features/feature7) veröffentlicht hat. Ulf von Rauchhaupt hat in der FAZ eine treffende Rezension (http://www.faz.net/s/RubC17179D529AB4E2BBEDB095D7C41F468/Doc~E33FF9BBB69EC4A4E82F94137AFF45703~ATpl~Ecommon ~Scontent.html) zu Wazeck geschrieben, und selbstverständlich auch unser Webmaster: Blick auf die Gegner Einsteins (http://www.astronews.com/news/artikel/2009/06/0906-004.shtml).

Ich kann dir dieses Buch nur empfehlen. Die in den ersten Kapiteln entfaltete Vielfalt an weltanschaulichen Ganzheitsmodellen, die als Ersatz zur wissenschaftlichen Theoriebildung herhalten sollte, ist zeitlos. Interessant ist auch, dass sich das intellektuelle Prekariat, das sich zu solchen 'Lösungen' berufen fühlt, 'genetisch' nicht grundlegend verändert hat.

Grüsse galileo2609

Sissy
24.04.2010, 01:23
@ Galileo,



dein Gedächtnisprotokoll zeigt doch klar und deutlich, dass der alte Herr nur eine weitere verspinnerte Esoteriksülze von sich gibt. Er hat eine alternative Welträtsellösung für die Erklärungsbereiche, die von den Naturwissenschaften erfolgreich beackert werden. Das Attribut 'metaphysisch' adelt seinen Unsinn viel zu sehr. Zu deinen Gunsten gehe ich davon aus, dass der Philosoph und Agrartechniker seine Belästigungen selbst so charakterisiert hat. Wenn hier ein crank mit dieser These auftauchen würde, ist klar, in welchen Bereich das wandert und wie das endet. Nämlich spätestens nach 30 Tagen.


mein Gedächtnis zeigt vor allem, daß ich ab dem Moment, als er bei mir aufschlug, unkonzentriert war. Verblüfft und auch ein bissy besorgt. Schließlich hatte ich zu dem Zeitpunkt noch Besucher da, denen ich Rede und Antwort schuldig war.

Der Knäckes hat mich einfach auf dem falschen Fuß erwischt. Ausnahmsweise war ich nämlich alleine am Teleskop, weil ein Kollege krank war. Sonst hätt ich ihn sofort auf die Seite genommen ...

Ich wollte von Euch auch net wissen, wie ich mit so jemand umgeh. Mir gings um die Metaphysik, ihre Rolle in den Naturwissenschaften, ihren Stellenwert in unserem heutigen Weltbild.

Weil er sie als Naturwissenschaft hingestellt hat und ich nach dem Lesen des Wikipediaartikel´s absolut net verstanden hab, wie man sie als Naturwissenschaft betrachten kann.

Wenn er wieder vorbeikommt, hör ich ihn in Ruhe an, sofern er wartet, bis er an der Reihe ist. Ich hab net vor, mich in eine Diskussion über "richtig" oder "falsch" bezüglich seiner Theorie verwickeln zu lassen. Mit nem Philosophen leg ich mich net auf seinem Fachgebiet an :)

Was ich aber von ihm möchte, ist eine saubere Erklärung eines jeden Begriffs ("Neutralino"...), den er in seine Theorie einbaut. Und erst dann entscheide ich, ob ich ihn als Esoterikspinner betrachte, oder ob er blos unsere Fachbegriffe aus der Kosmologie/AStrophysik falsch anwendet, weil er sie (und die Fakten/Theorien dahinter) nicht verstanden hat.

@ Luzifix:



Wenn die Philosophen überwiegend Männer sind, dann vermutlich auch deswegen, weil die Frauen früher nicht soviel Langeweile hatten und ständig mit praktischen Aufgaben ausgelastet waren. Auf bestimmte Fragen kommt man einfach erst bei einem bestimmten Maß an Müßiggang


da schmeiß ich mich doch glatt weg vor Lachen. Treffender kann man das ja garnimmer ausdrücken. :)

Und was lernt Frau daraus? Gib dem Partner genügend Arbeit im Haushalt ab, dann kommt der net auf dumme Gedanken und Frau hat Zeit für´s Hobby :D

@ Mac:


Der Stress den Du bei diesem Ablauf empfunden hast, kommt sicher zu einem gehörigen Teil durch die Situation, in der dieses ‚Gespräch‘ mehr oder minder öffentlich stattgefunden hat, und Du im Gegensatz zu ihm, Dich nicht nur selber vertreten konntest.


völlig richtig erkannt. Nächstes Mal läufts anderst ...

