Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Extrasolare Planeten: Planeten verschmutzen ihre Sonne
astronews.com Redaktion
09.07.2007, 12:51
Seit Jahren rätseln Astronomen darüber, warum eigentlich Sonnen, die von Planeten umkreist werden, metallreicher zu sein scheinen als Sterne ohne Planeten. Jetzt gibt es eine verblüffend einfache Antwort: Schuld sind die Planeten selbst, die während ihrer Entstehung die Atmosphäre ihrer Sonne verschmutzen. (9. Juli 2007)
Weiterlesen... (http://www.astronews.com/news/artikel/2007/07/0707-011.shtml)
Für die Suche nach extrasolaren Planeten sind diese Metall/Eisenlinien demnach ein weiteres Merkmal, das auf die Anwesenheit von Planeten hindeutet.
Gruss,
Stefan
komet007
09.07.2007, 14:32
In der Entstehungsphase eines Sonnensystems ist der Stern von einer sogenannten protoplanetaren Scheibe umgeben, in der die Planeten entstehen. Einiges Material daraus stürzt auf die junge Sonne und verunreinigt deren Atmosphäre. Bläht sich diese Sonne dann später zu einem Riesenstern auf, werden diese Verunreinigungen so verdünnt, dass sie nicht mehr nachzuweisen sind.
Allerdings ist es für mich kaum nachvollziehbar, dass das Gas in dieser Atmosphäre über Jahrmilliarden hinweg nicht vermischt werden soll, hier wirken enorme Magnetfeldlinien ein, Gravitation natürlich auch. Meiner Ansicht nach müssten schwere Elemente ständig aus dem Sonneninneren nachgeliefert oder gravitativ aus dem interstellaren Raum eingefangen werden, wobei ich letztere Möglichkeit für sehr unwahrscheinlich halte.
Die Interpretation der Datenlage erscheint mir doch noch recht wage.
komet007
09.07.2007, 14:53
"Die Besonderheiten von Sonnen, die von Planeten umkreist werden, scheinen also zu verschwinden, wenn sie älter werden und sich aufblähen."
Ach wirklich? Könnte es vielleicht sein, dass sich bei Roten Riesen leichte Elemente vorwiegend in den äußeren Hüllen aufhalten und deshalb die Absorbtionslinien schwerer Elemente verschwinden?
Das hat doch nichts mit Mischvorgängen zu tun. :confused:
Ist es denkbar, dass eine Sonne z.B. auch Gold produzieren könnte oder gibt es eine Grenze, bei der keine schwereren Elemente mehr produziert werden können?
(gut, ist etwas OT)
Hi pauli
Die normalen Fusionsprozesse in einer Sonne gehen nur bis zum Eisen. Ab dann entsteht durch Fusion keine Energie mehr. Schwerere Elemente werden danach entweder in einer Supernova erbrütet (R-Prozess - r=rapid (http://de.wikipedia.org/wiki/R-Prozess)) oder während des Riesenstadiums eines Sterns (S-Prozess - s=slow (http://de.wikipedia.org/wiki/S-Prozess))
Hallo Pauli,
auch Eisen und auch die noch leichteren Elemente (außer Helium) werden erst am Ende der Lebensdauer eines Sterns erbrütet. Dann hat dieser Stern aber bereits die Hauptreihe verlassen.
Daher ist der Anteil an schwereren Elementen in einem Hauptreihenstern schon vorhanden gewesen, als der Stern entstand.
Herzliche Grüße
MAC
tja, so eine Goldsonne hätte schon was, würde auch von der Farbe viel besser passen, vlt. mache ich es wie ein berühmter Kollege:
Sonnensatz 1:
Alle gelben Sonnen bestehen aus Gold
Sonnensatz 2:
Solange sie strahlt, können wir das Gold nicht abbauen
Sonnensatz 3:
Wenn wir so in 4mrd. Jahren das ganze Gold abgebaut haben und es zur Erde bringen wird die Erde so schwer dass sie runterfällt, da nützt ihr auch die Rotation nix
Man muss hier aber noch anmerken, dass unsere Sonne niemals Gold oder auch nur Eisen erbrüten wird. Ihre Masse ist so gering, nach einigen Helium-Pulsen (bei denen Helium in Sauerstoff und Kohlenstoff umgewandelt wird) ist Schluss, die Atmosphäre im Weltraum und der Kern (Helium, Sauerstoff, Kohlenstoff) kühlt aus zu einem Weissen Zwerg.
Zum eigentlichen Artikel: Das ist sicherlich eine Erklärung (neu ist daran einzig die Beobachtung der Riesensterne - die Idee gab es schon zuvor). Ich denke, es wäre immer noch möglich, dass alle Sterne Planeten haben, unabhängig von ihrer Metallizität, metallreiche Sterne aber einfach schwerere und damit einfacher zu entdeckende Planeten bilden. Metallizität hilft, schwere Planeten zu bilden, oder auch, Planeten unter erschwerten Bedingungen zu bilden, aber sie ist keine zwingende Voraussetzung für Planetenbildung.
Gemäss diesem Eintrag zum gleichen Thema auf oklo.org http://oklo.org/?p=229 sind die nun beobachteten Riesensterne aber massiver als die Sonne - und massivere Sterne bilden auch massivere Scheiben, so dass Planeten eher entstehen können, unabhängig davon, ob die Metallizität hoch ist oder nicht. Demnach wäre die Beobachtung von Planeten bei sehr massearmen Sternen stark von der Metallizität abhängig, bei massiven Sternen jedoch nicht, weil ohnehin genug Material da ist, um massive (entdeckbare) Planeten zu bilden.
Insofern überzeugt mich das nicht, dass Planeten tatsächlich ihren Stern "verschmutzen"...
Hallo Bynaus,
zu den Schlussfolgerungen dieses Artikels hab’ ich an Dich (als Fachmann) einige Fragen.
Der Verlauf des spezifischen Gewichts bei den äußeren Gasriesen ist doch ein relativ deutlicher Hinweis auf eine Entmischung der protostellaren bzw. protoplanetaren Gaswolke. Dafür kommen nach meinem Verständnis nur zwei Prozesse in Frage. Einmal eine schnellere Akkretion der schwereren Elemente und zum Anderen ein nach außen ‚blasen’ bevorzugt der leichteren Elemente, durch die Strahlung der entstehenden Sonne.
Das führt aber notwendigerweise dazu, dass die Elementverteilung in der Sonne mehr zu den schwereren Elementen hin verschoben sein müssen, als bei den Gasriesen. Damit der Vergleich mit der Kakao-Schicht funktioniert, muß eine relativ dünne Oberflächenschicht von der Durchmischung des Gases innerhalb der Sonne ausgenommen sein. Ist das so? Wenn das so ist, dann müssten aber auch die Spektren der sich neu bildenden Sonnen entsprechend metallärmer sein, als die der schon etwas älteren. Und der Anteil der Metalle bei den Gasriesen muß noch mal deutlich niedriger sein. Ist das so?
Auch erscheint mir viel plausibler, dass bei den Prozessen, die zur Entstehung eines roten Riesen führen, erneut dieselben Entmischungen stattfinden, wie schon bei der Entstehung des Systems.
Erst wenn der Stern die Hauptreihe verlässt und sich zu einem roten Riesen aufbläht, findet unter etwas anderen Ausgangsbedingungen erneut ein ‚Wegpusten’ der leichteren Elemente statt. Diese leichteren Elemente bilden dann die erneut selektiv aufgeblähte Gashülle des roten Riesen.
Wir sehen (immer von außen) diese Wasserstoffhülle, die am weitesten nach außen gelangt.
Wenn diese ‚Verdünnung’ durch eine bessere Durchmischung zustande käme, wie könnte dann der Dichtegradient in unserem Sonnensystem erklärt werden?
Herzliche Grüße
MAC
galileo2609
10.07.2007, 00:55
Insofern überzeugt mich das nicht, dass Planeten tatsächlich ihren Stern "verschmutzen"...
Ich würde ebenfalls dazu raten, diese These mit Vorsicht zu betrachten. Das paper dazu ist übrigens auf arXiv.org verfügbar: Evolved stars hint to an external origin of enhanced metallicity in planet-hosting stars (http://arxiv.org/abs/0707.0788v1)
Der 'Streit' darüber ist nicht neu, allerdings kann ich aus der vorliegenden Veröffentlichung keine unmittelbar überzeugenden Argumente gewinnen. Sollte ein Stern wirklich durch einfallende Scheibenmaterie oder gar durch migrierende Planeten verschmutzt werden, die nicht an der 'Hot Jupiter'-Grenze stoppen, galt bisher der direkte Nachweis von 6Li-Linien. Davon ist hier nicht mehr die Rede.
Das ganze erscheint mir etwas unausgegoren und eher Teil des schlummernden 'Streits' zwischen den theoretischen Positionen bezüglich der Planetenbildung. Wir wissen ja inzwischen, dass Planeten überall aufzufinden sind. Auch um 'metallarme' Sterne, HD 155358 und GJ 317 sind die jüngsten Beispiele. Diese Diskussion sollte man ganz gelassen verfolgen.
Grüsse galileo2609
Der Verlauf des spezifischen Gewichts bei den äußeren Gasriesen ist doch ein relativ deutlicher Hinweis auf eine Entmischung der protostellaren bzw. protoplanetaren Gaswolke.
Nein, eigentlich nicht. Uranus und Neptun sind dichter als Jupiter/Saturn, und Saturn ist weniger dicht als Jupiter... "Je weiter aussen, desto weniger dicht" ist also kaum zutreffend.
Im Bereich zwischen 5 und 10 AU sind die Bedingungen zur Entstehung von Gasriesen am besten (Dichte der Scheibe ist hoch genug, Temperatur ist gleichzeitig tief genug). Vermutlich entstanden alle unsere Gas- bzw. Eisriesen in diesem Bereich und migrierten erst später in ihre heutigen Positionen. Dabei können (gemäss Simulationen) etwa Uranus und Neptun auch ihre vormaligen Plätze getauscht haben oder es könnte sein, dass es einst noch einen weiteren Neptun gab, der beim ganzen herummigrieren aus dem System geschleudert wurde. Ich habe Simulationen gesehen, in denen Jupiter den grössten Teil des schwereren Scheibenmaterials aufgesaugt hat, während er langsam nach Innen wanderte, und so Saturn, der sich später bildete, weniger schwere Elemente zurück liess (was seine geringe Dichte erklärt).
Das "Herausblasen" von leichten Stoffen spielt in der Planetenbildung keine Rolle. Erstens dürfte die Menge an herausgeblasenem Material sehr gering sein (wenn schon, wird das Gas der Scheibe auf die Sonne akkretiert), zweitens ist der Wirkungsquerschnitt eines Planeten auf seiner Bahn sehr gering, das heisst, die Chance, dass ein davongeblasenes Teilchen genau von einem (Gas)Planeten eingefangen wird, ist winzig.
Damit der Vergleich mit der Kakao-Schicht funktioniert, muß eine relativ dünne Oberflächenschicht von der Durchmischung des Gases innerhalb der Sonne ausgenommen sein. Ist das so?
Ja, das ist so: Die Photosphäre der Sonne ist vom Rest der Sonne entkoppelt, das heisst, dieser Bereich der Sonne wird nicht mit dem Rest vermischt und hat immer noch plusminus "primordiale" (ursprüngliche) Zusammensetzung (das sieht man auch an der Hervorragenden Uebereinstimmung der Elementverhältnisse der Photosphäre mit jenen in den primitivsten Meteoriten). Nur sehr kleine Sterne (kleine M-Zwerge) sind "voll konvektiv".
komet007
10.07.2007, 14:47
Ja, das ist so: Die Photosphäre der Sonne ist vom Rest der Sonne entkoppelt, das heisst, dieser Bereich der Sonne wird nicht mit dem Rest vermischt und hat immer noch plusminus "primordiale" (ursprüngliche) Zusammensetzung (das sieht man auch an der Hervorragenden Uebereinstimmung der Elementverhältnisse der Photosphäre mit jenen in den primitivsten Meteoriten). Nur sehr kleine Sterne (kleine M-Zwerge) sind "voll konvektiv".
Hallo Bynaus
ich verstehe immer noch nicht, wie man dadurch Rückschlüsse auf das Sterneninnere gewinnen sollte bzw dass man ausschließen kann, dass die elementare Zusammensetztung im Inneren nicht mit der Photosphäre identisch ist.
Mahananda
10.07.2007, 15:21
Ich habe Simulationen gesehen, in denen Jupiter den grössten Teil des schwereren Scheibenmaterials aufgesaugt hat, während er langsam nach Innen wanderte, und so Saturn, der sich später bildete, weniger schwere Elemente zurück liess (was seine geringe Dichte erklärt).
Kann man das irgendwo nachlesen oder ...schauen? Wieso akkretiert Jupiter nicht auch das leichtere Material?
Viele Grüße!
Michael Johne
10.07.2007, 16:30
Hallo!
@galileo2609: Danke für den Link zum Preprint. Er ist mir bei den täglichen Besuch bei arXiv.org irgendwie entgangen.