Als (einzige) Frau im Verein muß ich nämlich höllisch aufpassen, was ich von mir geb. Es gibt leider noch genügend Kleingeister, die insgeheim nur darauf warten, daß mir irgendwo ein noch so winziger Fehler unterläuft. Sie selber bauen einen Bock nach dem anderen, aber als "Platzhirsch" glauben die, sie haben per se recht.

Ein paar der ewig gestrigen Testosteronbolzen in meinem anderen Verein beschwerten sich sogar darüber, daß sie net mal mehr im Hobby Ruhe vor den "Weibsbildern" hätten. Darufhin hab ich außen ein DIN A 4 Blatt an die Türe des Männerklos gehängt. "Rückzugs- und Schutzgebiet für die gefährdete Spezies Man, bitte nicht füttern". Und innen "Achtung, Sie verlassen jetzt die geschützte Zone. Außerhalb besteht Lebensgefahr, Sie könnten ein weibliches Wesen antreffen" :D

Grüße
Sissy

Die eleganteste Art, der Welt die Zähne zu zeigen, ist ein breites Lächeln.

galileo2609
24.04.2010, 01:30
Hallo Sissy,
das ist das eine

Mir gings um die Metaphysik, ihre Rolle in den Naturwissenschaften, ihren Stellenwert in unserem heutigen Weltbild.
und das eben das andere

Weil er sie als Naturwissenschaft hingestellt hat
Über die Metaphysik solltest du inzwischen Bescheid wissen, und über deinen alten Herrn damit auch.

Grüsse galileo2609

Sissy
25.04.2010, 05:05
Hi all,

heute war Tag der Astronomie. Zwischen dem Nachmittagsprogramm für Oma, Opa und Enkelkind und der nächtlichen Beobachtungszeit am Teleskop hatte ich 4 Stunden frei.

Mein Methusalem war da und wir haben in der nächsten Kneipe bei Eis und Cappucino für mich und nem Bier für den Herrn ausgiebig geplauscht.

Der Methusalem ist 93 Jahre alt, seine Kenntnis über Astronomie bezieht er aus der Lokalzeitung und dem Hochglanzmagazin PM.

Ich hab ihn seine Theorie von Adam und Eva an erzählen lassen. Hab ohne Kommentar zugehört, mir Stichworte aufgeschrieben und als er fertig war, um Erklärung zu "Neutralinos", "Magnetismus" und andere Begriffe gebeten.

"Neutralinos" sollen die Bestandteile von Atomen sein, da hat er schlicht Neutronen und Protonen in einen Topf geworfen, weil er den Unterschied zwischen den Teilchen nicht kannte. Daß es die starke und schwache Kernkraft gibt, war ihm nicht bekannt. Er dachte, der Magnetismus hält die Protonen und Neutronen im Atomkern zusammen und wenn von außen ein störendes Magnetfeld angelegt wird, werden die Atome radioaktiv und wandeln sich in andere Elemente um...

Aus der Tatsache, daß man mit medizinischen Geräten die Hirnströme (EEG) sichtbar machen kann, folgerte er, daß die sooo stark seien, daß man mit Training gezielt Materie über den elektrisch induzierten Magnetimus beeinflussen könnte.

Und daraus wiederum, daß man überhaupt nicht mit Meßtechnik und Mathematik das Universum erforschen braucht. Man muß sich nur konzentrieren und schon kann man alles umwandeln...

Während seines langen Berufsleben war er Einkäufer, dann Leiter des Einkaufs und später in der PR-Abteilung einer Firma, die Margarine herstellt, tätig. Seine beiden akademischen Titel waren da das "Aushängeschild" für Seriosität...

Mit Forschung und deren Methoden hatte er nie auch nur den leisesten Hauch von Kontakt.

Wir haben uns dann ganz entspannt über den Unterschied von Philosophie und praktischer Beobachtung am Teleskop unterhalten. Daß es Computerprogramme gibt, die den Himmel so exakt wiedergeben, wie er zu beobachten ist, hat ihn sehr fasziniert. Als ich auf meinem Laptop dann auf seinen Wunsch hin den Sternenhimmel zur Zeit seiner Hochzeit aufgerufen hab, war er hin und futsch.

Originalton Methusalem:
Endlich mal was, wo so ein Computer wirklich was bringt!

Er hat aufgehört zu arbeiten, als die ersten Lochkartenlesegeräte auftauchten, Computer noch wassergekühlte Schränke waren und es noch keine Bildschirme, sondern nur Konsoldrucker gab. Den Rest der Entwicklung hat er nicht mehr mitbekommen, weil er mit seiner Frau im Garten Rosen gezüchtet hat...