Da es überhaupt eine mögliche Erklärung gibt, weshalb es eine hohe Metallizität in Sternen mit Exoplaneten hatte mich etwas überrascht. Bisher sprach man immer nur davon, ohne mögliche Begründungen zu liefern. (Um so größer war abber das Mysterium 'Exoplaneten'.)
Da die hohe Metallizität besonders bei Sternen vorzufinden ist, die Exoplaneten beinhalten, finde ich die Erklärung / Theorie über die Verschmutzung der Sternatmosphäre nicht ganz abwegig. Wen man es realistisch betrachtet, dann muss es einen Vorgang in der Stern/-Planetenentstehung (oder danach) geben, der diese hohe Metallizität verursacht.
Was mich ganz persönlich interessiert, ist, wie sich der Metallizitätgehalt bei jungen Sternen mit Staubscheiben verhält. Wen auch hier ein hoher Metallizitätgehalt bei den meisten Sternen vorzufinden ist, dann wäre es ein weiterer Indiz, dass Planeten die Sternatmosphäre verschmutzen.
MfG, Michael!
Hallo Bynaus,
Vielen Dank für Deine Antwort. :)
Nein, eigentlich nicht. Uranus und Neptun sind dichter als Jupiter/Saturn, und Saturn ist weniger dicht als Jupiter... "Je weiter aussen, desto weniger dicht" ist also kaum zutreffend.Bezogen auf den Dichteverlauf der äußeren Gasriesen hat mich in der Tat mein Gedächtnis genarrt. :o
Was Du hier allerdings schreibst, zumindest so, wie ich es verstehe, leuchtet mir nicht ein.
Das "Herausblasen" von leichten Stoffen spielt in der Planetenbildung keine Rolle. Erstens dürfte die Menge an herausgeblasenem Material sehr gering sein (wenn schon, wird das Gas der Scheibe auf die Sonne akkretiert), zweitens ist der Wirkungsquerschnitt eines Planeten auf seiner Bahn sehr gering, das heisst, die Chance, dass ein davongeblasenes Teilchen genau von einem (Gas)Planeten eingefangen wird, ist winzig.versus
http://de.wikipedia.org/wiki/Sonnensystem
Einen maßgeblichen Einfluss auf die Prozesse der Planetenentstehung hatte der Abstand der Protoplaneten zur jungen Sonne. In Sonnennähe kondensierten schwerflüchtige Elemente und Verbindungen aus, während leichtflüchtige Gase durch den kräftigen Sonnenwind weggerissen wurden.
Alle inneren Planeten haben keine Hülle, die mit der Hülle von Sonne, Jupiter und den weiter außen liegenden Planeten vergleichbar wäre, und es gibt hier bis hin zum Saturn durchaus einen (groben) Gradienten.
Hier leuchtet mir die Darstellung in Wiki durchaus ein. Oder verstehe ich das falsch?
Im Bereich zwischen 5 und 10 AU sind die Bedingungen zur Entstehung von Gasriesen am besten (Dichte der Scheibe ist hoch genug, Temperatur ist gleichzeitig tief genug). Vermutlich entstanden alle unsere Gas- bzw. Eisriesen in diesem Bereich und migrierten erst später in ihre heutigen Positionen.dem kann ich nicht wirklich widersprechen. Aber die Migration nach außen scheint da nicht unbedingt die Regel zu sein.
Wie passt das
Ich habe Simulationen gesehen, in denen Jupiter den grössten Teil des schwereren Scheibenmaterials aufgesaugt hat,mit dem
zweitens ist der Wirkungsquerschnitt eines Planeten auf seiner Bahn sehr gering, das heisst, die Chance, dass ein davongeblasenes Teilchen genau von einem (Gas)Planeten eingefangen wird, ist winzig.zusammen?
Dabei können (gemäss Simulationen) etwa Uranus und Neptun auch ihre vormaligen Plätze getauscht haben oder es könnte sein, dass es einst noch einen weiteren Neptun gab, der beim ganzen herummigrieren aus dem System geschleudert wurde. Ich habe Simulationen gesehen, in denen Jupiter den grössten Teil des schwereren Scheibenmaterials aufgesaugt hat, während er langsam nach Innen wanderte, und so Saturn, der sich später bildete, weniger schwere Elemente zurück liess (was seine geringe Dichte erklärt).ich hab’ da auch nichts besseres.
Allerdings hat es im Laufe der Jahrzehnte immer neue (natürlich bessere) Simulationen gegeben, die alle selbstverständlich zum gleichen Ergebnis (Sonnensystem heute) kamen, nur die Wege dahin unterschieden sich doch sehr deutlich voneinander.
An das Plätze tauschen muß ich mich aber erst noch gewöhnen. ;)
... und hat immer noch plusminus "primordiale" (ursprüngliche) Zusammensetzung (das sieht man auch an der Hervorragenden Uebereinstimmung der Elementverhältnisse der Photosphäre mit jenen in den primitivsten Meteoriten). wie ist das genau gemeint? (bei der Photosphäre) Nur die Metalle untereinander, oder auch der Wasserstoff und das Helium?
Herzliche Grüße
MAC
Zuerst, Photosphäre: Die Zusammensetzung der Elemente der Photosphäre stimmt ausserordentlich gut mit den primitivsten Meteoriten überein(abgesehen von Wasserstoff, Helium und anderen flüchtigen Elementen, natürlich). Primitive Meteoriten sind jene, die nie gross aufgeheizt wurden und nie viel wässerige Alteration (Hydratation ihrer Minerale) gesehen haben. Sie stellen also vermutlich ziemlich "ursprüngliche" Sonnensystemmaterie dar (abzüglich der leichtesten Stoffe). Dass die Photosphäre der Sonne so gut mit ihnen übereinstimmt, scheint also darauf hinzudeuten, dass man die Photosphäre als "Proxy" (Annäherung) für die Elementzusammensetzung des Sonnensystems (und weil das Sonnensystem massenmässig vor allem aus der Sonne besteht, auch der Sonne) nehmen kann. Anderseits wäre es ein ausserordentlicher Zufall, dass die beiden so gut übereinstimmen, obwohl sie von ganz unterschiedlichen Prozessen beeinflusst wurden.
An Mahananda: Arbeiten von W.Benz, Universität Bern.
An Michael: Die Sache mit der Metallizität ist eben nicht so einfach, weil der Beobachtungs-"Bias" mitspielt: Haben Sterne mit höherer Metallizität wirklich mehr Planeten, oder sind ihre Planeten derart, dass man sie mit den heute zur Verfügung stehenden Techniken eher entdeckt? Z.B. scheinen viele Rote Zwerge, die Planeten besitzen, eine GERINGERE Metallizität zu besitzen als solche ohne Planeten - das kommt jedoch möglicherweise daher, dass Rote Zwerge in der Regel sehr aktiv sind, so dass Radialgeschwindigkeitsmessungen nur schlecht möglich sind. Man wählt deshalb vor allem ruhige Rote Zwerge aus, um nach Planeten zu suchen - da die Aktivität der Roten Zwerge mit zunehmendem Alter abnimmt, sucht man also bevorzugt bei alten Roten Zwergen, und die haben, weil sie früh in der Geschichte der Galaxis entstanden sind, geringere Metallizitäten.
An mac: Dass die Inneren Planeten keine Gashüllen haben, sollte uns nicht gross verwundern. Erstens ist der Bereich des inneren Sonnensystems sehr klein, verglichen mit dem äusseren. Es gab hier also schon von vornherein sehr wenig Material zu sammeln. Folglich bildeten sich nur kleine "Kerne", die allesamt zu massearm waren, um Wasserstoff zu halten (es braucht ca. 10 Erdmassen, um den Aufstieg zum Jupiter-Klasse-Gasriesen zu starten - vorher kann zwar Wasserstoff gebunden werden, aber der Planet bleibt klein). Weiter gibt es im Inneren System kein Wassereis, welches das Planetenwachstum sehr stark beschleunigen kann.
Die Darstellung in der Wikipedia ist falsch bzw. veraltet. Verbliebenes Gas wird auf die Sonne akkretiert, nicht "herausgeblasen". In der englischen Version der Seite etwa steht kein Wort vom "herausblasen". Dort steht es richtig: Im inneren Sonnensystem konnten die flüchtigen Stoffe nicht kondensieren, mangels niedriger Temperaturen (und mangels nicht vorhandener Gasriesen), im äusseren System jedoch schon. Im Inneren System fiel also alles Gas auf die Sonne, im äusseren wurde es von den Planeten aufgesammelt oder aber fiel letzlich ebenfalls auf die Sonne.
Aber die Migration nach außen scheint da nicht unbedingt die Regel zu sein.
Nein, keinesfalls. Die Interaktion der vier (oder fünf) Gasriesen mit den Planetesimalen des Kuipergürtels führte dazu, dass Jupiter und Saturn nach Innen wanderten, Uranus und Neptun nach aussen. Neptuns Migration wurde erst durch den Kuipergürtel gebremst, weshalb seine Umlaufbahn um die Sonne auch so erstaunlich kreisförmig ist.
Wie passt das (...) mit dem (...) zusammen?
Jupiter hat natürlich Gas aufgesaugt - aber aus seinem Bereich (innerhalb seiner Hillsphäre), nicht aus Gas, das von der Sonne "herausgeblasen" wurde.
Die Entstehung des äusseren Sonnensystems muss man sich gemäss dieser Simulationen etwa so vorstellen: Zuderst bildet sich der Kern von Jupiter. Durch Interaktion mit der Scheibe wandert er langsam nach Innen und sammelt dabei Gas und Planetesimale auf. Seine Fähigkeit, Wasserstoff aufzunehmen, wird durch seine hohe Temperatur, die er durch die vielen Einschläge von Planetesimalen erfährt, begrenzt (er nimmt Wasserstoff auf, einfach nicht so effizient wie später Saturn).
Dann bildet sich, quasi im "Windschatten", der Kern von Saturn. Er wandert ebenfalls nach Innen, aber nun ist der grösste Teil der Planetesimale weg - Saturn wird viel weniger heiss und kann Wasserstoff effizienter an sich binden - und ist damit sehr viel weniger dicht. Uranus und Neptun sind weitere Kerne, die sich bilden, aber der Solare Nebel dünnt sich allmählich aus, so dass sie nicht mehr zu voller Grösse heranwachsen können. Als das Gas aufgebraucht ist, bleibt Jupiter bei ca. 5.5 AU stehen, Saturn bei ca. 9 AU, Uranus und Neptun zwischen 10 und 15 AU - das System ist also recht kompakt. Ausserhalb der Gasriesenzone befindet sich eine noch sehr massive Scheibe von "Kuipergürtel"-Planetesimalen. Diese werden von Neptun/Uranus nach Innen beschleunigt, wodurch die beiden langsam nach Aussen wandern. Jupiter und Saturn hingegen beschleunigen die Planetesimale nach aussen (in den interstellaren Raum, und/oder die erst dadurch entstehende Oortsche Wolke), wodurch sie nach Innen wandern. Irgendwann überqueren sie eine gegenseitige Resonanz, dh, Jupiter macht 3 Umläufe, wenn Saturn 2 macht - diese Resonanz lässt das kompakte System auseinander fallen. In wenigen Millionen Jahren (maximum) bewegen sich Uranus und Neptun auf ihre heutigen Plätze, Jupiter und Saturn verlassen die Resonanz wieder und das Innere Sonnensystem wird von Planetesimalen bombardiert (das "Späte Schwere Bombardement", auf dessen Rechnung auch die Maria des Mondes gehen).
Allerdings hat es im Laufe der Jahrzehnte immer neue (natürlich bessere) Simulationen gegeben, die alle selbstverständlich zum gleichen Ergebnis (Sonnensystem heute) kamen, nur die Wege dahin unterschieden sich doch sehr deutlich voneinander.
Auf jeden Fall, und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Insofern sollte man solche Dinge nie zu ernst nehmen, sondern stets als momentan interessanteste Möglichkeit betrachten. Mit zunehmendem Wissen über das Sonnensystem steigt aber die Anzahl der Szenarien, die man definitiv ausschliessen kann. Immerhin. ;)
Ich möchte nochmal einen kurzen Schwenk zurück zum Ausgangsartikel machen. Dort wird sinngemäss besagt, dass die protoplanetare Scheibe die Sonnenatmosphäre verunreinigt hat und seither dieser Schleier wie Kakaopulver einer Tiramisu oder eines Cappucino auf der Sonnenoberfläche läge.
Es mag sein, dass zwischen der Sonnenoberfläche und ihren darunter liegenden Schichten keine nennenswerte Konvektion gibt. Dennoch bin ich der Meinung, dass das "Kakaopulver" innerhalb von 4 milliarden Jahren praktisch vollständig fortgeblasen sein muss:
1. Ständiger Strahlungsdruck nach aussen
2. Ständiger Partikelwind nach aussen
3. und stärkstens: laufend vorkommende Protuberanzen.
Wenn es auch die ersten beiden Effekte nicht schaffen die äusseren Schichten durchzuwirbeln, die Protuberanzen schaffen es ganz sicher.