Seit 2 Jahren lebt er jetzt im Altersheim, weil er mit Haus und Garten nach dem Tod seiner Frau körperlich überfordert ist. Dort hat er keine rechte Ansprache und aus Langeweile wollte er ein Buch schreiben. Mit mechanischer Reiseschreibmaschine und Farbband. Auf Astronomie kam er wegen der Hochglanzfotos :D

Ich hab ihm zum Mut, ein Buch zu schreiben gratuliert und gefragt, ob er Interesse hätte, sich über die Astronomie, Kosmologie und Elementarteilchen ein bissy kundig zu machen, ehe er Energie in das Buch steckt. Hab mal vorsichtig angedeutet, daß es da mehr als nur die Lokalpresse und PM gibt. Den Vorschlag fand er prima. Und er möchte auch mal einen Termin solo am Teleskop haben. Er ist ein bissy klapprig und möchte net während der öffentlichen Führungen auf die Leiter hochsteigen - ihm wars zu dunkel in der Kuppel, er hat nix gesehen.

Daß ne Soloführung extra kostet, stört ihn net. Wenn wir alleine in der Kuppel sind, dreh ich ihm das Rotlicht volle Kanne auf, dann erkennt er die Leiter ;)

Er möchte, daß ich ihm ein Buch empfehle, wo er sich mal ein bissy einlesen kann in "die Wissenschaft". Aber bitte ganz ohne Formeln.

Mir fallen da spontan blos Kinderbücher ein :o ...

Was würdet ihr dem Methusalem denn empfehlen?

Grüße
Sissy

Orbit
25.04.2010, 09:25
Guten Tag, Sissy
Ich bin beeindruckt von deiner Schilderung. Ich denke, der alte Herr ist an die richtige Diskussionspartnerin geraten. Ich bin überzeugt, dass du ihn auch noch an die Einsicht heran führen wirst, seine metaphysischen 'Betrachtungen' besser mit Rosenzucht zu verknüpfen als mit Astronomie.


Er möchte, daß ich ihm ein Buch empfehle, wo er sich mal ein bissy einlesen kann in "die Wissenschaft". Aber bitte ganz ohne Formeln.

Mir fallen da spontan blos Kinderbücher ein ...

Was würdet ihr dem Methusalem denn empfehlen?
Vielleicht der Wälzer von Lesch:

http://www.amazon.de/Astronomie-kosmische-Perspektive-Jeffrey-Bennett/dp/3827373603/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=books&qid=1272180195&sr=8-2

Damit wäre er jedenfalls die nächsten paar Jahre beschäftigt. :)

Orbit

mac
25.04.2010, 10:20
Hallo Sissy,

und ich sach's nochmal

ich finde Du hast ein großes Herz, noch dazu am richtigen ‚Fleck‘. :)

Herzliche Grüße

MAC

galileo2609
25.04.2010, 12:37
Hallo Sissy,

schönes update. Da fängt ja einer wirklich bei Null an. Glück gehabt!

seine Kenntnis über Astronomie bezieht er aus der Lokalzeitung und dem Hochglanzmagazin PM.
Da sieht man mal wieder, dass das P.M. nichts taugt.


Er möchte, daß ich ihm ein Buch empfehle, wo er sich mal ein bissy einlesen kann in "die Wissenschaft". Aber bitte ganz ohne Formeln.
Mir fallen da spontan blos Kinderbücher ein :o ...
Die Idee ist gar nicht so schlecht. Bei den Defiziten deines Gesprächspartners wären die Bücher aus der Was ist Was (http://www.amazon.de/gp/search/ref=sr_adv_b/?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&search-alias=stripbooks&unfiltered=1&field-keywords=Was+ist+was+Astronomie&field-author=&field-title=&field-isbn=&field-publisher=Tessloff&node=&field-binding=&field-dateop=&field-datemod=&field-dateyear=&emi=&sort=relevancerank&Adv-Srch-Books-Submit.x=56&Adv-Srch-Books-Submit.y=8) Reihe ein guter Einstieg.

Grüsse galileo2609

Luzifix
25.04.2010, 19:20
H
...wollte er ein Buch schreiben. Mit mechanischer Reiseschreibmaschine und Farbband.

Jedenfalls gerät man damit nicht aus Versehen ins astronews-Forum hier...



Was würdet ihr dem Methusalem denn empfehlen?

Um Gottes Willen nichts mehr lesen! Frag ihn doch mal, ob er es als Strafe empfindet, so alt geworden zu sein. Wenn er zurückfragt, sag ihm einfach, hier ist ein anderer "Knäckes"...