Da es nach kurzer Zeit nach der Sternenstehung kein Material mehr gibt, das laufend die Sternatmosphäre erneut mit Metallen verunreinigt, kann ich mir nicht vorstellen, dass sich das Material recht viel länger als 1 milliarde Jahre dort hält. Sehr wahrscheinlich sogar sehr viel kürzer.
Für mein Dafürhalten scheidet die im Artikel angeführte Erklärung zur Metallizität von Sternen mit Planeten wegen mangelnder Stabilität der Schicht aus.
Hallo Bynaus,
vielen Dank für Deine ausführliche Antwort! :)
Das Bild das Du zeichnest, wird für mich zunehmend plausibler. Muß aber noch darüber nachdenken.
Einige, für mich noch immer unklare Punkte:
Zur Beschreibung bei Wiki. Dieses 'Rauspusten' findet sich nicht nur bei dieser Beschreibung, sondern ebenso, nur in ganz anderen Größenordnungen, beim 'durchsichtig' werden offener Sternhaufen.
Es ist für mich auch ein Widerspruch, wenn Du einerseits sagst, daß dieses Rauspusten nicht stattgefunden hat, andererseits aber z.B. bei Mars die kümmerlichen Reste dieses Rauspusten als Ursache für seinen Atmosphärenverlust identifizierst.
Und zum Mischungsverhältnis.
Du sagst ganz richtig, daß im inneren Bereich des Sonnensystems nicht so viel Materie in der Akkretionsscheibe war wie weiter draußen. Das gilt aber für alle Art von Materie. Nun gestehst Du den (kleineren) Planetesimalen nicht zu, daß sie den Wasserstoff ihrer Umgebung halten können, obwohl ihre Gravitation in weitem Umkreis viel höher ist, als die Sonnengravitation im Abstand der jeweiligen Planetenbahn. Trotzdem fängt die Sonne den Wasserstoff, den die Planeten nicht halten können?
Wie kann die Sonne den inneren Planeten den Wasserstoff entreißen und ihn anschließen auch noch zu sich ranholen?
Durch Sonnenwind wird übrigens die Masse (ich gehe von Wasserstoffgas mit einer (völlig unrealistischen?) mittleren Dichte von 0,1 g/cm^3 aus) der Photosphäre alle 1,7E7 Jahren komplett weggepustet.
Photosphäre 300 km dick (lt. Wiki). Sicher nicht gleichmäßig auf alle Atomarten verteilt, aber auch bei einer 1/10 Effektivität immer noch keine gute Sache für den 'Sonnencappucino'.
OK. Je weniger Ahnung man von einer Sache hat, um so besser läßt sich dummes Zeug denken. Das Meiste davon hast Du ja schon für mich aufgehellt. :)
Wenn's Dir zu viel wird, sag' bescheid. Ich muß nicht alles und sofort wissen.
Herzliche Grüße
MAC
komet007
11.07.2007, 11:30
Zuerst, Photosphäre: Die Zusammensetzung der Elemente der Photosphäre stimmt ausserordentlich gut mit den primitivsten Meteoriten überein(abgesehen von Wasserstoff, Helium und anderen flüchtigen Elementen, natürlich). Primitive Meteoriten sind jene, die nie gross aufgeheizt wurden und nie viel wässerige Alteration (Hydratation ihrer Minerale) gesehen haben. Sie stellen also vermutlich ziemlich "ursprüngliche" Sonnensystemmaterie dar (abzüglich der leichtesten Stoffe).
Hallo Bynaus
verzeih bitte, wenn ich nochmal nachfragen muss, aber im Artikel geht es darum, dass die Photosphäre scheinbar erst später mit den Elementen der Protoplanetaren Scheiben "verschmutzt" wurde. Meine Frage war nun, wie man sich da so sicher sein kann, dass nicht auch das Innere der Sonne aus den selben Elementen besteht. Das Argument mit den Roten Riesen steht meiner Ansicht nach in keinerlei Zusammenhang dazu.
Hallo Bynaus und Komet,
aber im Artikel geht es darum, dass die Photosphäre scheinbar erst später mit den Elementen der Protoplanetaren Scheiben "verschmutzt" wurde.
Eben genau das leuchtet mir auch so überhaupt nicht ein (ich war nur argumentationstechnisch noch nicht so weit)
Wenn das wirklich so ist (mit der Photosphäre), dann hat das ja außerordentliche Konsequenzen auf die Zusammensetzung von Materie im Universum.
Geht man neuerdings davon aus, dass die Photosphäre eine Schicht darstellt, in der die schwereren Elemente in einem weit überproportional hohen Anteil vorkommen, dann gibt es gravierende Probleme mit der Erklärung der Zusammensetzung der interstellaren Materie, mit der Sternbildungsrate, der Altersverteilung der Sterne, der IMF, der SN/(Zeit und Sternenmasse) der Effektivität der Materieverteilung durch SN, dem Anteil Baryonischer Materie/DM und wahrscheinlich hab’ ich noch nicht mal einen Bruchteil aller daraus resultierender Probleme erkannt. Und das in einem Ausmaß, daß etliche Größenordnungen umfaßt.
Herzliche Grüße
MAC
An Jonas: Die Sonne verliert durch Protuberanzen und Sonnenwind nur sehr wenig Masse, etwa 3.5e16 kg pro Jahr (Totale Masse: 2e30). Das sind etwa 0.00000006 Erdmassen pro Jahr, oder etwas unter einer Erdmasse in ihrem ganzen Leben. Der protoplanetare Nebel war aber sehr viel massiver: unter Umständen hatte er bis zu 10 Prozent der Sonnenmasse, oder 30000 Erdmassen, davon etwa 1-2% schwere Elemente, also rund 300 bis 600 Erdmassen. Der Vorrat an schweren Elementen wäre also nicht einmal dann aufgebraucht, wenn die Sonne bei Protuberanzen einzig schwere Elemente auswerfen würde!
An mac: Eine kleine Korrektur: Es gibt das "Rauspusten" natürlich schon (sichtbar z.B. an Kometenschweifen), bloss, es spielt, wenn es um die Frage der Auflösung des protoplanetaren Nebels geht, keine Rolle. Auspusten funktioniert nämlich so: der Sonnenwind oder das UV-Licht der Sonne ionisieren Teilchen, diese werden dann vom Sonnenwind mitgerissen und in den interstellaren Raum verfrachtet (siehe Kometenschweif). Da die Sonne im UV nicht sehr hell ist, spielt das keine grosse Rolle (die Ionisation ist nicht sehr effizient und der Sonnenwind nicht besonders stark). Bei Sternhaufen, die Monster-Sterne vom Typ O und B enthalten, die im UV Bereich am hellsten sind und extrem starke Sternwinde aufweisen, spielt die Ionisation des Nebels und damit das "Wegpusten" eine grosse Rolle. Bei der Atmosphäre des Mars wiederum ist es wieder eine Frage der Grössenordnung: Die Marsatmosphäre, das ist so extrem wenig Material (verglichen mit dem protoplanetaren Nebel), dass das "Wegpusten" hier über die gegebenen Jahrmilliarden eben doch eine Rolle spielen kann. Der protoplanetare Nebel, das war Millionenfach mehr Material als dieses winzige Marsatmosphärchen... ;)
Nun gestehst Du den (kleineren) Planetesimalen nicht zu, daß sie den Wasserstoff ihrer Umgebung halten können, obwohl ihre Gravitation in weitem Umkreis viel höher ist, als die Sonnengravitation im Abstand der jeweiligen Planetenbahn. Trotzdem fängt die Sonne den Wasserstoff, den die Planeten nicht halten können?
Ob ein Planet(esimal) einen bestimmten Stoff in der Atmosphäre halten kann, hängt von der Temperatur dieser Atmosphäre und der Fluchtgeschwindigkeit ab. Die Fluchtgeschwindigkeit von der Sonne auf der Höhe der Erde beträgt etwa 42 km/s. Die Fluchtgeschwindigkeit von der Erde beträgt aber 11 km/s, vom Mond 2.6 km/s. Wo ist das Problem? :)
Wie kann die Sonne den inneren Planeten den Wasserstoff entreißen und ihn anschließen auch noch zu sich ranholen?
Sie muss ihn den Planeten gar nicht entreissen, denn diese konnten ihn noch gar nie an sich binden. Es reicht, dass der grösste Teil des Gases durch die Strahlung in seinem Umlauf um die Sonne gebremst wird und damit unweigerlich auf die Sonne fällt.
Und ihr habt natürlich recht, dass die eigentliche "Photosphäre" der Sonne zu klein ist für die Capuccino-Analogie - die Photosphäre ist aber einfach die Schicht der Sonne, aus der uns die Photonen erreichen (nachdem sie sich einen langen, langen Weg durch das Sonnenplasma nach aussen gekämpft haben). Die Bezeichnung "Photosphäre" ist also eher operativ, es ist, von der Zusammensetzung her gesehen, keine besondere "Schicht" der Sonne. Das heisst, dass sich die Metallanreicherung eben nicht auf die "Photosphäre" an sich beschränkt, wohl aber auf die obersten Schichten der Sonne, zu der auch die Photosphäre zählt. Ich müsste mich jetzt aber kundig machen, um den genauen Bereich der "Anreicherung", die hier gemeint ist, ausfindig zu machen.
Meine Frage war nun, wie man sich da so sicher sein kann, dass nicht auch das Innere der Sonne aus den selben Elementen besteht.
Lass mich kurz rückfragen: du meinst hier mit "Sonne" eigentlich "Stern"?
Hallo Bynaus,
in Deinen Angaben über den Verlust an Sonnenmasse steckt leider ein schwerwiegender :rolleyes: Fehler.
An Jonas: Die Sonne verliert durch Protuberanzen und Sonnenwind nur sehr wenig Masse, etwa 3.5e16 kg pro Jahr (Totale Masse: 2e30). Das sind etwa 0.00000006 Erdmassen pro Jahr, oder etwas unter einer Erdmasse in ihrem ganzen Leben. 3,6*10^16 kg/a multipliziert mit nur einmal der Anzahl des bisher verstrichenen Alters der Sonne von (grob veranschlagt) 4,5*10^9 a ergibt bei mir 15,75*10^25 kg in 4,5 Mrd. Jahren. Die Erdmasse beträgt 5,974*10^24 kg. Ergo verlor die Sonne bisher 26,364 Erdmassen - und das, wie gesagt, noch nicht einmal in ihrem gesamten Leben!
Berichtigende Grüße von
Toni
Hallo Bynaus
An Jonas: Die Sonne verliert durch Protuberanzen und Sonnenwind nur sehr wenig Masse, etwa 3.5e16 kg pro Jahr (Totale Masse: 2e30). Das sind etwa 0.00000006 Erdmassen pro Jahr, oder etwas unter einer Erdmasse in ihrem ganzen Leben.hier liegst Du rund ums 25 fache unter der Aussage aus Wiki (Sonnensystem/Sonne)?
Der protoplanetare Nebel war aber sehr viel massiver: unter Umständen hatte er bis zu 10 Prozent der Sonnenmasse, oder 30000 Erdmassen, davon etwa 1-2% schwere Elemente, also rund 300 bis 600 Erdmassen. Der Vorrat an schweren Elementen wäre also nicht einmal dann aufgebraucht, wenn die Sonne bei Protuberanzen einzig schwere Elemente auswerfen würde!Davon war auch nie die Rede. Die Aussage im Artikel war ganz anders: Ein roter Riese hat im Vergleich zu ähnlich alten Hauptreihensternen sehr viel weniger Metalle, weil sein Wasserstoff im Riesenzustand diese Metalle der Photosphäre durch unbehinderte Konvektion ganz und gar verdünnt. Es findet eine Durchmischung statt, die den ‚Zuckerguss’ sozusagen in der viel größeren Masse Wasserstoff und Helium auflöst.
...Bei Sternhaufen, die Monster-Sterne vom Typ O und B enthalten, die im UV Bereich am hellsten sind und extrem starke Sternwinde aufweisen, spielt die Ionisation des Nebels und damit das "Wegpusten" eine grosse Rolle.ja sehe ich auch so. Eine Frage der übertragbaren Energie. Legt man die Masse/Leuchtkraft Beziehung L=M^4 zu Grunde, dann braucht man einen Stern von 100 Sonnenmassen, um in einer Entfernung von 1 Lichtjahr den gleichen ‚Strahlungsdruck’ zu erzeugen, wie die Sonne in 5AE. Nun sind diese 100 M0 Sterne aber auch nicht unbedingt die Regel in offenen Sternhaufen. Dein Gegenargument überzeugt mich daher noch nicht wirklich.
Bei der Atmosphäre des Mars wiederum ist es wieder eine Frage der Grössenordnung: Die Marsatmosphäre, das ist so extrem wenig Material (verglichen mit dem protoplanetaren Nebel), dass das "Wegpusten" hier über die gegebenen Jahrmilliarden eben doch eine Rolle spielen kann. Der protoplanetare Nebel, das war Millionenfach mehr Material als dieses winzige Marsatmosphärchen... ;)hm. Die Dichte der Marsatmosphäre ist um sehr viele Größenordnungen höher, als die Dichte selbst des dichtesten protoplanetaren Nebels. Und die Sonne strahlt nicht nur auf die extrem winzige Fläche des Mars.
Ob ein Planet(esimal) einen bestimmten Stoff in der Atmosphäre halten kann, hängt von der Temperatur dieser Atmosphäre und der Fluchtgeschwindigkeit ab. Die Fluchtgeschwindigkeit von der Sonne auf der Höhe der Erde beträgt etwa 42 km/s. Die Fluchtgeschwindigkeit von der Erde beträgt aber 11 km/s, vom Mond 2.6 km/s. Wo ist das Problem? :) nun wenn Du an dieser Stelle anfängst zu rechnen, dann liegt das Problem im Wesentlichen darin, diese 42 km/s wieder loszuwerden, bevor das nächste Photon erneut ‚Dampf macht’.
Sie muss ihn den Planeten gar nicht entreissen, denn diese konnten ihn noch gar nie an sich binden. Es reicht, dass der grösste Teil des Gases durch die Strahlung in seinem Umlauf um die Sonne gebremst wird und damit unweigerlich auf die Sonne fällt.mit diesem Argument bestreitest Du in meinem Verständnis die Existenz von Planeten. Wenn sie überhaupt entstehen können, dann müssen sie Material akkretieren, dass in etwa das gleiche Mischungsverhältnis hat, wie die Protoplanetare Scheibe ihrer Umlaufbahn. Wenn das nicht der Fall ist, dann muß es einen Selektionsmechanismus geben.
... Ich müsste mich jetzt aber kundig machen, um den genauen Bereich der "Anreicherung", die hier gemeint ist, ausfindig zu machen. das (die Struktur der Photosphäre) hab’ ich in der Wiki-Beschreibung anders verstanden. Da ist sie rund 300 km dick.
Lass mich kurz rückfragen: du meinst hier mit "Sonne" eigentlich "Stern"?ohne wirkliche Trennung zwischen den beiden Begriffen.
Herzliche Grüße
MAC
galileo2609
12.07.2007, 01:36
Das paper von Pasquini et al. scheint das Potential zu haben, das anstehende Sommerloch interessant werden zu lassen. Wie ich schon gepostet habe, entzündet sich anhand dieser Hypothese der 'Streit' in den konkurrierenden Schulen der Planetenbildungstheorien aufs Neue. Gut abzulesen ist das Köcheln im von Bynaus zuerst verlinkten 'Systemic-Blog': planeticity vs. metallicity (http://oklo.org/?p=229). Eine ebenfalls skeptische Betrachtung wurde heute im Blog von 'Centauri Dreams' formuliert: Planetary Debris and Its Effects (http://www.centauri-dreams.org/?p=1343).
Dass ausgerechnet Hatzes die Pasquini-These stützt ist nicht ungewöhnlich. Bei den Tautenburgern herrscht auch die These vor, dass sich die 'Hot Jupiters' entgegen der Migrationshypothese 'in situ', also nahe an ihrem Heimatstern gebildet haben. Hier prallen noch einmal die theoretischen Abklärungen der Vertreter des 'core accretion'-Modells mit denen des 'gravitational instability'-Modells aufeinander. Im Original nachzulesen im 'Letter'-Artikel Giant planet seeks nursery place (http://www.nature.com/doifinder/10.1038/436182a) von Hatzes und Wuchterl, anlässlich der Entdeckung des Planeten bei dem Dreifachsternsystem HD 188753. Ein Planet, der z. Zt. übrigens von den Schweizer Planetenjägern als 'not existent' (http://www.ncac.torun.pl/~maciej/Planets/HD188753Ab.html) klassifiziert ist.
Grüsse galileo2609
hier liegst Du rund ums 25 fache unter der Aussage aus Wiki (Sonnensystem/Sonne)?
Toni hat recht, ich hab mich da irgendwo verrechnet. Trotzdem bleibt meine Aussage, die ich damit machen wollte, bestehen: 1-2% von diesen 26 Erdmassen (also etwa 0.4 Erdmassen) an verlorenem Material liegen als schwere Elemente vor - das ist sehr viel weniger Material als die Sonne aus der protoplanetaren Nebel durch Akkretion gesammelt hat. Was ich damit eigentlich sagen will: WENN es so wäre, dass die Metallizität aus der protoplanetaren Scheibe kommt, DANN scheitert diese Hypothese sicher nicht daran, dass das Material längst durch Sonnenwind/Protuberanzen "herausgeweht" worden wäre.
Es kann natürlich aber auch sein, dass diese Hypothese falsch ist, und diese Sterne bis hinunter zum Kern diese Metallizität aufweisen... (das denke ich auch). Vielleicht habt ihr mich falsch verstanden: ich will nicht die "Verschmutzungs-Hypothese" stützen, ich will bloss sagen, dass die Hypothese nicht daran scheitert, dass die Metalle wieder rausgeweht werden müssen. Sie scheitert an anderen Dingen!
Nun sind diese 100 M0 Sterne aber auch nicht unbedingt die Regel in offenen Sternhaufen. Dein Gegenargument überzeugt mich daher noch nicht wirklich.
Der relative Anteil der ionisierenden UV-Strahlung ist sehr viel höher. L ist die Gesamtstrahlung. Ein massiver Stern strahlt aber sehr viel heller in UV und kann deshalb auch noch über sehr viel grössere Distanzen ionisierend wirken.
Die Dichte der Marsatmosphäre ist um sehr viele Größenordnungen höher, als die Dichte selbst des dichtesten protoplanetaren Nebels. Und die Sonne strahlt nicht nur auf die extrem winzige Fläche des Mars.
Es geht nicht um die Dichte, sondern um die totale Masse. Der Sonnenwind hat natürlich auch einen winzigen Teil des protoplanetaren Nebels rausgepustet, aber eben nur ein Teil, der in seiner Masse mit der Marsatmosphäre (ganz grob) vergleichbar ist. Das ist aber vernachlässigbar gegenüber der Gesamtmasse des protoplanetaren Nebels und spielt damit eben einfach keine Rolle.
nun wenn Du an dieser Stelle anfängst zu rechnen, dann liegt das Problem im Wesentlichen darin, diese 42 km/s wieder loszuwerden, bevor das nächste Photon erneut ‚Dampf macht’
Photonen allein machen nicht "Dampf". Photonen können eine vorhandene Atmosphäre wärmen, womit sich die mittlere Teilchengeschwindigkeit erhöht, womit sich die Anzahl der Teilchen erhöht, die Fluchtgeschwindigkeit gegenüber dem Planetesimal erreichen. Im Weltraum jedoch wird das Gas früher oder später mit der Sonne kollidieren.
mit diesem Argument bestreitest Du in meinem Verständnis die Existenz von Planeten.
Das stimmt ja auch - fast. ;)
Wenn sie überhaupt entstehen können, dann müssen sie Material akkretieren, dass in etwa das gleiche Mischungsverhältnis hat, wie die Protoplanetare Scheibe ihrer Umlaufbahn. Wenn das nicht der Fall ist, dann muß es einen Selektionsmechanismus geben.
Natürlich gibt es einen Selektionsmechanismus: Volatilität.
das (die Struktur der Photosphäre) hab’ ich in der Wiki-Beschreibung anders verstanden. Da ist sie rund 300 km dick.
Ja. Stimmt auch. Bloss, die "Verschmutzung" geht wohl tiefer als die Photosphäre. Vermutlich umfasst sie die gesamte Konvektionszone (aber eben nicht die Strahlungszone). Ich mir da aber nicht ganz sicher, deshalb der Hinweis, ich müsste mich da kundig machen.
ohne wirkliche Trennung zwischen den beiden Begriffen.
Es geht hier bloss darum, ob er sich auf unsere Sonne bezieht oder ob er sich auf die Sterne in der neuen Studie bezieht.
Vielleicht sollten wir die verschiedenen Diskussionsstränge mal teilen - langsam verliere ich die Uebersicht.
Hallo,
kurzes Zwischenstatement.
Vielen Dank Galileo, für die Links. (Nature geht leider für mich nicht) aber in dem Link von http://oklo.org/?p=229 ist eine interessante Graphik. Ich meine die Gegenüberstellung der Hauptreihensterne und der Riesen, normiert auf die Metallizität.
Beim Anblick der Graphik hatte ich schon einige Absätze Text mit einer Erklärung, warum hier eine statistisch kaum zu haltende Aussage gemacht wurde aufgeschrieben, dann aber beim Weiterlesen gesehen, dass auf diese Idee auch der Autor dieses Links schon gekommen war:
The paucity of planets around high-metallicity giants probably stems in part from small number statistics and from the fact that there are very few super-metal-rich giants in the survey. Note that the histograms plot the distributions in metallicity for planet-bearing stars, and not the fraction of planet-bearing stars in a complete sample as a function of metallicity Although a detailed Monte-Carlo experiment is definitely in order, I think that Pasquini et al.’s result will end up being fully in line with the expectations of the core-accretion theory. Schaut Euch die Graphik an. Fragt Euch, wieso es so wenig rote Riesen gibt, die eine hohe Metallizität haben und was das für einen Einfluß auf die hier dargestellte Verteilung haben kann.
Solange es nur so wenig Daten in dieser Gruppe gibt, wäre ich mit der gegebenen Interpretation auch vorsichtiger.
Herzliche Grüße
MAC
Ps. Das berührt unsere Diskussion (oder besser mein Dazulernen) Bynaus, aber nur am Rande. ;)
komet007
12.07.2007, 17:23
Schaut Euch die Graphik an. Fragt Euch, wieso es so wenig rote Riesen gibt, die eine hohe Metallizität haben und was das für einen Einfluß auf die hier dargestellte Verteilung haben kann.
Das hatte ich bereits mit Beitrag #4 (http://www.astronews.com/forum/showpost.php?p=25323&postcount=4) getan. Grafik;)
Hallo komet,
Das hatte ich bereits mit Beitrag #4 (http://www.astronews.com/forum/showpost.php?p=25323&postcount=4) getan. Grafik;)ja, das was Du in Beitrag #4 geschrieben hast, bestreite ich nicht. Es hat jedoch mit dem was ich hier anspreche, nichts zu tun.
Ich meine, daß es einfach viel zu wenig rote Riesen mit hoher Metallizität gibt. Und das hat etwas mit IMF, Entstehungszeitpunkt, Sternengröße und Lebensdauer zu tun.
Herzliche Grüße
MAC
Hallo Bynaus,
leider hab’ ich einen ganzen Teil meiner nächsten Antwort vergessen mit nach Hause zu nehmen. Kommt also erst Morgen.
Aber schon mal vorab ein Teil. Mit L ist die Leuchtkraft gemeint, und die meint nicht nur sichtbares Licht, sondern die gesamte abgestrahlte (Photonen)Energie. Da steckt nach meinem Verständnis also die Wirkung der wienschen Verschiebung schon drin.
Herzliche Grüße
MAC
Mit L ist die Leuchtkraft gemeint, und die meint nicht nur sichtbares Licht, sondern die gesamte abgestrahlte (Photonen)Energie. Da steckt nach meinem Verständnis also die Wirkung der wienschen Verschiebung schon drin.
L ist quasi das Integral über das ganze Spektrum. Aber nehmen wir z.B. einen Stern, der im optischen 100 mal heller ist als die Sonne (nur als Beispiel). Das heisst eben nicht, dass er auch im UV 100 mal heller ist - denn da ein solcher Stern auch sehr viel heisser ist, ist er im UV sicher mehr als 100 mal heller als die Sonne. Deshalb kannst du nicht einfach die Gesammthelligkeit L nehmen, um den "Ionisationsradius" des Sterns zu berechnen (höchstens als ganz grobe Näherung). Du müsstest berechnen, wie hell ein Stern, in Abhängigkeit von seiner Masse, im UV-Bereich ist, und dann diesen Wert mit dem Ionisationsradius der Sonne vergleichen.
Hallo Bynaus,
ich bin Deinem Wunsch
Vielleicht sollten wir die verschiedenen Diskussionsstränge mal teilen - langsam verliere ich die Uebersicht.gefolgt und habe ein eigenes Thema aufgemacht: :)
'Wie entsteht ein Sonnensystem?'
http://www.astronews.com/forum/showthread.php?p=25584#post25584
Herzliche Grüße
MAC
Michael Johne
16.07.2007, 14:48
Hallo!
Ich habe hier mal einige ältere Preprint gefunden, die mit dieser These beschäftigen:
* Metallic fingers and metallicity excess in exoplanets host stars: the accretion hypothesis revisited (http://arxiv.org/abs/astro-ph/0309790)
* Abundances in stars with exoplanets (http://arxiv.org/abs/astro-ph/0310377)
* When Do Planets Form? A Search for Extra-solar Planets Around Metal-Poor Stars (http://arxiv.org/abs/astro-ph/0311013)
* Metallicity, planetary formation and migration (http://arxiv.org/abs/astro-ph/0310695)
* Spectroscopic [Fe/H] for 98 extra-solar planet-host stars - Exploring the probability of planet formation (http://arxiv.org/abs/astro-ph/0311541)
MfG, Michael!
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